Blog 558 - 06.01.2019 - Fehlende Geschichte und entspanntes Rumhängen

Kurz bevor das alte Jahr endet, laden wir die Söhne zur Komödie "Tratsch im Treppenhaus" ein. Sie sollen einen legendären Klassiker der deutschen Fernsehgeschichte erleben und sehen, über was ihre Eltern früher schon gelacht haben und über was sie es heute mit sentimentalem Lächeln immer noch tun. Wie schön, dass wir so ein Theater-Erlebnis zusammen genießen können. Denke ich.

Die Söhne finden die Gags nicht wirklich witzig, alles zu vorhersehbar und stellen tadelnd fest, dass es außer dem Tratsch keine wirkliche Geschichte gibt. Ja, stimmt, inhaltlich ist es nicht sehr tiefgreifend und wichtige Aspekte einer guten Dramaturgie fehlen komplett, aber ich verlange das bei einer Boulevardkomödie auch gar nicht. Da freue ich mich über Tür-auf-Tür-zu, blöde Verwechslungen und darüber, dass witzig gespielt wird. Während ich meine eigenen Ansprüche bei lustigen Komödien also schnell vergesse, bleiben die Söhne kritisch.

Die Standing Ovation am Ende des Stücks zeigen, dass auch andere Leute wenig Anspruch an ihre Unterhaltung zeigen, aber ich verstehe die Argumente der Söhne. Glücklicherweise können wir gemeinsam darüber lachen, dass es der Hälfte der Familie nicht gefällt. Auf dem Rückweg zerpflücken die Söhne gespielt genervt das Stück, die fehlende Dramaturgie und dass es nicht den Ansatz einer "Heldenreise" gab. Ein Sohn zählt auf: "Ich fand es zwei Mal ein bisschen lustig: Einmal die Stelle mit der "Migräne" und dann ... die zweite habe ich vergessen." Ab jetzt haben wir eine neue innerfamiliäre Bezeichnung für Sachen, die man eher langweilig findet und denen der Inhalt fehlt: "Das ist wie Tratsch im Treppenhaus."

Viel Spaß haben wir aber zuhause, wo es neben endlich mal unverplanter Zeit weiterhin täglich Spiele, eine Black Adder-Folge und einen abendlichen Filme gibt. Auch ein neues Jahr gibt es, denn plötzlich ist es 2019. Aber während wir sonst in gemeinsamen Zeiten immer auch mal herumfahren und Ausflüge machen, sind wir diesmal nach den Weihnachtstagen mit Besuchen und Fahrerei irgendwie erschöpft. Vermutlich haben wir in den letzten Wochen auch schon alle so aktiv gearbeitet, dass die Luft raus und eine Pause mit gemütlichem Rumhängen wichtiger ist.

Viel zu schnell ist die freie Zeit vorbei. Ein oder auch zwei Wochen länger wäre schön gewesen. Mit dem Auto und einem Sohn geht es auf die Sechs-Stunden-Fahrt nach Chemnitz, wo sogar ein bisschen Schnee liegt, was bei mir zum ersten Mal für ein winterliches Gefühl sorgt. Zuhause merke ich nur Frühling. Sogar das Löwenmäulchen vor meiner Tür hat wieder eine Blüte, weil es denkt, es sei fast schon April. 

Mit dem anderen Sohn geht es nach Düsseldorf, wo wir zum Einstieg in das neue Jahr gleich ins "Punjabi" gehen, der Alt-Düsseldorfer Kneipe, in der es leckeres indisches Essen gibt. Hin und wieder bleiben Passanten stehen und blicken skeptisch durch ein Fenster nach innen, weil die deutsche Optik nicht zur Speisekarte passt.

Als der Sohn im Sommer in diesen Stadtteil zog, wurde das Lokal gerade renoviert und kurz darauf eröffnet. Auch wir haben da skeptisch geguckt und überlegt, ob indisches Essen in einer deutschen Kneipe gut gemacht sein kann oder ob es vielleicht Pampe aus der Mikrowelle ist. Das haben wir dann einfach mal ausprobiert. Ja, es kann tatsächlich gut sein. Vor allem, wenn die eine Hälfte des Betreiberpaares ein Inder ist, der kocht. Der einzige Nachteil des Punjabi: Es liegt nicht bei mir um die Ecke, sondern in Düsseldorf, wo ich extra hinfahren muss.

Nach zwei Wochen mit sehr viel Kocherei, Esserei und täglichen Spülbergen, bei denen ich mich immer frage, wie die innerhalb eines Tages entstehen können, ist die Auszeit jetzt schon wieder vorbei. Meine Gedanken springen nach ihrer kreativen Pause sofort wieder zu den Handpuppen, zu den zwölf Geschworenen, zum Plüsch, der noch gefärbt werden muss, zur Frage, ob ich erst mein Arbeitszimmer sortieren oder vorher schon mittendrin sitzen und Handpuppenkleider nähen soll, wie viele Tische ich bei den Geschworenen auf der Bühne stehen haben möchte, ob ich im Sommer mit dem neuen Kinderbuch beginne .... Also alles normal.

            
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