Blog 345 - 07.12.2014 - Mark, Krissie, Roger, Michael und ein Klavier

Mark Britton und Krissie Illing, das Duo Nickelodeon, proben ganz in der Nähe für ihr "Christmas Dinner for Two". Ich empfange sie dort und lächel leise vor mich hin, als ich mit ihnen die Requisiten, die ich so gut von der Bühne kenne, aus dem Lieferwagen hole und in den Proberaum bringe. Das Programm habe ich schon dreimal live gesehen, einmal sogar gefilmt und geschnitten und weiß bei jedem Teil, das ich in der Hand halte, in welche Szene es gehört.

Mark und Krissie proben stundenlang konzentriert, und am Abend hole ich sie mit ihrem Techniker zu einer Pause ab. Wir sitzen entspannt am Küchentisch, essen heiße Suppe, unterhalten uns und lachen viel. In zwei Wochen gehe ich in ihr Programm, sehe sie als Wilma und William auf der Bühne, dazu die vertrauten Requisiten, und ich freue mich schon.

Roger Willemsen tritt mit Annette Schiedeck und Jens-Uwe Krause in seiner szenischen Lesung "Das hohe Haus" auf, und ich bin sehr fasziniert von seinem scharfen Blick, den gekonnt formulierten tollen Sätzen und seiner Energie. Nicht dass es mich überraschen würde, so hatte ich das von ihm erwartet, aber ich sehe ihn zum ersten Mal live und lausche gespannt.

Nach der Vorstellung stehe ich mit zwei Büchern vor dem Signiertisch, lege gerade ein Buch zum Unterschreiben vor, da raunt der anwesende Buchhändler, der meine Bücher im Sortiment hat, Roger Willemsen zu: "Eine Kollegin." Der guckt interessiert hoch, steht sofort auf und schüttelt mir erfreut die Hand. Ich schüttel erfreut zurück, werte die 'Kollegin' aber mit der schnellen Erklärung: "Kinderbücher" ab. Roger Willemsen ist für mich der Vertreter von Kultiviertheit, Intelligenz und dem wunderbaren Umgang mit der deutschen Sprache, und er schreibt in einer völlig anderen Liga. Mich da als Kollegin zu bezeichen ist, als ob der Olympiasieger zufällig mit der Seepferdchen-Absolventin im Schwimmbecken unterwegs ist und beide "Schwimmer" genannt werden. Roger Willemsen ist jedoch hinreißend nett und freundlich und gibt mit keinem Wimpernschlag zu erkennen, dass er mir die Kollegin vielleicht nicht zutraut. Das ist aber nur einer der Gründe, warum ich ihn sehr klasse finde.

Zwei schöne Sachen gibt es in dieser Woche, die im Grunde völlig unwichtig sind, mich aber sehr erfreuen. Meine Karte für ein Gregor-Meyle-Konzert im nächsten Jahr kommt per Post und hat die Nummer 00001. Ich habe bestimmt nicht als Erste bestellt, also keine Ahnung, wie ich an die ungewöhnliche Nummer komme, aber ich finde sie toll. Das hat sicher etwas zu bedeuten, ich weiß nur nicht was. Außerdem gewinne ich eine originalverpackte Musikkassette von 1991. Es ist "Michael Schanzes Klingender Adventkalender" mit lustigen Liedern zur Weihnachtszeit und sie soll eine von zehn Kassetten aus dem "Privatarchiv von Michael Schanze" sein.

Ich freue mich, obwohl ich keine sentimentalen Erinnerungen an solche Lieder habe und nicht mal weiß, ob ich noch ein funktionierendes Kassettenabspielgerät habe. Aber es ist eine Kassette von Michael Schanze, und den wollte ich früher mal so gerne engagieren, damit er auf meiner Hochzeitsfeier singt. Er sollte an dem Abend keine deutschen Schlager singen, sondern amerikanische Swingklassiker, die er selber am Flügel begleitet und mit denen ich ihn mal im Fernsehen gehört hatte. Allerdings war mir immer bewusst, dass das eine sehr utopische Idee war. Die Hochzeit gab es dann ohne Feier und ohne Michael Schanze am Flügel, stattdessen sind wir gleich nach dem Standesamt nach Schottland gesaust, aber immer, wenn ich ihn danach im Fernsehen sah, dachte ich daran, dass er eigentlich der Musiker auf meiner Feier gewesen wäre. Dass ich ihn jetzt auf Kassette so unerwartet ins Haus bekomme, originalverpackt aus früherer Zeit, löst bei mir ein fröhliches und gerührtes Lächeln aus. Dass es die Kassette für 2 Euro bei EBAY gibt, macht mir dieses Exemplar nicht wertloser.

Bei EBAY gibt es auch alte Klaviere. Spontan und ohne langes Überlegen kaufen der Gatte und ich eines davon. Ich sehe beim EBAY-Zappen, dass ein altes Klavier kurz vor Ende der Versteigerung steht und dass es ganz in der Nähe ist. Blitzschnell nehmen wir Kontakt auf, fahren hin, klimpern kurz darauf, fahren nach Hause, sind vier Minuten vor Ende der Auktion wieder vor dem heimischen Computer und ersteigern es. Es gibt Momente, in denen wir uns grinsend und kopfschüttelnd ansehen und sagen: "Wir sind beide ziemlich bekloppt!". Jetzt haben wir ein Klavier, aber noch keine Ahnung, wie wir es in unser Wohnzimmer bekommen. Es ist total schwer, und die Internet-Information, dass Klaviere zwischen 150 und 400 kg wiegen und von mindestens zwei, besser drei Personen transportiert werden sollten, macht es nicht besser.

Ich muss jetzt einen Transporter mieten, irgendwie muss das Ding da rein und bei uns wieder raus und dann erst die Schräge und dann noch einige Treppenstufen hoch. Ob das klappt, ob das Klavier am Stück oder in zertrümmerten Einzelteilen ankommt oder ob wir es unterwegs unbemerkt verlieren, kann ich erst in der nächsten Woche berichten. Wenn es allerdings klappt, dass es heil in unser Wohnzimmer kommt, könnte auch Michael Schanze vorbei kommen. Das sind doch großartige Aussichten!