Blog 540 - 02.09.2018 - Drache, Regenwalddusche und Backgeheimnis

Da ich gerade so viel mit Aufräumen, Wegwerfen und Anstreichen beschäftigt bin, arbeite ich vorerst nicht am neuen Puppenstück. Denke ich. Doch plötzlich sitze ich am Rechner und überarbeite die erste, grobe Textversion. Ganz unerwartet habe ich Lust darauf. Wie immer sehe ich beim Schreiben die Szenen ganz deutlich vor mir, obwohl nicht mal die Figuren gebaut sind. Manchmal sehe ich sogar schon ihre Mimiken, was gar nicht sein kann, weil sie keine haben. Dass ich während des Schreibens das Gefühl habe, dem gespielten Stück zuzusehen, führt zu einem seltsamen Zustand: Ich schreibe nur auf, was ich sehe und was es darum schon geben muss. Irgendwo. Vermutlich in meinem Kopf. Eine Parallelwelt, die mich immer wieder überrascht.

Egal, warum es plötzlich so schnell geht, als ich aufhöre, ist das Spielbuch für "Ein Drache für die Königin" fertig. Zumindest bis zum Beginn der Proben, denn dann ändert sich erfahrungsgemäß doch noch einiges. Kurz überlege ich, ob ich die Premiere jetzt einfach auf den 1. Dezember legen soll, damit ich Druck bekomme und richtig loslegen muss, aber dann sehe ich mich kopfschüttelnd an und erinnere mich sanft: "Du willst doch noch Ferien haben." Ach ja. Gut, dass ich mir das noch gerade gesagt habe.

Anstatt also mit dem Puppenbau zu beginnen, mache ich weiter Ferien, gehe in den Keller und frische die Duschecke auf. Ihr bunter Kachelmix stammt noch aus den Fünfzigern und ich freue mich immer wieder darüber. Das sind mal Farben! Weil inzwischen der Anstrich an der Decke bröckelt, entferne ich die lockeren Stellen, verputze ein bisschen und streiche neu. Auch die Kacheln brauchen mal wieder eine gründliche Behandlung. Trotz der leichten Abnutzungserscheinungen käme ich nicht auf die Idee, das alte Keller-Schätzchen durch ein modernes Design zu ersetzen. Das ist eine Original Fünfzigerjahre Regenwalddusche. So waren die damals. 

Bei den Theaterproben geht voran, auch wenn schon wieder Mitspieler bei der Probe fehlen und eingelesen werden müssen. Das macht es mühsamer und verschleppt das Arbeitstempo. Noch werden die ersten Szenen aufgebaut - "Dann geh mal vorne lang" oder "Hab ich beim letzten Mal nicht HIER gestanden?" - und beim Spielen werden die Texthefte zum Ablesen in den Händen gehalten. In elf Wochen ist schon Premiere. Das ist ziemlich wenig Zeit für ein langes Stück mit vielen Mitspielern, von denen zwischendurch welche fehlen. Herbstferien kommen auch noch.

Am Wochenende steht eine Feier an, für die ich zwei Kuchen backe. Weil sich auf meinem Tisch alles sammelt, was ich mal eben abstelle, entdecke ich plötzlich ein schönes Stillleben, über das ich amüsiert grinse.

 Was ich davon fürs Backen und was fürs Verputzen gebraucht habe, bleibt mein Geheimnis.

            
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