Blog 562 - 03.02.2019 - Bühne, Projekte, Messer und Mark Britton

Gleich zu Beginn der Woche sehe ich mir das Theaterstück die "12 Geschworenen" an. Auf der Bühne sitzen neun Geschworene, die so tun, als wären sie zwölf und scheinbar davon ausgehen, dass die Zuschauer das nicht merken. Das zu übersehen, fällt mir aber schwer. Es ist das Abschlussprojekt eines Schauspielkurses am Kölner Comedia-Theater, der vermutlich aus nur neun Teilnehmern besteht. Das Ergebnis ist, abgesehen von den drei fehlenden Geschworenen und denen, die etwas zu leise oder mit zu wenig Emotionen sprechen, durchaus gelungen. Es ist auch nicht so, dass die drei Spieler sofort fehlen, nur mich macht es fertig, denn ich bin so im Text drin, dass ich bei jeder Zeile weiß, wer die eigentlich sprechen müsste. Und nicht nur der Text der fehlenden Geschworenen ist auf die anderen verteilt, auch weitere Passagen werden zwischendurch von "falschen" Nummern gesprochen. Das ist möglich, verwischt aber die Charaktere. Trotzdem finde ich es kurzweilig und interessant.

Dass ich vor einer eigenen Produktion eine andere ansehe, ist für mich unüblich. Ich habe meine eigenen Ideen und möchte nicht woanders - auch nicht unbewusst - "klauen". Von daher ist es beruhigend, dass mir meine Umsetzung weiterhin sehr gut gefällt und es nur EINE Idee bei der Comedia-Produktion gibt, die ich so klasse finde, dass ich in Erwägung hätte ziehen können, sie zu übernehmen. Das scheitert aber daran, dass sich bei mir niemand auf einen Stuhl stellen kann, weil die Deckenhöhe in der Kleinen Bühne zu niedrig ist. Prima! Da muss ich nicht mal überlegen, ob ich das eventuell dann doch übernehmen möchte.

Am Dienstagabend gibt es die erste nachgeschobene Ersatz-Vorstellung der "Hexenjagd". Es klappt gut, wir alle spielen konzentriert und mit Energie, aber in der Garderobe wird doch auffallend oft gegähnt. Nach einem normalen Arbeitstag ein zweieinhalb-Stunden-Stück zu spielen, ist schon anstrengend. Auch wenn das während des Spielens nicht zu merken ist, schlägt es am nächsten Tag voll durch. Da geht nämlich früh morgens wieder ein normaler und langer Arbeitstag los, der entsprechend anstrengend ist. Machbar sind Aufführungen während der Woche also schon, aber nicht erstrebenswert. In der nächsten Woche haben wir das nochmal mit der Dernière vor uns.  

Die Skizzen-Zeichnungen für das Lyric-Video, die ich "zwischendurch" - ha ha - machen möchte, dauern natürlich doch länger als gedacht. Vor allem, weil ich in einem Stil skizziere, der nicht meiner ist. Bei eigenen Illus weiß ich genau, was ich brauche und kann gleich zum Ziel, aber hier muss ich probieren und es wird vermutlich einige Umwege geben. Spaß macht es, das ist keine Frage, aber meine Handpuppen warten immer noch. Ich skizziere möglichst zügig die Liste der benötigten Zeichnungen herunter, so dass die Animierer am anderen Ende erstmal viel Material und ich vorerst wieder Luft habe.

Zeitgleich steht schon ein weiteres Fremdprojekt an. Zwei leichte, aber stabile Kopfbedeckungen müssen gebaut werden, und ehe ich lange erkläre, wie es geht und zwischendurch unterstützend eingreife, habe ich sie schneller selber gebaut. Momentan sehen sie noch nicht sehr professionell aus, aber das wird. Hoffe ich. Und nein, es werden keine handgebatikten Fahrradhelme.

In der Comedia spielt Mark Britton sein Programm "Mit Sex geht's besser", und nach einem Parkplatz-such-kreisel-Marathon, der in einem anderen Stadtteil und einem Taxi zum Theater endet, bin ich mit einer Freundin auf dem Weg. Die Freundin habe ich länger nicht gesehen, so dass es doppelt schön ist, dass wir gemeinsam in die Vorstellung gehen. Dem Taxifahrer rutscht während der Fahrt ein zusammengeklapptes Springmesser aus der Tasche und mir vor die Füße. Ich bin erfreut, weil es sehr ungewöhnlich aussieht und ich genau so eins gerne für meine "12 Geschworenen" hätte.

Dass der Fahrer ein Messer aus Selbstschutzgründen dabei hat, kann ich gut verstehen, aber es ist auch gut, dass ICH es während der Fahrt aufhebe und nicht ein mutmaßlicher Taxiräuber. Falls der Taxifahrer selber zwischendurch andere Leute ausraubt, wird es kompliziert, denn jetzt sind meine Fingerabdrücke auf dem Messer. Vielleicht ist alles nur ein Trick und er hat das sauber abgewischte Messer absichtlich runtergeworfen, damit ein blöder Fahrgast, in diesem Fall ich, es aufhebt und er sofort danach der Polizei eine genaue Personenbeschreibung abgibt, das Messer mit den Fingerabdrücken als Beweis vorzeigt, und die Polizei das Comedia-Theater umstellt und mich während der Mark-Britton-Vorstellung verhaftet, während das Publikum lachend applaudiert, weil es das für eine witzige Nummer von Mark hält. Meine sofort losspringende Phantasie hat fröhlich zu tun.

Vom Messer zurück zu Mark, bei dem - um es gleich zu sagen - keine Polizei kommt. Wie immer bin ich begeistert von seiner Körperarbeit, dem Timing und der Energie. Auch wenn ich das Programm schon kenne und von den meisten Gags nicht überrascht werden kann, lache ich trotzdem viel und beobachte mit großer Freude den Weg zum Gag und das Spiel mit dem Publikum. Bei Mark kann man eine Menge lernen, der ist einfach klasse.  

Draußen liegt tatsächlich Schnee. Tagelang. Im Rheinland. Auch wenn ich gerne Frühling hätte und nur darauf warte, dass ich im losblühenden Garten werkeln kann, finde ich es dann doch überraschend nett. Meine ein- und zweijährigen Weinreben sind von Schnee umgebene, schmale, braune Stängel. Ich gehe immer noch davon aus, dass sie im Sommer zum dichten, grünen, traubenbehangenen Weinberg-Dschungel werden.

            
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