Blog 591 - 25.08.2019 - Vorstellungsbesuch, Purple und Grünes Heupferd

Kaum ist das Schwein fertig vernäht, gibt es gleich am Sonntag eine Einladung, bei der ich gebeten wurde, etwas zum Thema "Puppen" mitzubringen. Welche ich mitnehme, ist keine Frage, denn das Rumpelstilzchen und das Schwein blinkern mich gut gelaunt an. Bei der privaten Feier sitzen mehrere kulturinteressierte Leute gemütlich zusammen, es wird gegessen und erzählt. Als ich gefragt werde, ob es neue Puppenspielpläne gibt, kommen die beiden Figuren aus dem Koffer.

Das Schwein überrumpelt natürlich sofort mit seinem niedlichen Aussehen und seinem naiven Charakter, aber auch das Rumpelstilzchen kommt genau so an, wie ich es vorhabe. Zuerst gibt es ein entsetztes "Iiiieh!", das sehr schnell in Faszination übergeht und in lächelnden Gesichtern endet. Es ist immer wieder schön, wie ringsherum die Augen leuchten, sobald die Puppen lebendig werden. Ich habe großen Spaß. Am Ende ihrer Vorstellungsrunde kommen die Puppen aber wieder in ihren Koffer, denn schließlich bin ICH eingeladen. Eine Persönlichkeitsvermischung und Fragen, die eigentlich MIR gestellt werden, bei denen aber das Schwein angesprochen wird und dann meine Antwort spricht, möchte ich gar nicht erst haben.  

Am nächsten Tag ist eintrittsfreier Kinoabend im städtischen Freibad. Das Wetter ist perfekt, auf dem Gelände gibt es Zelte mit Essen und Getränken und die Besucher haben Decken mitgebracht und lagern auf der Wiese. Nur das blau leuchtende Schwimmbecken ist abgesperrt und wird von entschlossen blickenden Helfern vor eventuell Badewilligen bewacht. Vor dem Film gibt es ein Konzert von Purple Schulz. Der freut sich über die entspannten Zuschauer, die an "Woodstock" erinnern, und bringt sein aktuelles Programm. Es ist alles sehr chillig und gemütlich. Bei "Verliebte Jungs" stehen dann aber doch alle auf, weil Mitklatschen, Singen und Tanzen so schlecht auf Decken liegend geht.

Es ist dunkel als Purple und der Gitarrist Marcus Winstroer das letzte Lied spielen, und gleich danach startet der Film auf großer Leinwand. Von dem kriege ich nur den Anfang mit, denn mir fehlt sowieso Schlaf und der Wecker klingelt um 6 Uhr. Ein Abendfilm ist nicht das, was ich gerade brauche, auch wenn es im Schwimmbad sehr gemütlich ist. Ich unterhalte mich noch etwas mit Purple, dann bin ich weg. Es sind Ferien und ich tue das, was ich will und was mir gut tut. An diesem Abend ein Bett.

Die Woche fliegt vorbei, ohne dass noch Wichtiges geschieht. Ich räume, krame und werkel im Garten vor mich hin. Da gibt es ständig etwas zu tun und ich mag es, ganz alleine vor mich hin zu arbeiten, die Gedanken fliegen zu lassen, mich zu bewegen, ein- und auszuatmen. An vielen Stellen ist der Garten inzwischen schön zugewachsen, an einigen schon zu dicht, so dass wieder was raus muss, an anderen gerade Baustelle.

In den in diesem Jahr mageren Himbeeren begegne ich einem Grünen Heupferd. Faszinierend. Besonders weil es sich ganz bewusst immer wieder hinter einem Blatt oder einem Ast meinem Blick entzieht. Es klettert einfach auf die andere Seite und wartet still ab. Es ist etwa acht Zentimeter lang und obwohl ich ungefähr weiß, wo es sitzen muss, dauert es, bis ich es im Grün der Blätter wieder entdecke. Zwischendurch kriege ich es aber mal aufs Bild und bin entzückt, wie kompliziert und detailreich es gebaut ist.

Anstatt an einer neuen Klappmaulfigur zu bauen, was ich eigentlich vorhatte, kratze ich trockene Efeureste von der Hauswand ab. Eine Wand, an der sich malerisch etwas Efeu hochrankt, sieht klasse aus. Dachte ich mal. Aber kaum guckte ich mal drei Monate nicht hin, wuchs der Efeu bis unter die Dachpfannen, verzehnfachte seine Austriebe und durchwurzelte das Erdreich um zwei weitere Quadratmeter. Als er nicht nur damit drohte, dass ich die Kontrolle über ihn verliere, sondern es durchzog, kappte ich seine Verbindungen und kämpfe seitdem mit Wurzeln, neuen Austrieben und seinen Resten.       

Die Efeu-Hauswand möchte ich streichen, aber die kleinen Haftwurzeln lassen sich nicht entfernen. Ich überlege kurz, ob ich einfach alles dran lasse, mit Wandfarbe darüberstreiche und die vertrockneten Haftwurzeln und Blätter danach sorgfältig mit Grün übermale. Das wäre mal eine extrem realistische Wandmalerei. Kann man die trockenen Reste eigentlich mit einem Gasbrenner abflammen oder geht dabei das ganze Haus drauf? Ich sehe jetzt schon vor mir, wie an den Trümmerresten des ausgebrannten Hauses langsam die Efeuranken hochschlängeln.

Ungefähr am nächsten Wochenende wird diese Homepage überarbeitet. Das kann schnell und fast unauffällig passieren oder dann doch Probleme machen. Ich sag es nur mal vorher, damit sich niemand wundert, wenn es erst in einigen Wochen wieder etwas zu lesen gibt. Dann hätte es allerdings sehr viele Probleme gegeben.

            
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