Blog 517 - 25.03.2018 - Erde buddeln, lange Fahrten und fremde Sprachen

Nach der Pantomime-Woche mit vollem Sportprogramm geht es zu Rainer Bielfeldt. Der gibt ein kleines, feines Konzert im Kölner Stollwerck und ich mag ihn und seine gefühlvolle Stimme sehr. Bisher habe ich ihn immer als Begleiter von Gayle Tufts und Tim Fischer erlebt und freue mich, dass er endlich mal wieder solo unterwegs ist. Hach, was für ein schöner Abend!

Schön ist nebenbei, dass im Foyer einige alte Plakate hängen und ich den frühen Bodo Wartke und die noch früheren Ina Müller und Edda Schnittgard als Duo "Queen B" entdecke. Sofort habe ich alte Bilder und Erinnerungen im Kopf und lächel selig. Was für ein Schatz an der Wand!

Das Wetter wechselt zwischen frostkalt und frühlingsmild hin und her. An einem Tag ist Frost, am nächsten Frühling. Manchmal ist auch morgens noch Winter, ab mittags warme Sonne.

Damit meine frisch trainierten Muskeln zum Einsatz kommen, buddel ich im Garten an der einen Seite Erde weg und schütte sie an der anderen wieder auf. Das ist ziemlich anstrengend, sieht etwas chaotisch aus, hat aber ein System. Blöderweise kommt ein Teil der Erde später an den alten Platz zurück, was nicht nach durchdachtem Plan aussieht, aber um die Hangfläche neu anzulegen, muss die Erde vorher erstmal weg. Auch eine dicke Wurzel muss raus. Ich hacke, säge, zerre und stöhne. Gegen diese Anstrengungen kommt mir das Workout-Programm der letzten Woche fast lächerlich vor. 

Zwischendurch gibt es Bewegungspause und ich fahre nach Malsch bei Karlsruhe, wo ich den Apfelquieker in der Grundschule vorlese. Das ist 300 Kilometer entfernt. Morgens früh um 5 Uhr geht es los, auf dem Rückweg mache ich einen Kaffeebesuch in Mainz und am Abend bin ich wieder zuhause. Da geht's nur noch aufs Sofa und nicht mehr in den Garten.  

Das mach ich dann am nächsten Tag. Schnee, Sonne, buddeln, Erde schleppen und Pflanzen umsetzen. So viel an der frischen Luft war ich schon lange nicht mehr.    

Am Ende der Woche geht es schon wieder zum Frankfurter Flughafen, wo der Sohn, der vor zwei Wochen nach New York flog, nun wieder ankommt. Er hatte mit seiner Universitäts-Gruppe ein volles Programm in Washington und New York mit Besuchen, Besichtigungen, Treffen und der Simulation einer UN-Versammlung im Gebäude der Vereinten Nationen. Dass mein Sohn, der in der Schule im Englischunterricht eher versagte, inzwischen fließend Englisch spricht und bei einer internationalen Veranstaltung in der UN in New York am Rednerpult steht und mit Freude einen Vortrag hält, finde ich großartig. Das unterstützt wieder meine Überzeugung, dass es immer neue Wege gibt und dass man Sachen, die man heute nicht kann, morgen noch lernen kann.


(Foto aus dem NMUN-Tagebuch 2018 der TU Chemnitz)

Dass die diesjährigen Teilnehmer der Uni Chemnitz beim NMUN 2018 äußerst erfolgreich sind und zu den weltbesten Delegationen gehören, freut mich für die Studierenden, die im letzten Jahr sehr viel Arbeit und großen persönlichen Einsatz in die Simulation gesteckt haben. Dass der Sohn bei seiner Reise bei jeder Ein- und Ausreisekontrolle verstärkt untersucht und befragt wird und weitere Sicherheitsprüfungen und -kontrollen mitmachen muss, verwundert nur. Er nimmt es entspannt und grinsend. Dass ihn am Ende bei der Ankunft am Frankfurter Flughafen auch noch der deutsche Zoll rauswinkt, alles durchsucht und schon wieder einen Drogensuchhund ans Gepäck lässt, findet er nur noch amüsant. Als ein Beamter im Gepäck den Anstecker findet, der meinen Sohn als Mitglied der demokratischen Republik Kongo ausweist, gibt es kurzen Erklärungsbedarf. Ist ja auch nicht so einfach, wenn ein Student Anzüge im Koffer hat und erklärt, dass er als Botschafter des Kongo in New York bei den Vereinten Nationen war.   

Weil es gerade so gut passt, fahren wir mit dem Sohn weiter nach Chemnitz und lassen uns auf der langen Fahrt von den Erlebnissen erzählen. Aber auch Chemnitz bietet Erlebnisse: Sächsisch. Ich mag das inzwischen sehr, zumal mein Sohn formell ja als Sachse gilt. Wenn aber eine Kassiererin im Geschäft "Ochdn-draiis-sch Och-tsch" sagt, denke ich: "Die armen Ausländer, die fleißig Deutsch lernen und diese Buchstabenmischung mit "Achtunddreißig achtzig" in Verbindung bringen müssen."

            
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