Blog 572 - 14.04.2019 - Texte lesen, Stoffe waschen, Kisten räumen

Text, Text, Text. Ein Proben des Handpuppenstücks funktioniert momentan nur mit dem Text direkt vor den Augen, darum ist der an die halbfertige Bühne geklebt. Wie beim Theaterspielen mit Menschen kann erst richtig und in den Feinheiten geprobt werden, wenn der Text sitzt. Bis jetzt hüpft der noch fröhlich in der Gegend herum und sitzt nicht. Ich habe ihn noch nicht gelernt, weil ich mit so vielen anderen Sachen beschäftigt bin. Den Traum, er könne irgendwann von alleine im Kopf sein, habe ich nicht. Bei mir geht das nur mit mühsamem Lernen.

Grob durchspielen und dabei weitgehend improvisieren könnte ich schon, denn ich weiß ja, was in der Geschichte passiert. Aber besser wird es, wenn ich mich an meine sorgfältig ausgedachten und aufeinander abgestimmten Sätze halte. Besser wird es auch, wenn die Arme und Schultern sich wieder an die Puppenspielerhaltung gewöhnt haben. Puh! Das zieht ganz schön in den Rücken! Momentan brauche ich spätestens nach jedem Akt eine kurze Pause, in der ich stöhnend beide Arme runternehme. Manchmal schaffe ich es nicht mal bis zum Ende des Akts. Aber das kenne ich schon. Demnächst mal eine Woche mit vielen Proben und ich kann unangestrengt durchspielen. Noch tröste ich mich damit, dass ich ja nicht mal richtig proben kann, weil weder eine Ablagemöglichkeit für die Requisiten, noch die Requisiten selber fertig sind. Auch da improvisiere ich noch.

In meiner Stadt ist die Lesewoche dran und jeden Tag gibt es ein, zwei oder auch drei Lesungen zum Thema "Dialoge und Briefwechsel". Alle kann ich nicht besuchen, aber fünf schaffe ich in dieser Woche. Am Mittwochabend ist meine Lesung dran. Damit ich nicht in meinem eigenen Buch streichen und markieren muss, hatte ich mir preiswert ein Zweitbuch gekauft und das dann mit dem Originalbuch zusammen so gut weggelegt, dass ich beide nicht wiederfinden konnte. Daraufhin musste ich mir ein weiteres Buch kaufen. Am Lesungstag gucke ich nochmal suchend in mein Regal und finde tatsächlich die beiden verschollenen Bücher. Jetzt habe ich drei Exemplare. Eines davon allerdings mit so vielen Streichungen, Markierungen und herausgeschnittenen Seiten, dass es wirklich nur noch für diese eine Lesung zu gebrauchen ist.

Die abendliche Lesung klappt dann sehr schön. Dass sich mehrere Zuhörer sofort danach das Buch über den praktischerweise vor Ort befindlichen Buchhändler - ich lese in der Buchhandlung - antiquarisch bestellen, zeigt, dass es berührend und genau richtig angekommen ist. Wie schön! Ich mag das Buch sehr. Ein Besucher fragt, ob ich mir vorstellen könne, die Lesung mal in einer Schule zu machen, damit Jugendliche damit sehr persönliche, zeitgeschichtliche Eindrücke bekommen. Ja, vorstellen könnte ich mir das schon. Da müsste dann allerdings auch eine Schule Interesse haben.

Am nächsten Tag kaufe ich Vorhangschienen für meinen Theatervorhang. Den Vorhang nach rechts und links aufzuziehen, kriege ich damit auf jeden Fall hin, aber ich möchte gerne eine Schnurverbindung bauen, mit der ich ihn einhändig bedienen kann und er dabei gleichzeitig zu beiden Seiten aufgeht. Die Theorie dazu habe ich verstanden, aber jetzt muss ich sehen, ob ich das auch bei meiner Bühnenkonstruktion umsetzen kann, die nach oben nicht viel Platz hat und die ich immer wieder ab- und aufbauen muss. Da ich mir vorher mal wieder nicht viele Gedanken über die Befestigungsmöglichkeiten der Schnurkonstruktion gemacht habe, werde ich mich beim Anbringen der Vorhangschiene von meinen eigenen Ideen überraschen lassen. Die sind ja oft nicht mal so schlecht.

Ganz spontan kaufe ich außerdem dunkelblauen Baumwollstoff für die Frontverkleidung. Ursprünglich hatte ich schwarzen geplant, von dem ich noch genug habe, der mir plötzlich aber optisch zu hart vorkommt. Für die Seiten der Guckkastenbühne ist er gut, aber vorne darf es harmonischer sein. Zuhause stecke ich den Stoff erstmal in die Waschmaschine, damit er sofort das "kann 5% einlaufen" erledigen kann, ehe ich ihn demnächst passend nähe. Noch lieber hätte ich schweren Samtstoff gehabt, aber der ist mir zu teuer. Abgesehen davon, dass ich ihn ja auch immer mitschleppen müsste.

Dass einer der Söhne kurzfristig ein mehrwöchiges Praktikum macht und dafür in der Zeit wieder Zuhause wohnt, ist eine schöne Sache. Blöderweise habe ich in seinem Zimmer viel Baumaterial verteilt, das ich vor dem Wiedereinräumen ins Arbeitszimmer sortieren wollte - irgendwann im Juni. Auch die Kisten und Tüten mit Zeug für den geplanten Flohmarktbesuch - irgendwann im Juni - habe ich praktischerweise in seinem Zimmer abgestellt. Da der Sohn ungeplant schon in der nächsten Woche kommt, muss ich alles schnell woandershin räumen. Dass nirgendwo Platz ist, macht die Sache spannend.

Beim Puppenstück ist nichts fertig, aber trotzdem läuft es. Ich freue mich sehr, dass ich daran arbeiten und immer wieder mit Tim Mütze, der Prinzessin und der Königin in die Puppentheaterwelt abtauchen kann. Es ist eine Gemeinschaftsarbeit, denn ohne die drei käme ich mir ziemlich alleine vor. Die noch terminlose Premiere - irgendwann im Mai - rückt näher, was mir einerseits ein kurzes Erschrecken, dann aber auch ein breites, freudiges Lächeln bringt.

            
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