Blog 539 - 26.08.2018 - Stressfrei, beschäftigt, unkreativ

Das Urgs-Grün der Schuppentür bleibt. Der Sohn, der zur Beurteilung der Farbwahl die Tür ansieht, ruft zwar spontan aus: "Urgs. Das ist aber grün!", schlimm findet er es jedoch nicht. Es sieht ja auch nicht wirklich unschön aus, eher ungewohnt. Und heftig. Der Gatte, der meistens kopfschüttelnd grinst, wenn er die Tür ansieht, sagt den Satz, der den Ausschlag gibt: "Wenn wir das irgendwo im Urlaub sehen würden, würden wir es toll finden." Stimmt! Darum haben wir jetzt eine malerische Urlaubsansicht im eigenen Garten. Hoffentlich demnächst ohne fotografierende Touristen. Sobald der Fensterkitt durchgetrocknet ist, was noch etwas dauern kann, werde ich die Fenster ebenfalls grün anpinseln. Wenn Urlaubserlebnisse, dann richtig.

Endlich habe ich auch die erste Probe für "Hexenjagd". Mein ursprünglich erster Probetermin wurde kurzfristig auf einen Termin verschoben, an dem ich nicht konnte, der zweite Termin wegen Hitze gestrichen, aber jetzt klappt es. Meine Rolle ist nur klein, aber sie gefällt mir gut. Ich bin verschroben, durchgedreht und mache Stress. "Wie im Leben", würde mein Gatte jetzt kommentieren, aber als Ehemann ist man voreingenommen.

Meine vielen Seminare und die intensive Beschäftigung mit der Dramaturgie und dem Inszenieren sind allerdings keine guten Voraussetzungen, um "nur" als Schauspielerin dabei zu sein. Ich habe es mir angewöhnt, vor und beim Aufbau einer Szene vieles zu überlegen und zu hinterfragen. Warum kommt jemand auf die Bühne? Wo will er hin? Von wo kommt er? Welche Stimmung hat er? Einfach mal so auf die Bühne kommen, ist kein Grund. Liegt sein Ziel dort oder muss er sie nur überqueren und wird dabei aufgehalten? Fragen über Fragen, die sich mir inzwischen sofort stellen und ohne die ich gar nicht mehr an Szenen herangehen kann.  

Das macht es nicht einfach. Vor allem, weil ich auch sofort Antworten sehe, die ich bei einer eigenen Inszenierung geben würde. Da hilft nur Luft holen, nichts sagen und daran denken, dass ich keine Regie mache, dass es nicht MEIN Stück ist und dass ich bewusst ohne jede Verantwortung einfach nur mitspielen möchte. Sobald ich mir das in den Kopf hämmer, kann ich mich weitgehend mit meiner eigenen Rolle beschäftigen. Inszenieren, Szenen gestalten und hinterfragen kann ich demnächst beim neuen eigenen Puppenstück so viel ich will. Da muss ich es sogar.

In dieser Woche ist es deutlich kühler. Ich gieße oft, aber nicht mehr täglich im Garten, entrümpel volle Schubladen, sortiere in Kisten abgelegte Werkzeuge und fahre schon wieder nach Düsseldorf, wo ich Rollos anbringe. Nicht überall in Düsseldorf, aber in der neuen Wohnung des Sohnes. Bei Fensterstürzen, die aus Metallarmierung und weich bröckelndem Putz bestehen, ist das eine fast aufregende Angelegenheit. Am Ende hängt alles. Ich weiß nicht, wie lange, aber momentan wirkt es erstaunlich stabil. Die Rollos lassen sich sogar hoch und runter rollen.  

Wieder mal ist das Korrekturlesen einer Hausarbeit dran. Nicht nur, dass ich lange Sätze lese, nach Synonymen suche und Begriffen begegne, die ich nie zuvor gehört habe, auch die Katze verursacht erschwerte Bedingungen, weil sie unbedingt dabei sein möchte. Dabei könnte ich wetten, dass sie die Begriffe auch nicht kennt und nicht mal weiß, was ein Synonym ist. Aber ich kann mich täuschen, sie guckt sehr wissend.

Immer noch habe ich Ferien, bin stressfrei, ständig beschäftigt, aber ungewohnt unkreativ. Vielleicht muss ich erstmal Überflüssiges beseitigen und Wartendes erledigen, ehe ich neue Geschichten erschaffe. Es fühlt sich richtig an, so wie es gerade ist.

            
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