Blog 536 - 05.08.2018 - Dürre, Kasperle, Kultur im Gewerbepark

Seit Wochen Sonne, Sonne, Sonne. Dürre. Die ersten Bäume im Garten geben auf und gehen komplett in den Herbststatus. Gelbe und rote Blätter rieseln. Auf dem Heu, das mal Wiese war, raschelt beim Laufen das Laub.

Zum Glück halten viele Pflanzen noch durch. Mein tägliches, morgendliches Gießen, das inzwischen eher zwei als eine Stunde dauert, macht inzwischen keinen Spaß mehr, aber es hilft deutlich zum Überleben. Allerdings sind die früh morgens gegossenen Bereiche am Abend wieder staubtrocken und wirken, als hätten sie seit zwei Wochen kein Wasser gesehen. Vermutlich bekomme ich einen Ohnmachtsanfall, wenn die Wasserrechnung kommt, denn die Regentonnen sind seit Wochen leer und ich muss Trinkwasser aus der Leitung nehmen.

Ich bin ansonsten immer noch im Sommerferien-Modus. Die Gehirnzellen sind zu träge, um kreativ zu sein. Kein Problem, ich habe es nicht eilig. Demnächst wird es kühler sein und dann schreibe ich am neuen Puppenstück weiter. Das liegt in der ersten Version wartend in der Schublade und gefällt mir in seiner Grundform schon gut. Es wird vom Aufwand her etwas kleiner als das Froschstück sein, so dass ich es unkomplizierter irgendwo spielen kann.

Doch dann passiert es. Während ich morgens nach Düsseldorf fahre, wo ein weiterer Möbelhausbesuch mit dem Sohn ansteht, ist auf einmal eine Idee da. Warum mache ich vor dem "kleineren" Stück nicht ein "noch kleineres", das viel schneller fertig ist und bald gespielt werden kann? Kaum fliegt die Idee durch das Auto, weiß ich auch schon, was es ist: "Ein Drache für den König", mein Menschen-Theaterstück von 2011. Als Handpuppenversion, mit Kasperle und für Kinder ab 4. Kurios! Für Kindergartenkinder wollte ich bisher gar nicht so gerne spielen, aber jetzt habe ich plötzlich Lust darauf. Auch den Kasperle wollte ich, - so gern ich ihn auch mag -, nicht in meinen Stücken einsetzen, aber in diesem Fall passt er perfekt.

Als ich in Düsseldorf ankomme, ist das Stück im Kopf so gut wie fertig und ich notiere es schnell. Auf dem Weg zum Möbelhaus erzähle ich den Inhalt des Stücks meinem Sohn, daraufhin fliegt der Räuber raus und ich entscheide, dass aus dem König eine Königin wird. Zack! So schnell kann es gehen. Ich unterschätze meine Gehirnzellen immer wieder. Da denke ich, sie chillen im Liegestuhl, dabei entwickeln sie einfach mal so ein nettes Stück und präsentieren es mir völlig unerwartet.

Am Samstagabend gibt es ein Picknicktreffen im Gewerbepark. Die Organisatorinnen haben locker aus ihrem jeweiligen Umfeld eingeladen und so kommen etwa 25 Leute, vorwiegend aus dem örtlichen Kultur- und Kunstbereich zusammen. Viele kennen sich, manche nur vom Sehen, und es ist sofort eine angenehme, schöne Atmosphäre da. Der Gewerbepark ist nicht besonders einladend, aber in der Mitte gibt es einen kleinen, fast versteckten Bereich mit Wegen, Wiese und Bäumen. Dort stehen an diesem Nachmittag Bierbänke mit Tischdecken und Blumen, alle haben Geschirr mitgebracht und etwas zum Essen, es ist sommerlich warm, schattig, ein angenehmer Wind weht und ich komme mir vor wie in Südfrankreich.

Es wird geplaudert, diskutiert, kennengelernt, gegessen, gelacht. Die Tischdecken flattern, die Schüsseln werden weitergereicht - ein lauer Sommerabend mit vielen netten Leuten. Was für eine schöne Idee! Das schafft nebenbei Querverbindungen, die eine örtliche Kunst- und Kulturszene gut brauchen kann. Wer weiß, was für neue Ideen und Crossover-Projekte sich durch solche Treffen noch entwickeln können.

            
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