Blog 542 - 16.09.2018 - Rebenschüler, Kündigung und Thomas Reis

Im neuen Handpuppenstück fliegt der Kasper raus. Ich mag den Kasper, aber ich merke zunehmend, wie unwohl ich mich dabei fühle, eine Figur, die ich nicht selber erfunden habe, in einem meiner Stücke einzusetzen. Bisher habe ich meine Einwände mit den Argumenten beruhigt, dass die Figur im Stück genau die Eigenschaften des Kaspers haben muss und ein Kasper gut in ein Handpuppenstück für jüngere Kinder passt. Er passt MIR aber nicht. Jetzt ist er quasi entlassen. Noch vor Probenbeginn. Wer die Kasper-Rolle übernehmen wird, weiß ich noch nicht, aber die ersten Ideen springen durch die Hirnwindungen. Es bleibt weiterhin ein Stück für drei Handpuppen und einen Drachen, aber ohne den bekannten Kasper. Der Promi ist raus. Ich bin überzeugt, dass das eine gute Entscheidung ist.

Im Garten haben sich die fünf Weinreben trotz des viel zu heißen Sommers und des staubtrockenen Bodens so gut entwickelt, dass ich noch weitere drei bestelle. Ich weiß, dass Weinpflanzen auch auf kargen Böden gedeihen, aber wie gut sie das in diesem Jahr fast wasserlos und bei sengender Hitze gemacht haben, überrascht mich dann doch. Die drei neuen Pflanzen kommen wieder per Post aus der "Rebschule", eine Bezeichnung, die mich sehr entzückt, und ich pflanze sie sofort neben ihre schon größeren Mitschüler.

Die von mir korrekturgelesene Hausarbeit des Sohnes ist glücklich abgegeben, aber nach dem Korrekturlesen ist vor dem Korrekturlesen. Jetzt ist die zweite Hausarbeit, die schon parallel bearbeitet wurde, fertig und muss durchgesehen werden. Ich beschwere mich nicht, denn der Sohn hat eigentlich Semesterferien und arbeitet trotzdem. Und da ich nur am Ende draufgucke, er aber vorher inhaltlich alles recherchieren und dann ausarbeiten muss, habe ich weitaus weniger Arbeit. Ich muss allerdings zugeben, dass ich lieber ein komplettes Theaterstück schreiben würde und dabei vermutlich deutlich mehr Spaß hätte.

Am Ende der Woche gehe ich zu Thomas Reis, der mir seit Jahren ein Begriff ist, den ich aber noch nicht live gesehen hab. Das lohnt sich sehr. Spitzzüngig, treffend, witzig, manchmal hart, so dass das Lachen stecken bleibt und ein gewandter Spieler mit Worten und Begriffen. Immer wieder denke ich bei schrägen Wortverdrehungen und schönen Sätzen entzückt: "Das muss ich mir merken!", kriege es aber oft schon wenige Minuten später nicht mehr zusammen. Zu viel Input in zu kurzer Zeit. Aber ich bin durchgehend aufmerksam, höre mit blitzenden Augen zu und habe Spaß. Ist ja auch gut, dass ich mir nicht alles merken kann, dann kann ich nochmal hin.

            
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