Blog 528 - 10.06.2018 - Obsttage und der Frosch im Schwimmbad

Nach dem Besuch der Lesung von Otto Waalkes habe ich gar keine Zeit für einen Bericht. Mein Kopf soll frei bleiben für die Puppen-Proben und die Hirnzellen sollen sich nur mit dem Froschtext beschäftigen. Aber jetzt hüpft Otto mittendrin rum, lässt mich immer wieder lächeln und wirbelt die Gedanken durcheinander. Also gut. Ich setze mich einen Vormittag hin, formuliere, schreibe, korrigiere, suche Bilder raus und setze einen Bericht auf "reihedrei.de". Dann ist Otto gebändigt, ich freue mich, dass es einen Bericht gibt und der Frosch hüpft wieder alleine im Kopf herum.

 

Das Froschstück läuft gut durch. Ich probe trotzdem weiter, denn je sicherer ich im Text und Ablauf bin, desto mehr kann ich mich auf das Spielen der Puppen konzentrieren. Immerhin muss ich eine Stunde lang den Text kennen und habe unzählige Handgriffe. Manchmal träume ich nachts vom Proben. In einer Nacht stocke ich, weil auf einmal der Text fehlt. Im Traum überlege ich angestrengt und beginne die Szene Schritt für Schritt von vorne. Frosch auf der linken Hand, OK, rechts die helle, lange Kunsthaarsträhne, die in einem Bogen über der Spielleiste hängen muss. Zwei Drittel vorne, ein Drittel hinten. Bis dahin stimmt alles. Jetzt geht der Frosch bis zur Haarsträhne und sagt .... und sagt .... ja, was sagt er denn da? Mir fällt es einfach nicht ein!

Ich wache besorgt auf und grübel, was der Frosch denn bei der Szene mit der langen Haarsträhne sagt. Das gibt es doch nicht! Leere. Ich komme einfach nicht auf den nächsten Satz. Plötzlich bin ich leicht panisch und hellwach. Also nochmal ganz konzentriert, jetzt nicht mehr schlafend, sondern bei vollem Bewusstsein. Der Frosch geht auf die Haarsträhne zu ... Moment mal! Welche Haarsträhne? Es gibt doch überhaupt keine Haarsträhne im Stück! Die ganze Szene gibt es nicht! Kein Wunder, dass mir kein Text dazu einfällt! Wie blöd ist das denn? Es dauert, bis ich wieder einschlafen kann. Vermutlich lachen meine Hirnzellen sich schlapp, weil sie mich so gut reinlegen können. 

Im Garten werden die Früchte reif und auch die Felsenbirne hängt voll mit kleinen, leckeren Früchten. Es ist ein bisschen wie im Schlaraffenland und ich esse mich im Vorbeigehen durch. Nur der hohe Maulbeerbaum veranstaltet eine große Sauerei, weil er seine reifen, schwarzen Beeren auf den Boden fallen lässt und die ganze Umgebung unpassierbar macht. Hätte ich gewusst, dass er so hoch wird und zwei Wochen lang Beeren runterfallen lässt, hätte ich ihn nicht genau an meinen Grillplatz gepflanzt!

Süßkirschen

Weiße Johannisbeere mit fast unsichtbarer Schnecke

Johannisbeeren

Felsenbirne

Erdbeeren

Maulbeeren

Dass ich immer noch ein ewig-lange-Sommerferien-Gefühl habe, liegt am warmen Wetter und meinen entspannten Tagen, die aus Froschproben, Basteleien an der Bühne und spontaner Gartenwerkelei bestehen. Eine Uhr brauche ich momentan nur morgens zum Aufstehen. Wenn ich zwischendurch mit einer Tasse Tee und einem Stück Kuchen, den ich mal eben mit den frisch gepflückten Johannisbeeren gebacken habe, im Garten sitze und ein Päuschen mache, möchte ich gerade nirgendwo anders sein. Na gut, ein bisschen Meer in Sichtweite wäre schön. Aber der Rest stimmt schon.

Am Samstag hole ich mein Leih-Auto ab. Meine Puppenbühne passt - trotz der kleinen Schauspieler - nicht komplett in mein eigenes Auto. Für den großen Transporter ist sie ein Klacks. Das bringt mich zum Glück nicht darauf, sie schnell noch etwas größer zu bauen. So ganz wahnsinnig bin ich dann doch nicht. Aber wer bei "Puppenspielerin" an einen Koffer mit einigen Puppen und Requisiten denkt, hat nicht gesehen, wie ich die Sachen für mein Puppen-Theaterstück schleppe.

Gleich fahre ich ins Sauerland. Dort geht der Frosch ins Schwimmbad. Das Theater Scaramouche liegt nämlich genau unter dem Mendener Hallenbad. Passt doch.

Die spannenden Fragen: Bleibt das Becken dicht? Sind tatsächlich alle Schauspieler im Transporter oder wurde einer unter dem Sofa vergessen? Gibt es Zuschauer?, kann ich momentan nur mit dem Ausruf beantworten: "Ich weiß es doch auch nicht!!", so wie die Königin in meinem Stück es einmal jammert. Erstmal freue ich mich auf den Auftritt mit meinen Puppen-Kollegen.

            
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