Blog 527 - 03.06.2018 - Mafia-Prinz, John Cleese und Otto Waalkes

Zurück vom Steinhau-Kurs in Weibern. Ohne platt geklopfte Finger, ohne dicke Zehen, auf die ein dicker Brocken hätte fallen können, aber mit einem Prinzen. Der ist zum Teil noch im Stein verborgen, weil die zwei Tage nicht reichten, um ihn ganz zu befreien. Ich könnte überlegen, ob ich im nächsten Jahr wieder ein Wochenende beim Steinhauen verbringe - nein, das muss ich nicht überlegen, das möchte ich gerne machen -, und ihn dann komplett raushaue, aber ich finde ihn so sehr reizvoll und stelle ihn in den Garten.

In dem Bild von einem Prinzen im Stein stecken viele geheimnisvolle Geschichten. Meine Überlegung, dass er ein Mafia-Opfer sein könnte, weil seine Füße in einem Steinblock stecken, löste bei einigen Teilnehmern des Steinhaukurses empörten Widerspruch aus. Sie hatten natürlich Recht. Die Mafia gießt in Beton und wartet nicht, bis sich eine Lavadecke über dem Opfer zu Tuffstein verdichtet.   

Da ich keine gute Möglichkeit habe, zuhause intensiv Steine zu klopfen, freue ich mich über die Schnupperkurse in Weibern. Wobei die für mich weniger Schnupper-, sondern eher Inhalier-Kurse sind. Einmal im Jahr bildhauern ist mir inzwischen allerdings zu wenig. Ich würde gerne noch viel mehr machen. Andererseits: Was will ich eigentlich noch alles?

John Cleese ist in der Kölner Philharmonie. Er war Mitglied der "Monty Python", wegweisend bei den "Silly walks", mein Lieblings-Hoteldirektor in "Fawlty Towers" und ist eine Legende. Seine Tour nennt der 78-jährige: "Last time to see me before I die". (Die letzte Möglichkeit mich zu sehen, bevor ich sterbe). Das finde ich nicht nur witzig, das überzeugt mich auch.

Der große John Cleese erzählt über Monty Python, zeigt kleine Videos, bringt ein paar Witzchen, spricht über den Tod und hat genau den britischen, schwarzen Humor, der ihn so bekannt gemacht hat. Es ist keine große Show, aber es ist trotzdem beeindruckend diesen Meister des Humors erzählend und plaudernd zu erleben. Mein einziges Problem an diesem Abend ist, dass ich den John Cleese aus den früheren Jahren in den kleinen Videos auf der Leinwand sofort erkenne und mich immer wieder daran erinnern muss, dass der ältere, sympathische Herr auf der Bühne genau dieser John Cleese ist.

Zuhause ist der Frosch dran. Entweder an der Spielleiste, wo ich das Stück - noch ohne Musik - probe, im Garten, wo ich durchgehe, ob ich den Text komplett kann, oder am Tisch, wo ich an der neuen Handfigur werkel, die einen Zwei-Minuten-Auftritt haben wird.

In der Mayer'schen Buchhandlung in Köln stellt Otto Waalkes seine Biographie vor. Es ist eine Lesung, aber er liest nur hin und wieder, erzählt stattdessen aus seinem Leben, zitiert eigene Nummern und singt. Es ist ein großer Spaß und ein wunderschöner Abend. Otto, sein Humor und seine Ottifanten haben mich sehr geprägt. Ich bin kein durchgeknallter Fan, aber er gehörte immer sehr vertraut und selbstverständlich zu meinem Leben. Von daher wundere ich mich auch gar nicht, dass ich an diesem Abend das Gefühl habe, ihn schon oft persönlich getroffen zu haben, was gar nicht stimmt. Dieses Gefühl werden aber viele Menschen haben, die, wie ich, in dieser Zeit aufgewachsen sind.

Am Ende der Lesung signiert Otto seine Bücher. Eine Mitarbeiterin der Buchhandlung nimmt währenddessen die privaten Handys der Besucher und macht Fotos. Fotos mit Künstlern zusammen mache ich nur selten, weil mir die Bilder gestellt und wie eine Art Promi-Abhaken vorkommen. Brauche ich nicht. In diesem Fall drängt der Gatte: "Ach komm! Es ist Otto!" und gibt der Mitarbeiterin sein Handy. Die drückt schon vor dem üblichen Lächelbild auf den Auslöser, und ich freue mich, wie leise und vertraut Otto Waalkes und ich in unserem kurzen, netten Gespräch zu sehen sind.

Aber ist ja klar! Für mich ist Otto nicht fremd, sondern gehört seit Jahrzehnten zu meinem Leben. Dazu muss er gar nicht auf der Bühne stehen und auch keine Witze machen. Ich mag ihn einfach. Das Bild zeigt genau diese Selbstverständlichkeit zwischen uns. Für ihn bedeutet das Treffen mit mir: "Häh? Wer soll das gewesen sein? Kenne ich nicht."

            
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