Blog 526 - 27.05.2018 - Spaß mit den Jungs und ein Prinz im Stein

Puppen-Frosch-Probe-Zeit an der Bühne im Wohnzimmer. Die Jungs und ich haben Spaß.

Jeden Tag spielen wir das Stück durch. Mal nur, um den Text zu üben, mal, um verstärkt einzelne Szenen zu proben. Bei dieser Ausstattungsorgie muss jedes Detail zuverlässig an seinem Platz sein. Ich achte darauf, wann ich während des Spielens zu welcher Puppe wechsel, wo sie liegen muss und wo sie auf keinen Fall liegen darf, weil ich dort nicht rechtzeitig dran komme. Manchmal lache ich über das Benehmen der Handpuppen los, die über mir an der Leiste agieren, was etwas verwunderlich ist, denn ich sollte als Spielerin davon nicht überrascht sein. Weil mir alles so viel Vergnügen macht, gibt es auf einmal neue kleine Details im Spiel und im Text, die mir dann noch mehr Vergnügen machen. Nur meine Schultern müssen sich wieder an das lange Stück gewöhnen und stöhnen etwas vor sich hin. Egal, sie müssen mitspielen.

Dass ich jetzt auch noch für eine Handpuppe nähe und kleine Socken stricke, wirkt etwas blöd, weil meine Handpuppen ja hinter einer Spielleiste sind, wo ihre Beine nicht zu sehen sind. Das hat aber mit der neuen Szene zu tun, für die ich im Übrigen noch eine neue Handpuppe bauen muss. Momentan probe ich die Szene mit einer der vorhandenen Puppen und hoffe, dass es sie nicht verwirrt.

Im Garten wächst alles weiter - vor allem das Unkraut - und ich bin dort immer noch gerne unterwegs. Während des Gärtners habe ich etwas Sorge, dass ich mir einen Splitter oder Dorn in die Hand ramme, der sich entzünden und mir damit ein dickes Problem beim Puppenspielen bereiten könnte. Ich erinnere mich, dass ich im letzten Jahr wenige Tage vor der Premiere Heißkleber auf meine Handfläche kleckste und schon befürchtete, dass ich mit offener Brandwunde keine Puppen auf die Hand nehmen kann. Es ging aber gut. Die Blase trocknete einfach ein und tat nicht mal besonders weh.

Bisher komme ich dorn- und splitterfrei aus dem Garten. Um es spannend zu machen, fahre ich nach Weibern in der Eifel zum Steine klopfen. Ein dicker Stein, Meißel, Hammer, Splitter - das bedeutet hohes Risiko für Finger, Zehen und Augen. Also nichts für Puppenspieler. Vor allem nicht zwei Wochen vor einer Aufführung.

Ich suche mir einen passenden Stein, der noch Bohrrillen hat und erst wackelfrei steht, als ich seine Standfläche begradigt habe. In dem Stein steckt ein kleiner Prinz, der eine viel zu große Krone trägt. Es kommt jetzt nur darauf an, alles wegzuschlagen, was nicht zum Prinzen gehört. "Also los!", denke ich motiviert. Nach den ersten Schlägen denke ich: "Puh! Ist ja doch immer ganz schön viel Arbeit, bis so eine Ecke weg ist."

Am Abend des ersten Tages bin ich abgefüllt mit Pizza, Streuselkuchen und Grillfleisch - die Steinhauer bieten einen unglaublichen Rundum-Service -, meine Arme wollen am liebsten schon vor dem Duschen ins Bett fallen und es guckt schon etwas Prinz aus dem Stein. Bildhauern ist für mich so etwas wie "malen mit Stein". Wobei gilt: "Was weg ist, ist weg." Es kann mir passieren, dass ich irgendwo zu viel wegnehme, versehentlich ein Stück Nase rausschlage oder durch zu viel Gewalt ein dünnes, aber wichtiges Stück abbreche. Dann habe ich am Ende vielleicht wirklich nur einen Stein klein geklopft. Egal. Wenn ich einen Platz dafür hätte, würde ich auch zuhause steinhauern, weil ich es so gerne mache.

Heute ist der zweite Tag des Steinhau-Wochenendes in Weibern. Meine Arme sind gut zu spüren, aber motiviert, ich freue mich aufs Hämmern, die netten Leute, die sonnige Lichtung und das zwischendurch völlig versunkene Arbeiten in einer Welt von Klopfgeräuschen. Eins ist sicher: Den Prinzen kriege ich bis heute Abend nicht fertig.

            
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