Blog 523 - 06.05.2018 - Stunker, Zünsler und Alte Bekannte

Die Woche startet mit einem Abend "Stunk unplugged". Einige Mitglieder der Stunksitzung machen ein abgespecktes Sommerprogramm, in dem sie schöne Nummern der letzten Jahre zeigen. Auch Musik gibt es, die ebenfalls abgespeckt und ebenfalls klasse ist. Josef Piek macht sie zusammen mit einem Keyboarder und ab und an machen auch einige der Stunker mit. Ich freue mich über die vielen vertrauten Gesichter und lache sehr über die Nummern, auch wenn ich sie zum Teil schon kenne. Sie sind einfach gut und es macht großen Spaß. Die Stimmung in der Schulaula ist bestens und nicht nur die Zuschauer, auch die Künstler sind begeistert.

In meinem Garten habe ich das ruhige Kontrastprogramm und freue ich mich, dass der Buchsbaum so dicht und gesund aussieht. Da entdecke ich plötzlich, dass die ersten Zünslerraupen schon drin sitzen. Vermutlich freuen sie sich ebenfalls, dass der Buchsbaum so dicht und gesund aussieht. Da haben wir doch tatsächlich etwas gemeinsam, der Buchsbaumzünsler und ich.

Nachdem ich letztens in einem Artikel gelesen hatte, dass Algenkalk möglicherweise ein Zünsler-Bekämpfer sein kann, frage ich mich nicht nur, was Algenkalk ist, sondern frage auch im örtlichen Baumarkt-Gartencenter danach. "Wozu wollen Sie den denn haben?", fragt die Fachverkäuferin zurück und sieht mich dabei an, als hätte ich im Baumarkt nach pinken Pums gefragt. "Algenkalk soll vielleicht gegen den Zünsler helfen", erkläre ich. Daraufhin zieht sie genervt die Brauen hoch und stöhnt: "Da gibt es immer wieder neue Empfehlungen, aber das ist alles Quatsch." Algenkalk hat sie auch nicht. Es ist übrigens dieselbe Gartenabteilung, in der die Fachverkäuferinnen vor drei Jahren die Unterschiede von Sommer- und Herbst-Himbeeren als "Quatsch" bezeichneten. 

Weil die ersten Zünsler gefräßig in meinen Buchsbäumen unterwegs sind, frage ich zumindest nach dem bienenfreundlichen Raupenmittel. Wobei mir nicht ganz klar ist, wie etwas gleichzeitig bienenfreundlich und raupenfeindlich sein kann. Aber auch das Spritzmittel ist gerade nicht da. Daraufhin fahre ich zu Obi, wo ich nicht nur mein Raupenmittel bekomme, sondern die dortige Fachverkäuferin auch ganz freundlich fragt: "Wollen Sie es mal mit Algenkalk versuchen? Es heißt, dass der eventuell helfen könnte." Der Algenkalk steht mitnahmebereit neben dem Tresen.

Für den akuten Fall nehme ich mein bewährtes Raupenmittel mit, aber auch Algenkalk packe ich ein, denn demnächst will ich mal einen Teil der Büsche damit behandeln und sehen, was passiert. "Nicht aufgeben!", ermutigt mich die Verkäuferin zum Abschied lächelnd. Am liebsten würde ich Haltung annehmen und rufen: "Niemals aufgeben! Niemals kapitulieren!", aber ich nicke nur lächelnd zurück. Mal sehen, wie viele Jahre wir noch gegeneinander kämpfen, der Zünsler und ich. Und mal sehen, wer am Ende genervt aufgibt.

Nach der diesjährigen ersten Runde gegen den Zünsler kann ich wieder im Garten sitzen und den Froschtext durchsprechen. Es ist ein Vergnügen, auch für den Gatten. Der sieht mich gestikulierend auf dem Stuhl sitzen, hört die Königin jammern, die Prinzessin rufen und den Frosch quaken und ist ganz froh, dass mich andere Leute dabei nicht sehen und hören können. Ich bin voll drin und habe hemmungslos Spaß.

Die "Alte Bekannte" geben in Köln zur Tanzbrunnen-Saison-Eröffnung ein Konzert. Was für ein seltsames Gefühl. Ich habe im Jahr 2000 das erste Tanzbrunnenkonzert der Wise Guys dort miterlebt und war im letzten Jahr, nach vielen Wise-Guys-Tanzbrunnen, beim Abschiedskonzert 2017. Jetzt gibt es die Wise Guys nicht mehr, und alles ist vertraut und trotzdem anders. Als die Alte Bekannte beginnen, muss ich grinsen. Genau dieses Bild hatte ich doch vor 18 Jahren schon mal! Fünf schwarz gekleidete Gestalten vor schwarzem Hintergrund, von denen nur Köpfe und Hände als helle Flecken zu sehen sind.

Alte Bekannte 2018

Wise Guys 2000

Damals hatte ich den Eindruck nach dem Konzert aus der Erinnerung gezeichnet und es ist verblüffend, wie nah sie sich jetzt ans Original halten. Back to the roots.

Netterweise treffe ich kurz nach Beginn des Konzertes auf den früheren Wise Guy Clemens und wir unterhalten uns freudig am Rand der letzten Zuschauerreihe bis sich ein junger Mann umdreht und uns genervt anraunzt, dass wir doch bitte leiser sein sollen. Er hat natürlich völlig Recht, ich war selber vorher schon etwas genervt, weil in den hinteren Reihen viel gequatscht wurde. Aber wir finden es trotzdem lustig, dass er ausgerechnet Clemens so zurechtweist. Ziemlich sicher ohne überhaupt zu wissen, wer da quatscht.

Die Zuschauermengen sind nicht so gewaltig wie bei den großen Wise Guys Konzerten, aber das ist auch nicht zu erwarten, denn die Alte Bekannte stehen ja quasi wieder am Anfang. Sie sind nicht nur optisch in ähnlicher Position wie die Wise Guys im Jahr 2000. Aber das Wetter ist schön, die Stimmung ist gut und es läuft. Am Ende des Konzertes gibt es ein "synchrones Hochfeuerwerk". Ich steh gar nicht so auf Feuerwerk, aber das ist wirklich beeindruckend. Über die Synchronität kann man verschiedener Meinung sein, aber die Optik ist wunderschön.

            
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