Blog 516 - 18.03.2018 - Die unsichtbare Wand und das Wesentliche

Die Woche verbringe ich im Figurentheater-Kolleg Bochum. Beim Pantomimekurs. Das ist für mich erstaunlich, denn ich finde Pantomime eher langweilig. Wenn jemand an einer unsichtbaren Wand herumtatscht - patsch, patsch, patsch - und dazu mit großen, verwunderten Augen guckt, reicht mir das schon und ich verdrehe die Augen. Wortlos. Quasi pantomimisch. Allerdings habe ich im letzten Jahr die Werkschau des Pantomime-Kurses besucht - netterweise, weil ich in einem anderen Kurs am Kolleg war und es höflich finde, wenn man gegenseitig die kurzen Abschlussaufführungen ansieht - und war unerwartet begeistert. Das war anders als das, was ich als übliche Pantomime kannte.

Jetzt bin ich fünf Tage im Pantomimekurs, in dem erstaunlich viel geredet wird. Es gibt auch ein unerwartet ausgiebiges Bewegungsprogramm, und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so aktiv sportlich unterwegs war. Aber um sich gut auf der Bühne bewegen zu können, muss sich eben alles gezielt bewegen lassen. Der Dozent Hans-Jürgen Zwiefka hat ein abwechslungsreiches Konzept und es werden neben vielen Bewegungsübungen auch Techniken der Pantomime geübt. Schrank schieben, auf der Stelle laufen, Seil ziehen und natürlich auch die unsichtbare Wand, bei der ich zwar grinsen muss, die dann aber doch als Kurzübung witzig ist.

Vor allem aber werden einzeln und in Gruppen kleine Szenen entwickelt und den anderen Teilnehmern vorgespielt. Slapstick, Zeitlupe, Stehbilder - die Pantomime ist vielseitig und beschränkt sich nicht nur auf die unsichtbare Wand. Es geht den ganzen Tag über sehr lustig zu und es wird viel gelacht.

Am Ende des Kurses gibt es eine kleine öffentliche Werkschau und abschließend vom Dozenten für die Teilnehmer ein kleines Geschenk. Aus einem Beutel darf jeder blind einen handbeschrifteten Stein mit einem Spruch ziehen. Meiner passt sehr gut: "Einfachheit ist ein großer Lehrmeister". Die Reduzierung auf das Wesentliche ist ein großes Thema bei mir. Der Stein kommt auf den Schreibtisch und bleibt eine schöne Erinnerung an den Pantomimekurs.

            
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