Blog 590 - 18.08.2019 - Bauvergnügen, Oberlippenbart und Raumvermessung

Nach einer Woche Klappmaulpuppenbau im Bochumer Figurentheater-Kolleg brauche ich zuhause einige Tage, um einigermaßen wieder in den Alltag zu kommen. Wie immer sitze ich gefühlsmäßig weiter im Werkraum und habe den Kopf voll mit Puppen und Spielideen. Immerhin baue ich zuhause an meinem Schwein weiter, das noch diverse Körperteile wie Arme, Pfoten, Zunge und Ohren braucht.

Mein "Rumpelstilzchen" macht probeweise einige Typveränderungen durch. Kein Bart - wenig Bart - viel Bart. Der Oberlippenbart war ein Spaß in der Werkstatt, der dann unerwartet gut aussah. Nach ein bisschen Herumprobieren mit diversen Bartvariationen weiß ich, was ich haben will. Jetzt würde ich mit dem Stück am liebsten sofort weitermachen, aber vernünftigerweise denke ich daran, dass ich gerade das "Tim-Mütze"-Stück habe und auch die "Geschworenen" bald im Tempo anziehen. Das "Rumpelstilzchen" ist im nächsten Jahr dran.

Beim Arbeiten mache ich nebenbei eine wichtige Erfahrung, die mir eigentlich nicht neu war, anscheinend aber nochmal aufgefrischt werden musste: Der Gedanke, es sei schneller, den Deckel der untersten von sechs großen, übereinander gestapelten Plastikboxen kurz anzuheben und ein Stoffstück herauszuangeln, als vorher die fünf Boxen darüber einzeln herunterzuheben, fällt in dem Moment in sich zusammen, wenn die oberste Box rutscht, fällt, auf dem Boden aufknallt und ihren gesamten Inhalt schwungvoll in der Gegend verstreut. Vor allem, wenn es die "Augen"-Kiste ist, in der sich Bälle, Kugeln und winzigste Pupillen befinden. Ich sag mal so: Die Aufräumarbeiten dauern wesentlich länger als jedes noch so umständliche Kistenstapeln.

Obwohl ich Ferien habe und die "12 Geschworenen" erst im September weitergehen, flutschen sie schnell mal rein. Im Bühnenraum kann ich unerwartet einen Blick hinter die sonst geschlossene Wandverkleidung werfen, ehe sie erneut zugebaut wird. Das hilft mir sehr, denn ich kann schnell die genauen Maße nehmen, nach denen ich ein Bord bauen und ein Fenster verkleiden muss. Nach bisheriger Planung wäre ein Blick auf den Hintergrund und der Abbau des Ständergerüsts erst zwei Wochen vor unserer Premiere möglich gewesen, was mir schon Sorgen machte, weil das ziemlich knapp ist. Das zwischenzeitliche Freilegen war nicht geplant, freut mich aber verständlicherweise sehr.

Im Programmheft von Szene 93 ist das Stück schon angekündigt. Das Ensemble hat momentan Sommerpause. Der Spielstand ist noch nicht als solcher zu bezeichnen, denn im Prinzip sind wir sechs Proben textablesend, mit ersten Regieanweisungen und noch vielen Fragen, die nicht alle eine Antwort hatten, das Stück durchgegangen. Die Premiere ist in drei Monaten. Das kommt mir gerade gar nicht mehr weit weg vor, aber das kriegen wir hin. Ist auch die letzte Sommerpause, die wir haben. Die nächste heißt Herbstpause.  

Am Ende der Woche ist das Schwein fertig und ich muss überlegen, ob ich meine Bausachen wegräume, oder ob ich noch eine Figur bauen möchte. Das Bauen hätte mehrere Vorteile: Ich müsste meine Sachen noch nicht wieder ordentlich einsortieren, ich könnte abends vor dem Fernseher gemütlich nähen, etwas Plüsch aus meinen vollen Kisten würde verbraucht und ich könnte vergnüglich vor mich hin werkeln.

Die Nachteile, dass dann die Bausachen in Wohnzimmer und Küche liegen, dass ich abends vor dem Fernseher Schaumstoff- und Stoffreste verteile und es zwischendurch nach Pattex stinkt, dass ich dann weniger Zeit für andere Sachen habe ... würde ich dabei großzügig übersehen. Mal sehen. 

            
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