Blog 541 - 09.09.2018 - Stapelstau und Granitblau

Die Ferien, in denen ich nichts Bestimmtes mache, aber ständig beschäftigt bin, spitzen sich zu. Bald kommen beide Söhne zum Kurzurlaub angereist und nicht nur, dass ich bis dahin noch einiges erledigt, sortiert und gestrichen haben möchte, auch ihre Zimmer, in denen ich während ihrer Abwesenheit praktischerweise viel abstellen kann, sollen bewohnbar sein. Um Platz für die Kisten und Kästen aus den Jungs-Zimmern zu schaffen, muss ich vorher in meinem Arbeitszimmer aufräumen, damit ich dort alles stapeln kann. Oh je, wohin nur mit dem ganzen Kram? Als Puppenbauerin sollte man grundsätzlich Anspruch auf drei bis vier Zimmer haben! Oder auf eine Lagerhalle.

Beim Aussortieren in Zimmern und Schränken bin ich recht erfolgreich. Immer mehr sammelt sich in Kisten für den Flohmarkt an, dabei habe ich momentan überhaupt keine Zeit, mich irgendwann auf einen Flohmarkt zu stellen. Aus diesem Grund stelle ich die Kisten erstmal übereinander. Auch die für den Ikea-Bücherschrank bereitliegenden Bücher habe ich bisher bei jedem Ikea-Besuch vergessen, und da der Sohn jetzt fertig umgezogen ist, bleibt der Stapel erstmal hier. Dass meine zwei Säcke mit T-Shirts und Hemden für die Rotes-Kreuz-Kleidersammlung zwei Tage an der Straße liegen und nicht abgeholt werden, passt zum Stapel-Stau. Jetzt stehen sie erstmal wieder im Flur. Es kann allerdings sein, dass die Rot-Kreuz-Sammler da waren, bevor meine Säcke um 10 Uhr am Straßenrand standen, von daher will ich nicht meckern.

Die vor zwei Wochen korrekturgelesene Hausarbeit liegt inzwischen in der Endfassung mit allen Überschriften, Grafiken und Seitenzahlen vor. Das bedeutet, dass ich sie nochmal konzentriert lesen muss, um zu sehen, ob sich beim Schieben und Ergänzen nicht doch noch ein Fehler eingeschlichen hat. Bei einer Tasse Tee 50 Seiten in einem schönen Buch zu schmökern, finde ich entspannend, 50 Seiten Hausarbeit aufmerksam zu lesen, ist Arbeit. Zumal meine Hirnzellen seit Wochen auf Ferien eingestellt sind. Sie machen zwar hochkonzentriert und vorbildlich mit, danach mosern sie aber rum, es wäre ihnen zu anstrengend und sie wollen Freizeit haben und ich solle doch lieber das Radio anmachen und vor mich hin aufräumen, denn dabei müssten sie nicht so viel denken und könnten sich entspannen.

Kurzentschlossen greife ich zum Pinsel und streiche die Schuppenfenster, an denen der Fensterkitt inzwischen getrocknet ist, grün. Es kann sein, dass Blau und Grün als Kombination etwas krass sind, aber mir gefällt es immer besser und es macht tatsächlich gute Laune. Die beim ersten Pinselstrich sofort hinzu geeilte Katze dreht mir, während ich arbeite, ihr Hinterteil zu. Katzen gelten als sehr sensibel. Vielleicht schmerzen ihr die Augen, wenn sie in Richtung der Farben blickt.

Danach geht's an die Restarbeiten. Die im milchgrauen Plastikeimer gekaufte mittelgraue Sockelfarbe erweist sich beim Öffnen des Deckels als blau. Steht auch drauf: "Granitblau". Sieht eben nur wegen der grauen Plastikpackung von außen grau aus. Hätte ich vorher das aufgeklebte Schild genauer gelesen, wäre das allerdings kein Unterschied gewesen, denn ich hätte gedacht, dass "Granitblau" so etwas wie "Mittelgrau" ist. Anstatt auszurufen: "Och, nee! Ich wollte doch Mittelgrau haben!", reagiere ich mit: "Oh, das ist ja Blau! Schön!" Nach dem Streichen der Fenster, Fensterbretter und des Sockels strahlt die bunte, südliche Atmosphäre noch intensiver. Irgendwo in der Nähe muss das Meer sein. 

Puh, wenn ich noch lange Ferien habe, brauche ich danach unbedingt mal Erholung. Vorher ist allerdings noch einiges zu tun.

            
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