Blog 557 - 30.12.2018 - Bunte Farbe, alte Torte und Kinoerlebnisse

Der 24. Dezember bietet in diesem Jahr nicht nur Weihnachten, sondern auch Frühlingswetter. Die Sonne scheint vom blauen Himmel, die Vögel zwitschern wie im April und einige in korrekter Formation ausgerichtete Kraniche fliegen schreiend nach Süden. Ich vermute, ihr Ziel ist der Süden und es sind nicht die ersten Rückkehrer, aber sicher bin ich mir angesichts des Wetters nicht.

Es ist nicht verwunderlich, dass meine Neujahrskarte, die ich jährlich zeichne und anstelle von Weihnachtskarten verschicke, bunt und frühlingshaft ausfällt. Mir ist danach. Außerdem kann eine Welt, in der gerade zu viel schwarz-weiß gedacht wird und verbohrter Nationalstolz die Beweglichkeit von Hirnzellen stark einschränkt, Farbe, Fröhlichkeit und Vielfalt sehr gut gebrauchen. 

Die Tage ab Weihnachten bis zum Jahreswechsel sind eine komplette Auszeit. Ich koche, backe und esse häufig. Nicht nur zuhause gibt es Essen, auch wenn ich woanders bin, bringe ich nach Absprachen etwas mit. Zum Glück ist der Topf zum Färben der Plüschstücke schon weggeräumt, jetzt geht es um Rotkohl, indisches Essen mit frischem Naanbrot, Salatsoßen und Apfelkuchen. Und um Ruhekuchen, der so heißt, weil er zwei, drei oder auch vier Tage im Kühlschrank "ruht", ehe er gegessen wird. Wenn ich privat vier Tage alten Sahnekuchen esse, ist das in Ordnung, aber wenn ich ihn zu einer Kaffeetafel mitbringe, ist das ein Risiko. "Hier, den Kuchen habe ich vor vier Tagen gemacht." "Dann nehme ich ein Stück von dem anderen."  

Der Ruhekuchen besteht aus mehreren dünnen Böden, Sahneschichten und einem Überzug aus Schokolade. Nach dem Schichten und Überziehen steht er im Kühlschrank, wo er ein ganzes Fach blockiert, in Ruhe ruht und keine Arbeit mehr macht. Ich mache mir leichte Gedanken, wie er wohl schmeckt, wenn er nicht mehr ganz frisch ist, aber ich bringe ihn zu einer Familienfeier mit, da kann ich das Risiko eines völlig missglückten Kuchens eingehen. Im schlimmsten Fall heißt es: "Das hättest du dir doch denken können, dass der nicht mehr schmeckt, wenn er schon tagelang im Kühlschrank steht!"

Nach drei Tagen hole ich meinen Ruhekuchen heraus und stelle beim Aufschneiden fest, dass die Sahneschichten fast verschwunden sind. Sie sind aber nur in die jetzt plusterig aufgequollenen Böden gezogen. Und ja, der Kuchen schmeckt fein, lecker und kein bisschen nach alter Torte. Sogar an Tag vier, als wir den letzten Rest essen, ist er noch sehr gut. Ob er nach sechs Wochen Ruhezeit noch besser wird, werde ich aber nicht ausprobieren. Oder nur, wenn ich ihn mal komplett im Kühlschrank vergesse.

Von Weihnachten bis Silvester gibt es bei uns nicht nur weihnachtliche Familienbesuche, sondern auch zwei familiäre Geburtstage. Das ist mit der Fahrerei, Sitzerei, Esserei und Unterhalterei dann doch etwas anstrengend, auch wenn viel gelacht wird. Die Zeiten dazwischen versuche ich möglichst terminarm und ruhig zu halten. Wir spielen zu viert Brettspiele, gucken jeden Tag eine weitere Folge "Black Adder" und dazu möglichst einen kompletten Film an. Mit Beamer auf Leinwand ist das schon fast wie Privatkino.

Auch wenn es tagsüber oft frühlingshaft ist, fallen die Temperaturen abends stark ab und dann sieht es doch nach Winter aus und die kalte Nase fühlt sich danach an. Es ist frostig. Auch schön.

Kreativ mit dem Puppenstück und dem Theaterstück geht es erst im nächsten Jahr weiter. Das beginnt ja bald. Ein gutes Jahr 2019!

            
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