Blog 515 - 11.03.2018 - Titelstar, Piratenhüte und Husten

Der Frosch hat es auf ein Titelbild geschafft! Ich finde, das steht sowohl dem Frosch als auch dem Titelbild sehr gut. Na gut, es ist kein Stern, kein Goldenes Blatt und keine Landlust, aber es ist das Programmheft vom Mendener "Scaramouche", was viel origineller ist. Dort wird der Frosch im Juni auftreten, was mich sehr freut.

Zu Beginn der Woche gibt es Lesungen an zwei Grundschulen. In der einen Schule finden die Lesungen im Foyer statt und es gibt unerwartet viel Durchgangsverkehr. Vielleicht fällt der aber auch erst auf, wenn dort Lesungen stattfinden und es möglichst wenig Ablenkung geben sollte. Zum Glück hören die Kinder trotzdem gut zu, bleiben weitgehend konzentriert und es funktioniert, obwohl sie natürlich immer wieder gucken müssen, wer jetzt wohin geht.

Bei der anderen Schule sitzen die Kinder in der muckeligen Schulbücherei und geben mir ein Beispiel für Toleranz. Als nämlich zwei Klassen schon sitzen und freundlicherweise die vorderen Reihen für die dritte Klasse freigehalten haben, kommen die Kinder der dritten Klasse und haben selbstgebastelte Piratenhüte auf, die sie mindestens zehn Zentimeter größer machen. Sie setzen sich in die vorderen Reihen, und mir geht sofort durch den Kopf, was für einen Ärger das bei Erwachsenen geben würde. Wenn in einem Theater die ersten Reihen von Leuten mit hohen Hüten belegt würden, wäre dahinter die Empörung groß und es würde zischend verlangt, dass doch gefälligst die Hüte abgesetzt werden sollten. Nicht so bei den Kindern. Die bleiben alle ruhig, blinzeln mit schräg gehaltenen Köpfen durch die Lücken und versuchen genug zu sehen.

Gleich am nächsten Morgen geht es für mich früh los nach Chemnitz. 500 Kilometer Fahrt, und ich komme vom rheinischen Frühling mit milden Temperaturen und zwitschernden Vögeln unerwartet in einen Wintereinbruch. Der Schnee ist auch in Thüringen und Sachsen unerwartet, aber er taut auch schon zügig wieder weg. Mir kommen weiße Flächen in der Landschaft und zusammengekehrte Schneehügel auf den Bürgersteigen völlig unpassend vor. Nö, jetzt ist es zu spät dafür, jetzt fängt der Frühling an!

Schon auf der morgendlichen Fahrt nach Chemnitz kratzt der Hals, am Abend bin ich krank. Eine "angeflogene" Erkältung. Da wasche ich mir ständig die Hände und versuche Ansteckungen zu vermeiden, und jetzt hat es mich doch erwischt. Dabei ist es fast ein Wunder, dass es nicht schon vorher passiert ist, denn es sind seit einigen Wochen ungewöhnlich viele Leute krank. Den nächsten, eigentlich "freien" Tag in Chemnitz verbringe ich weitgehend schlafend auf dem Sofa. Zwischendurch trinke ich heißen Tee, huste oder gehe mit meinem Sohn Reiseplanungen durch.

Am folgenden Tag geht es in den sehr frühen Morgenstunden nach Frankfurt am Main, wo morgens am Flughafen der Flieger nach New York startet, der meinen Sohn zu einem spannenden Projekt bringt. Er nimmt an einer Simulation der Vereinten Nationen teil, dem amerikanischen NMUN, vertritt mit seiner Delegation ein afrikanisches Land und hat für zwei Wochen ein volles Programm in Washington und New York vor sich.

Aus uns unbekannten Gründen muss er am Flughafen durch eine verschärfte Sicherheitskontrolle. Vielleicht weil er mal Praktikant im Bundestag war und die Amerikaner ihn in geheimen Listen als Mitglied des Bundestages gelistet haben? Ich hoffe, dass sie in seinem Gepäck nicht die Unterlagen für die UN-Sitzung finden, auf denen fett steht: "Member of the Democratic Republic of Congo". Das könnte ganz neue Fragen ergeben.

Während der Sohn auf Amerika zufliegt und hofft, dass er dort auch wirklich einreisen darf, fahre ich - erstaunlich fit - 200 Kilometer nach Hause. Dort lasse ich mich aufs Sofa fallen. Nicht mehr ganz krank, aber auch nicht gesund. Jetzt habe ich zwei Tage Zeit, bis es für mich wieder losgeht. Ich habe das Gefühl, das reicht.

            
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