Blog 551 - 18.11.2018 - Premieren und Herbstsonne

Am Sonntag findet im Mendener Theater Scaramouche eine Premiere statt. Annette Hänning spielt "Das große Buch der Wünsche", und am Buch und den Requisiten habe ich in der Werkstatt von Bodo Schulte drei Tage lang intensiv mitgebaut. Steine kaschiert, Klee genäht, Schmetterlinge bemalt, Buchseiten geklebt und mitüberlegt, wie sich Klapp- Halterungs- und Spielmöglichkeiten umsetzen lassen. Jetzt ist es schön zu sehen, wie alles bunt und vielfältig ineinanderpasst. Annette spielt sehr liebevoll und ist sofort so nah und sympathisch, dass man ihr gerne in die lebendig erzählten Geschichten folgt.

Hach, wie schön, zu sehen, was aus den Ideen geworden ist und dass sie funktionieren! Ich gucke ihr zu und spüre am vorfreudige Kribbeln in Bauch und Fingern, dass es Zeit wird, mich bald wieder auch mit meinen eigenen Puppengeschichten zu befassen. Zwei geschriebene Geschichten warten darauf, umgesetzt zu werden und ich freu mich so darauf.

In dieser Woche bin ich allerdings noch beschäftigt. Jeden Abend ist Theaterprobe und da ist mein Kopf nicht frei genug, um mich ernsthaft in ein Puppenstück zu versenken. Es gibt Probe, Probe, Probe, Probe, Generalprobe und Premiere. Nach den vielen abendlichen Proben der letzten drei Wochen wird es Zeit, dass das Stück fertig wird. Nicht zuletzt, damit es wieder mehr Privatzeit und Schlaf gibt.

Als Gruppe haben wir viel Spaß zusammen, unterstützen uns gegenseitig, machen dumme Sprüche und lachen viel. Mit der Inszenierung habe ich meine Schwierigkeiten, aber das Stück läuft durch, die Optik ist gut gelungen, und Tempo, Lautstärke und persönlicher Einsatz der Spieler lenken davon ab, dass die Detailarbeit fehlt. Für viele Zuschauer wird das ausreichen. Mir nicht.

Der Herbst ist überwiegend "golden", mit blauem Himmel, strahlender Sonne und leuchtendem Laub. Mitten im kräftig wuchernden Unkraut finde ich unerwartet einen letzten Hokaidokürbis. Größenrekorde wird er nicht erlangen, aber ich freue mich, weil er unerwartet aus einem Kern des Vorjahres im Kompostkasten gewachsen ist. Schlaues Kerlchen!

Am Ende der Woche ist dann endlich die Premiere, und alle Schauspieler legen nochmal kräftig Energie drauf und feuerwerken auf der Bühne. Es ist laut und schnell, was gut tut. Die Zuschauer finden es toll und es gibt viel Applaus. Ich freue mich, dass so mitreißend gespielt wurde, einige Spieler waren wirklich großartig, bin nach der Premiere aber nicht euphorisch. Da können zehn Leute sagen, dass die Suppe lecker schmeckt, wenn ich merke, dass Salz und Gewürze fehlen, schmeckt sie mir eben nicht so gut. Und ich verlasse mich da schon immer auf mein eigenes Empfinden. Tatsächlich sprechen mich später einige Leute nach einem ersten Lob auch auf Brüche und Unverständliches in der Inszenierung an. Aber das Stück beeindruckt, das allgemeine Lob ist groß und damit ist es ein erfolgreiches Projekt. Ich ziehe es jetzt durch, spiele mit voller Kraft, habe Spaß mit der Gruppe, atme tief und nehme eine wichtige Lektion für mein Leben mit: Es muss passen, sonst lasse ich es komplett.  

            
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