Blog 561 - 27.01.2019 - Strichmännchen, Servicekraft und Flexibilität

Kaum denke ich, dass die kommende Woche mit Vorbereitungen, abendlichen Lesungen bei einer Feier, Vormittags-Lesungen an einer Grundschule, der endgültigen Textbearbeitung der "Zwölf Geschworenen", dem Anfertigen von kurzen Charakterbeschreibungen für alle zwölf Rollen und dem Kistensortieren im Arbeitszimmer schon gut gefüllt sein wird, da kommt die Anfrage, ob ich für ein kleines Lyricvideo Zeichnungen machen kann. "Das sind nicht besonders viele. Etwa 60 Stück. Oder 80." Ääääääh - was?? Nach dem ersten Schreck stellt sich heraus, dass es kleine, skizzenartige Bleistiftzeichnungen sind, die ich wohl tatsächlich zwischendurch machen kann. Aber natürlich brauchen sie trotzdem ihre Zeit.

Erstmal geht es mit verschiedenen Testzeichnungen los, um die passenden Figuren und den passenden Stift zu finden. Ich hoffe, dass es in der nächsten Woche mit den Zeichnungen zeitlich tatsächlich überschaubar bleibt.

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, ob ich bei einer Feier, bei der es im Programm auch um Literatur gehen soll, in einem Team von vier Vorlesern mitmachen kann. Viermal am Abend soll jeder von uns den Gästen Texte zu einem bestimmten Thema vortragen. Bei mir sind es Texte aus Kinderbüchern. Kurz nachdem ich für den Termin als Vorleserin zugesagt habe, bekomme ich für denselben Tag eine Einladung zu einer privaten Geburtstagsfeier. Ich ärgere mich kurz, weil der Termin schon mit den Lesungen besetzt ist und es dauert eine Weile, bis ich merke, dass es sich um dieselbe Feier handelt. Ich bin also gleichzeitig privater Gast und Unterhaltungsprogramm.

Der Abend ist aufwendig durchgeplant - und läuft ganz aus dem vorgegebenen Weg. In angenehmer Weise. Anstatt den halben Abend vorzulesen, nehme ich Mäntel entgegen, hole Weinflaschen aus dem Keller und trage benutzte Teller in die Küche. Die vier Vorleser halten als Servicekräfte den Gastgebern den Rücken frei, was die Feier geschmeidig laufen lässt und sogar Spaß macht. Hat aber auch etwas Lustiges, dass ich eigentlich selber Gast bin, aber vorwiegend die anderen Gäste betreue und von einigen tatsächlich wie eine gebuchte Servicekraft behandelt werde.

Völlig unerwartet bekommt der Gatte, der als reiner Gast da ist, eine Gitarre und wird zur Musikbegleitung gemacht und völlig ungeplant werden ungeprobte Lieder vorgetragen, die von den Gästen laut mitgesungen werden. Die Feier läuft anders als geplant ab, ist aber klasse, kurzweilig und die Anwesenden sind begeistert. Alles also prima. Immer flexibel bleiben. Kurz vor Schluss gibt es sogar noch einen Lesedurchgang, bei dem in den vorbereiteten Bibliothekszimmern dann doch noch aufmerksam und entspannt zugehört wird. Was für ein schöner Abend.

Die beiden Lesungen zwei Tage später an einer Grundschule laufen weitgehend wie geplant ab. Einmal die Giraffe, einmal der Prinz Ferdinand in der kleinen Schul-Turnhalle, in der sehr disziplinierte Kinder auf Turnbänken und Matten sitzen und schön zuhören. Das macht Spaß. Manche Schulen sind wirklich klasse und ich fahre immer wieder gerne hin.

Nett sieht auch ein Beamerbild von "Prinz Ferdinand König" im Gesicht aus. Wäre was für Karneval, aber mit dieser Kostümierung müsste ich den ganzen Abend still vor einem Beamer stehen, was dann doch unbequem wäre. "Willst du tanzen?" "Nee, geht nicht, dann ist mein Kostüm weg."

Zuhause stellt meine Schauspieltruppe aus zwölf Playmobilmännchen das komplette "Geschworenen"-Stück nach und ist mir eine große Hilfe. Einige Stunden gehe ich konzentriert den Text durch, schiebe dabei Männchen über den Plan, entscheide, wer aufsteht, wohin geht und wann wieder alle sitzen, dann ist nicht nur die finale Überarbeitung des Textes fertig, sondern auch die erste Szenenarbeit gemacht. Vermutlich werden einige Regieanweisungen nochmal geändert, aber als Grundlage, auf der wir aufbauen können, ist das schon rund und logisch. Da ich bewusst sehr wenige Probetermine angesetzt habe, möchte ich eine gute Vorarbeit leisten, um keine Zeit zu verlieren. Allerdings ist eine gute Vorarbeit sowieso meine Auffassung von guter Regiearbeit.       

In meinem ausgedruckten Textbuch gebe ich jedem der zwölf Spieler eine Farbe und umkringel damit die Namen, um es übersichtlicher zu machen. Es bleibt aber unübersichtlich, nur in bunt. Ich hätte gerne noch bald einen gemeinsamen Lesetermin, damit alle das Stück und ihre Rolle kennenlernen. Die eigentliche Probearbeit geht aber erst im Juni los. Die Premiere ist im November, also in etwa 11 Monaten. Ich sage es hier früh genug, nicht dass es nachher heißt, es wäre zu kurzfristig gewesen.

            
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