Blog 584 - 07.07.2019 - Vorhang, Pressefoto und Musik

Meinen Bühnenvorhang für die Puppenbühne möchte ich einhändig öffnen können. Das heißt, ich ziehe an EINER seitlichen Schnur und BEIDE Vorhanghälften gehen gleichmäßig auf. Das hatte ich schon gebaut und es funktionierte, aber bei offenem Vorhang hing ein Stück der Schnur locker oben in den Bühnenausschnitt, sobald ich die Konstruktion mit einem Gewicht straffte, verdrehte sich die seitliche Zugvorrichtung und war nicht mehr zu bedienen. Weil die Zeit knapp war, entfernte ich kurz vor der Premiere die Seilkonstruktion und zog den Vorhang mit der Hand erst rechts, dann links auf. Sah nicht so schön aus, funktionierte aber. 

Leider habe ich über der Vorhangschiene keinen Platz, sonst könnte ich die Schnur bequem dort entlang führen. Außerdem muss die Bühne auf- und abgebaut werden können, weswegen alles nur an einem Bühnenteil befestigt sein darf. Die baulichen Voraussetzungen sind also nicht ideal. Sie sind sogar so blöd, dass ich nach meinem Versuch dachte, dass eine Zugvorrichtung bei dieser Bühne nicht zu bauen ist. Nach dem Vorspielen im Bochumer Figurentheaterkolleg sagte Bodo Schulte (Lehrer, Mentor und Fachmann): "Den Vorhang musst du aber so bauen, dass er an beiden Seiten gleichzeitig aufgeht." "Ähm, ja. Wollte ich. Klappt aber nicht, weil ich oben keinen Platz habe." Mit einem kurzen Blick auf die knapp am oberen Rand angebrachte Leiste - und ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass die Schnur nicht an den Bühnenseitenelementen verspannt werden kann und sich Vorhangschiene, Vorhang und Schnur ständig im Weg sind - sagte er: "Natürlich klappt das. Kriegste schon hin." Einzig aufgrund dieser Kriegste-schon-hin-Aussage, von der ich weiß, dass sie auf einer wackeligen, nicht durchdachten Basis steht, denke ich: "Krieg ich schon hin."

Ich überlege ein bisschen, schraube Ringschrauben zur Schnurführung, führe einen Teil der Schnur über eine Extraleiste, schraube einige Ringschrauben nochmal um, ersetze die erste Schnur durch eine andere und dann habe ich es. Locker und leicht lässt sich der Vorhang mit nur einer Hand entweder zu beiden Seiten aufziehen oder in die Mitte zuziehen. Beim Auseinanderbau der Bühne bleibt alles an dem einen Bühnenteil und funktioniert nach dem Zusammensetzen sofort wieder. Juchhu! Ich freue mich.

Jeden Tag probe und bastel ich ein bisschen am Handpuppenstück, das ich am Samstag spielen werde. Zwischendurch geht der Hase mit mir seinen Text für den Sonntag durch. Der ist eher ein Leitfaden und nicht genau festgelegt, darum ist es gut, wenn der Hase auf Stichworte sofort reagieren kann. Eine kleine Probe mit dem Moderator der Nummer, Cornelius Bormann, und dem Hasen macht Spaß und klappt gut. Wir wissen aber nicht, wie die Bühne aussieht, ob ich mein Headset nutzen kann und wie schnell der Wind den Paravent umpustet.  

Bei der Geschworenen-Probe müssen wir uns kurz Zeit nehmen, um ein minikleines Bild für den nächsten Flyer zu machen. Da wir erst Probe Nummer 5 und bisher weder Kostüme noch Deko haben, improvisieren wir auch hier. Nach einer Photoshopbearbeitung, die vorwiegend die fröhlichen Kleidungsfarben auf spannenden Krimi anpasst, haben wir das erste Pressefoto.

Am Samstag fahre ich in die Nähe von Aachen, wo ich mein Puppenstück vor Viertklässlern spiele. Die Lehrerin, eine Freundin von mir, verabschiedet sich mit einem außergewöhnlichen Nachmittag von ihrer Klasse und ihrem Arbeitsplatz. Erst gibt es mein Puppenstück, danach essen die Kinder Brötchen und toben im Hof herum, dann folgt ein kleines Konzert. Die Kinder gucken bei "Ein Drache für die Königin" sehr aufmerksam zu, und eine der Fragen danach ist: "Wie kannst du den Vorhang so gut auf und zu machen?" Ich zeige es, ziehe lässig an der Schnur und tu so, als ob das völlig normal wäre, dass ich eine Zugvorrichtung habe.

Nach mir tritt Oliver Steller mit einem seiner Kinderprogramme auf, was den ungeheuren Vorteil hat, dass er auf einem Stuhl sitzt und sich auf der Gitarre einspielt, während ich meine Bühne abbaue. Sehr schöne und sehr gut gespielte Livemusik umgibt mich und macht das Abbauen zum Vergnügen. Mir gefällt es so gut, dass ich meine Sachen ins Auto lade und mich dann noch schnell zu seinem Auftritt dazu setze. Er singt, erzählt Gedichte, begeistert die Kinder, bringt sie zum Lachen und zum Mitsingen und macht zwei kleine Zaubertricks, die ich nicht kapiere. Ich weiß, dass es Tricks sind, sie verblüffen mich aber trotzdem. Find ich gut.

Danach fahre ich wieder nach Hause und gleich noch beim örtlichen Stadtfest vorbei, bei dem gerade Max Mutzke auftritt. Die Stimmung ist prima, die Besucher sind gut gelaunt und wirken tiefenentspannt. Ich finde die Stimme von Max Mutzke großartig, allerdings kann ich nicht viel mit den Liedern seines Bühnenprogramms anfangen. Das ist mir alles zu ähnlich, zu bassig und eben nicht meins. Tolle Stimme zu Musik, die mich nicht berührt. Vor einigen Jahren hab ich ihn bei "Cover me" gehört, wo er mich mit dem Soul, Jazz und der Intensität seiner Stimme umgehauen hat. Ich höre ihn also total gerne - aber nur wenn er langsamen, alten Soul und Jazz singt. Macht aber nichts, es ist ein schöner Abschluss des Tages.

            
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