Blog 566 - 03.03.2019 - Wackel-Dackel-Drache, dicke Äste und Tralalla

Mein Wackel-Dackel-Drache fürs Handpuppenstück entsteht. Er soll einen locker in den Körper eingesetzten Hals haben, so dass der Kopf bei allen Bewegungen lebendig hin und her, hoch und runter schaukelt. Wie ein Wackeldackel eben. Ich mache Skizzen mit Öse, Haken, Bleigewicht und Freischwingraum. Das Bauen ist etwas kniffelig, klappt aber erstaunlich gut. Der kleine Drache sieht im Rohbau schon sehr niedlich aus und wackelt nach dem Einsetzen in den Körper wie gewünscht mit dem Kopf.

Aber - der Kopf wackelt nur, wenn der Drache genau im richtigen Winkel gehalten wird. Bei normalen Wackeldackeln ist das kein Problem, denn die stehen auf vier Füßen und sind damit weitgehend richtig ausgerichtet. Aber der kleine Drache muss von einer Handpuppe gehalten werden, und sobald sie ihn auch nur ein wenig schief hält, hat das Gewicht am Halsende nicht mehr genug freien Raum, es wackelt nichts mehr und der Drache sieht mit dem schräg festgeklemmten Kopf sogar falsch gebaut aus.

Die Lösung wäre, beim Spielen immer darauf zu achten, dass die Handpuppe den Drachen im genau richtigen Winkel hält. Das würde bedeuten, dass dafür die Handpuppe manchmal mit der eigenen Körperhaltung ausgleichen müsste und dementsprechend selber schief stehen würde. Nein, das geht auf gar keinen Fall! Die gute Haltung der Handpuppe ist wichtiger als ein wackelnder Drachenkopf. Und wenn ich bedenke, dass ich auf das gleichzeitige Spielen von zwei Handpuppen, den Text, die Handlung und dann noch auf die ganz exakte Haltung eines Zubehördrachen achten muss, dann fühle ich mich schon beim Gedanken daran nicht mehr wohl. Tja, schade. Es war eine gute Idee mit dem Wackeldrachen, in der Praxis aber nicht einsetzbar.

Ich baue einen neuen Drachen, bei dem der Kopf an einer wackelnden Stahlfeder befestigt ist. Das wirkt in der Bewegung nicht ganz so verblüffend wie beim innen aufgehängten Wackeldrachenkopf, funktioniert aber problemlos in jeder Schräglage. Dann schnippel, klebe und nähe ich an Armen, Beinen, Augen und Flügeln. Es ist erstaunlich, wie lange das bei so einem kleinen Drachen dauert. Als er fertig ist, wird er sofort ins Ensemble von "Ein Drache für die Königin" engagiert.   

Draußen ist es einige Tage fast sommerlich warm und ich ziehe mit der Motorsäge herum und säge mitteldicke und dicke Äste und Stämme ab. Also nur im eigenen Garten, nicht bei den Nachbarn. Und nur da, wo sie sehr ungünstig wachsen, viel zu hoch sind oder anderen Sachen keinen Platz lassen. Das Ziel ist kein Kahlschlag, sondern ein dicht wachsender, frisch und kräftig austreibender Garten. Weil ich weiß, wie schwer auch mittelgroße Äste sind, und dass es nicht schön ist, wenn sie einem von oben fallend entgegenkommen, bin ich sehr vorsichtig. Wenn ich einen frisch abgesägten Ast erst in drei Stücke sägen muss, um ihn in Einzelteilen schleifend und keuchend einige Meter transportieren zu können, kann ich sein Komplettgewicht ungefähr ahnen.

Es stellt sich heraus, dass der alte Kirschbaum, der von außen etwas morsch wirkte, von innen tatsächlich ziemlich morsch IST. An einigen Stellen lässt sich das Holz mit dem Finger eindrücken und zerfällt dort von allein in kleine Späne. Ich hatte schon länger das Gefühl, ich solle bei Wind lieber nicht unter dem Kirschbaum entlang gehen, vor allem, weil NACH dem Wind meistens mittlere Äste auf dem Boden lagen.

Völlig überraschend ist plötzlich Karneval da. Irgendwie dachte ich, der beginne so in zwei oder drei Wochen, aber plötzlich geht's los. Gerade noch rechtzeitig fällt mir ein, dass ich zu einer kleinen alternativen Sitzung des Kulturvereins gehe und dafür ein Kostüm brauche. Aber ich bin ja Rheinländerin. Kostüme habe ich griffbreit und vom Drachennähen und Baumsägen aus kann ich sofort in den Karneval springen, zwischen lustig aussehenden Leuten sitzen und bei Bedarf "Alaaf!" rufen.

Es ist eine Parallelwelt, die mir sehr vertraut ist, die mir - gerade bei Partys im privaten Karneval - viel Spaß machen kann, die in diesem Jahr aber nicht richtig passt. Ich möchte lieber an den Requisiten für das Handpuppenstück bauen und mir Gedanken über den Bau der Bühne machen. Es passt nicht, wenn im Kopf eine zart klimpernde Kasperlemusik zu hören ist, während um mich herum Karnevalslieder abgespielt werden. Nach einem einzigen Abend mache ich die Kostümkisten wieder zu und lasse es für dieses Jahr. Anstelle von "Alaaf!" gibt es "Tralalla", was mir gerade näher liegt und sehr gute Laune macht.

            
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