Blog 564 - 17.02.2019 - Prinzessin mit Temperament und Drachenhäkeln

Im hauseigenen Schneideratelier (Küchentisch) lassen sich die drei Handpuppen einkleiden. Die temperamentvolle Prinzessin wünscht sich ein Kleid mit temperamentvollen Blumen und sieht darin schon bei der ersten Anprobe sehr glücklich aus. Auch wenn ich die Puppen bewusst eher traditionell kleiden möchte, passt ein typisch braver Prinzessinnenstoff nicht zu ihrem Charakter.

Tim Mütze kann dagegen einen ruhigen Stoff tragen. Ich freue mich, als ich im Stoffladen einen passenden, sehr schönen Baumwollstoff finde, der ein winzigkleines Muster hat, das aus den 50er-Jahren stammen könnte, das man allerdings aus der zweiten Reihe schon nicht mehr sehen wird. Zum farbigen Ausgleich wird er noch seinen bunten Hut bekommen.

Meine schöne Idee "Ich näh mal eben aus der Hand einen kleinen Stoffdrachen" gebe ich auf, nachdem ich nach mühevoller Stichelei aus kleinen Stoffteilen erst einen seltsamen Frosch und im zweiten Versuch ein völlig unerkennbares, krummes Ding erhalte. 3D-Nähen im Miniformat scheint nicht meins zu sein. Statt Stoffdrache also Häkeldrache. Der kleine Drache ist übrigens nicht der Hauptdarsteller des Titels "Ein Drache für die Königin", sondern ein Nebendarsteller. Für den Hauptdarsteller-Drachen habe ich mir ein verzwicktes Detail ausgedacht, bei dem nicht sicher ist, ob ich das hinbekomme. Ich sag nur: Wackeldackel. Demnächst mehr, wenn ich fluchend über kleinen Teilen hänge, die entweder gar nicht oder falsch wackeln.

Obwohl es erst Mitte Februar ist und die Nächte noch kalt sind, gibt es eine Woche mit viel Sonne. Mich zieht es sofort in den Garten. Der ist groß und es gibt genug zum Räumen, Hacken und Vorbereiten. Hört sich nach Arbeit an, ist es auch, macht mir aber große Freude. Die Weinreben sollen erst Ende März geschnitten werden, das habe ich im Internet nachgesehen und in den Kalender eingetragen. Aber was ist, überlege ich, wenn die in diesem Jahr viel früher austreiben, weil der Winter nicht kalt war und die Sonne jetzt schon wieder so warm ist? Dann sollten sie vielleicht lieber Anfang März geschnitten werden. Oder Ende Februar. Ich überlege kurz und hole die Schere. Ach, menno. Warum bin ich so ungeduldig? Warum warte ich nicht noch etwas?

Sorgfältig schneide ich die Reben radikal zurück - im Internet-Reben-Schneide-Kurs habe ich gelernt, dass ich lieber zu viel als zu wenig schneiden soll -, habe dabei aber ein blödes Gefühl. Es ist doch eigentlich noch Winter und ich sollte bis zum Frühling warten. In diesem Moment höre ich leise das klagende Krächzen vieler Kraniche, und kurz danach fliegen zwei große Formationen über mich hinweg. Wenige Minuten später noch eine dritte. Die Kraniche kommen zurück! Es ist Frühling! Als es kurz danach neben mir in der Haselnuss vielfach summt und Bienen um die langen, gelben Kätzchenblüten schwirren, bin ich völlig beruhigt, dass ich nicht zu früh bin.

Beim Drachenstück beginnen die Proben. Also fast. Es sind erste Ausprobier-Minuten mit ungefährem oder improvisiertem Text, damit die Darsteller mich und ich sie kennenlerne. Dabei fällt mir auf, dass die Stimmen von Prinzessin und Tim Mütze noch zu ähnlich sind. Die beiden müssen zum Sprech- und Tonhöhenkurs. Die Königin rollt unerwartet ihr R, was errrstaunlich gut zu ihrrr passt. Ist aber auch anstrengend. Mal sehen, ob es bleibt. Auch ob der Häkeldrache bleibt, ist noch nicht sicher. Er sieht etwas zu echt aus, was nicht seiner Rolle als Nebendarsteller entspricht.

Die To-do-Liste für das Puppenstück ist noch lang. Nicht nur der Titel-Drache und alle Requisiten fehlen, ich brauche auch noch eine komplette Guckkastenbühne. Wenn ich jetzt nichts anderes zu tun hätte und über dem Garten nicht die Kraniche rufen würden, könnte ich jeden Tag von morgens bis abends nur bauen, basteln, proben und hätte ganz schnell Premiere. Aber weil das gerade nicht geht, - es stehen einige Termine im Kalender, die Zeichnungen für das Lyric-Video sind noch nicht abgeschlossen und das Gärtnern macht mir einfach zu viel Spaß -, nehme ich mir den Mai für die Premiere vor. Das ist nicht wirklich viel Zeit, aber ein bisschen Druck ist ganz gut.

            
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