Blog 537 - 12.08.2018 - Träge Hirnzellen und Efeuberge

Nicht nur ich bin momentan im Ferienmodus, auch meine Hirnzellen sind es weitgehend. Bloß nicht viel und kompliziert denken! Erst nach wochenlanger Trockenheit fällt ihnen auf, dass das Betondach meines Schuppens inzwischen komplett durchgetrocknet sein müsste. Meistens ist es das nicht, denn es wird zunehmend undicht und inzwischen gibt es erste Feuchtigkeitsprobleme, die sich in innen herabfallendem Putz zeigen. Dem Dach einen wasserabweisenden Schutzanstrich zu geben, wenn es mal durchgetrocknet ist, wäre eine super Idee. Blöderweise fällt mir das erst ein, als für die nächsten Tage nach langer Zeit mal wieder Regen angekündigt wird.

Jetzt aber schnell! Einen ganzen Tag lang räume ich das auf dem Dach aufgestapelte Alt- und Brennholz weg und gehe mit Schneidwerkzeugen an den dicht wuchernden Efeu. Der umrandet das Dach zwar malerisch, speichert aber nach Regenfällen viel Feuchtigkeit.

Natürlich kommt die Katze wieder sofort an und zeigt demonstrativ, wie gut sie entspannt vor sich hin chillen kann. Das ist nicht so nett, andererseits aber schon, weil ich nicht alleine arbeiten muss. Also alleine arbeiten schon, aber in tiefenentspannter Gesellschaft.

Am Abend habe ich einen hohen Berg von abgeschnittenem Efeu im Garten liegen, muskeltrainierte Arme, ein ungewohnt freies Dach und ich kann die erste Schicht Betonschutzfarbe auftragen. Ab und zu rieseln trockene Blätter von den umliegenden Bäumen auf die frische Farbe und ich muss sie mühsam rausholen. Die durstigen Bäume haben Herbst.

Am nächsten Vormittag ist der erste Anstrich gut getrocknet und ich mache den zweiten, am folgenden Morgen regnet es kräftig. Die Schutzfarbe auf dem Betondach hält dicht. Was für ein Timing! Da sind einige Gehirnzellen gerade noch rechtzeitig erwacht. Vielleicht wollten sie es auch nur spannend machen und mich mal wieder richtig arbeiten sehen.

Nach dem ersten Regen zieht zwei Tage später ein dickes Gewitterband über den Westen Deutschlands. Ich wohne mitten auf der Strecke, aber während es in einigen umliegenden Orten kräftig regnet, gibt es bei mir nur Wolken, Wind und zehn einzelne Tropfen. Das war's dann erstmal wieder mit dem Regen. Tägliches Gießen ist weiterhin angesagt.

Auch wenn ich bis auf kurz aufblitzende Ausnahmen nicht kreativ bin, setze ich mich immerhin vor den Rechner und schreibe das neue Puppenstück auf. Ich lege mich auf eine Handlung fest, entscheide den Ablauf der Szenen, werfe sogar einige Ideen raus und ersetze sie durch neue und überlege schon beim Schreiben, ob ich das spielerisch umsetzen kann. Drei Handpuppen - eine davon tatsächlich der Kasper - und ein Drache spielen mit. Das ist überschaubar, auch beim Puppenbau.

Dauern soll das Stück etwa 20 bis 25 Minuten. Ob das mit der Textlänge schon hinkommt, weiß ich nicht, aber ich denke, ich bin nah dran. Das ist auch etwas, was ich im Inszenierungskurs von Bodo Schulte einprägend gelernt habe: "Zu einer guten Inszenierung gehört, dass sie genau so lang ist, wie sie werden soll." Ich kann nicht mit einem Zwei-Stunden-Stück in einen Kindergarten kommen ("mir ist so viel eingefallen!") und ebensowenig mit einem Zwanzig-Minuten-Stück ein Abendprogramm machen ("Ich hab's mal kurz und knapp gemacht.") Egal, wie viele schöne Szenen mir noch einfallen, wenn das Stück nicht länger werden soll und die Zeit erreicht ist, geht nichts mehr. Seitdem mir das so deutlich klar ist, kann ich ohne großes Bedauern rauswerfen oder austauschen.

Würde ich mir jetzt einen Aufführungstermin in den Oktober setzen, wäre ich bis dahin mit Bühne, Puppen und Stück spielbereit. Aber da ich ganz bewusst noch Ferien mache, lasse ich mich nur von spontanen Launen treiben und hetze nicht los. Sollte ich in der nächsten Woche Lust haben, könnte ich mit der ersten Puppe beginnen. Oder ich könnte die Charaktere herausarbeiten. Ich könnte aber auch alles liegen lassen und etwas völlig anderes machen. Efeu wegräumen, zum Beispiel. Oder Blätter im Garten aufsammeln. Das ist das Schöne an Ferientagen: Ich kann anfangen, was ich will und liegen lassen, was ich will.

            
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