Blog 521 - 22.04.2018 - Szenen streichen, Weinanbau und Maybebop

Seit einiger Zeit schiebe ich es schon vor mir her: Die Überarbeitung der Handpuppenszenen im Frosch-Puppen-Stück. Sie sollen leicht gekürzt und zusammengefasst werden, und das geht nicht nebenbei. Einfach mal Sätze streichen funktioniert nicht. Es soll ja nicht nur kürzer, sondern auch besser werden. Da mir die meisten Sätze gut gefallen, ist es nicht einfach, die zu finden, die dann doch überflüssig sind.

Am Montagmorgen setze ich mich dran. Drei Stunden Zeit gebe ich mir für die Einarbeitung, um wenigstens den Überblick und einen Anfang zu schaffen. Doch dann bin ich sofort drin, notiere, schiebe und ändere. Es macht überhaupt keine Mühe, und nach zwei Stunden habe ich gestrichen, zusammengefasst und eine ganz neue Szene eingebaut. Dass ich dafür jetzt noch eine weitere Handpuppe bauen muss, passt mal wieder zu mir. Aber egal. Insgesamt ist es straffer und ich finde es besser. Vermutlich haben meine Hirnzellen in den letzten Wochen schon heimlich vorüberlegt und mussten mir jetzt nur noch ihr Ergebnis präsentieren.

Das Wetter ist "Sommer" und ich verbringe die Woche vorwiegend draußen. Was für eine schöne Jahreszeit! Jeden Tag wächst alles deutlich ein Stück weiter und der Garten verspricht ein grünes Paradies zu werden. Noch ist nichts in der Sommerhitze vertrocknet, kein Dauerregen macht Pfade zu Matsch, kein Unkraut überwuchert eben noch freigelegte Ecken und der Buchsbaumzünsler ist weit entfernt. Oder er ist schon da und ich habe ihn bisher nicht entdeckt.

Die viele sonnige Zeit im Garten verbringe ich nicht im Liegestuhl mit Cocktail in der Hand, sondern hackend, Pflanzen eintopfend, Pavillondach mit Dachpappe flickend und Sachen schleppend. Mir gefällt's. Nach der Kopfarbeit der letzten Woche brauche ich Bewegung. Die Katze ist immer dabei, allerdings weniger als Hilfe, eher als entspannter Betrachter. In der Sonne liegen und anderen beim Arbeiten zusehen - das kann sie.

Beim Unkrauthacken im kahlen Vorgarten, wo ich im letzten Jahr eine wuchernde Tanne und wild wachsende Büsche entfernt habe, kommt plötzlich eine alte Idee wieder hoch. Es ist eine Stelle mit knalliger Sonne, sie ist ziemlich trocken und steinig, hat leichte Hanglage - was würde da besser passen als ein Weinberg?

Also keine malerisch meterlang rankende Weinpflanze, sondern Weinstöcke. Und keine Keltertrauben, - denn wo soll ich noch Weinfässer unterbringen, ganz abgesehen vom Flaschenvorrat, einer Abfüllanlage und den Kisten mit Korken -, sondern Weintrauben zum Essen. Quasi zum sofortigen Verzehr. Vorausgesetzt, es wachsen welche.

Ich entferne das Unkraut, lese mich ein in "Erziehung der Rebe", "Haupttriebe" und "Bogenform", finde alles etwas kompliziert, besonders, wann was in welchem Jahr wo geschnitten werden muss, bleibe optimistisch, bestelle in einer Rebschule fünf Weinpflanzen und grabe fünf Löcher. Der Beginn des Weintraubenanbaus an meinem Südhang. Momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass ich in einigen Jahren kiloweise süße, dicke Trauben ernten werde. Ich tippe eher auf einzelne, säuerliche Trauben, weil der Ertrag wegen des zu trockenen Bodens, des fehlenden Hauptriebes und der völlig falschen Schnittweise sehr gering ist.

Im Bonner Pantheon tritt Maybebop auf. Vor vier Monaten habe ich ihr Weihnachtskonzert besucht und war sehr begeistert, jetzt ist es ein "normales" Konzert und ich bin wieder sehr begeistert. "Groß-groß-großartig!" denke ich zwischendurch immer wieder. Manchmal ist es fast unglaublich, was sie singen können. Wie gut, wie schnell, wie spontan, wie sauber, wie lässig. Ich habe viel Spaß, höre mit großer Freude zu und genieße es sehr.

Weil der Bass Sebastian bis zum Sommer eine gesundheitliche Pause braucht, singt bis dahin der kurzfristig gefundene "Ersatz"-Bass Christoph. Obwohl er erst seit einer Woche mit auf der Bühne steht, fällt er nicht raus. Wenn ich nicht wüsste, dass er "neu" ist, würde ich es nicht merken. 

Und wie schon in der letzten Woche, gibt es ein Alibi-Foto mit mir. Das beweist nicht nur, dass ich im Konzert war, sondern auch, dass ich - völlig unüblich - in der ersten Reihe saß. Das passiert bei mir selten und lag nur am schönen freien Platz, am Wetter und überhaupt. Auf dem Foto steht zwischen den Maybebops übrigens Will, der das Zuschauerlied mit ihnen sang, sich als "Badewannensänger" und "Kammerjäger" bezeichnete, dann aber ein so gewaltiges Sinatra-"My-Way" schmetterte, dass das Pantheon bebte. Wahnsinn! Danach gestand er den völlig geflashten Maybebops, dass er von Beruf dann doch Opernsänger sei.

            
Blogübersicht
 nächstervorheriger