Blog 514 - 04.03.2018 - Renovierungs- und Inszenierungsideen

Die Puppen, die seit ihrem Auftritt in der Jubiläumsshow in Tüten steckten, stehen endlich wieder in ihrem Regal. Nicht alle. Die restlichen, die nicht mehr reinpassen, liegen jetzt übereinander davor. Das kann nicht die Lösung des Platzproblems sein.

Am liebsten würde ich eine großflächige Wandaufhängung basteln, an der alle Puppen Platz finden und auch die nächsten zwanzig Exemplare noch problemlos unterzubringen sind. Das scheitert aber an der fehlenden Wand. Wände habe ich schon, aber keine, an der genügend Platz ist.

Das ausgebaute Mini-Fenster aus dem Gäste-WC möchte ich leicht überarbeiten und im Schuppen einsetzen. Dazu müssen die vielen Mini-Nägel, die seit mehr als zwanzig Jahren im Rahmen stecken, entfernt werden. Die Idee, ein Fliegennetz mit Nägeln zu befestigen, hatte ich damals selber, darum darf ich nicht meckern. Jetzt operiere ich mit Schraubenzieher und Zange an den winzigen Nagelköpfen herum. Das ist nicht ganz ungefährlich, denn es gibt scharfe Holzsplitter, abplatzende Lackteilchen, abrutschendes Werkzeug und bombenfest sitzende Nägel, die sich unerwartet lösen und den kräftig ziehenden Arm mit Schwung nach hinten schnellen lassen. Nach einer Stunde schmerzen nicht nur meine Fingerspitzen, auch die Bauchmuskeln haben nach dem ständigen Anspannen keine Lust mehr auf "ich hol schnell mal die kleinen Nägel aus dem Rahmen".  

Am Ende sieht das Ergebnis schrottreifer als vorher aus. Wo bis dahin nur kleine Nagelköpfe zu erkennen waren, sind jetzt Löcher gepult. Außerdem ist der Rahmen an zwei Ecken komplett auseinander gegangen und ein Stück Holz ist rausgebrochen. Naja, ein bisschen schmirgeln, Löcher mit Füllstoff glätten, nochmal schmirgeln, Ecken leimen, schräge Ränder mit der Kreissäge gerade machen, vorstreichen, lackieren - dann wird das schon. Wegwerfen wäre schneller, aber nicht so originell.

Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Arbeit der kleinen Idee "Wir holen Farbe und streichen das Gäste-WC" inzwischen folgt. Auch die Tür kommt nicht um eine Renovierung herum. Sie ist in den 70er-Jahren zeitgemäß mit einem Kunststoffbezug versehen worden, den ich sowieso noch gegen einen Anstrich tauschen wollte. Irgendwann im Sommer, wenn die Farbe schön trocknet und ich im Hof pinseln kann. Wegen der neuen Fliesen lässt sich die Tür jetzt aber nicht mehr schließen, und was nützt das schönste Mini-Gäste-WC, wenn die Tür offen bleiben muss. Also runter mit dem Plastiküberzug.

Ansonsten geht es aber schon an die Details, und bis auf eine kleine Wasserzuleitung zum Spülkasten und einen letzten Anstrich in der Fensterlaibung ist alles fertig. Weniger als ein Quadratmeter Platz, aber mit Toilette, Spülkasten, Porzellangriff zum Ziehen, Waschbecken, Spiegel, Seifenspender, Handtuchhaken, Fenster und übergroßem Schachbrett als Fußboden. Demnächst auch mit schließbarer Tür.

Am Ende der Woche besuche ich das Bochumer Figurentheater-Kolleg, der Ort, wo mein Puppen-Problem quasi begann. Dort machte ich meinen ersten Klappmaul-Baukurs, bei dem nicht zu ahnen war, dass der ersten Puppe schnell viele weitere folgen würden. Bodo Schulte, der Hauptverantwortliche für das Chaos vor meinem Puppenregal - denn ohne ihn würde ich nicht mal ein einzelnes Regalbrett für irgendwelche Puppen brauchen und irgendwer muss es ja schuld sein -, hat aktuell Werkschau mit seinem Inszenierungskurs. Vor zwei Jahren war genau so ein Inszenierungskurs mein Start ins aktive Puppenspielen.

Ich gucke den Ausschnitten der Werkschau zu und finde es immer wieder spannend, was für unterschiedliche Spielweisen und Stückideen es gibt. Egal ob Hand- oder Klappmaulpuppen, es gibt viele schöne Szenen und die Stunde Werkschau ist gefühlt schnell vorbei. Gut gelaunt und inspiriert fahre ich nach Hause. Inspiriert heißt dabei nicht, dass ich Ideen, die ich eben gesehen habe, klaue, sondern dass in mir sofort neue, eigene Geschichten lossprudeln. Ich merke, dass inzwischen ganz schön viel Puppenspielen in mir steckt. Am liebsten würde ich sofort mit einem neuen Stück loslegen. Geht gerade nicht, zuerst ist der Frosch dran, und für das nächste Stück steht schon die Grundidee.

In der Nacht wache ich ständig auf, weil mir eine weitere Szene oder ein guter Satz für ein neues Handpuppenstück einfallen. Schließlich hole ich mir einen Notizblock und einen Stift. Am Morgen bin ich ziemlich müde, gut gelaunt, habe in den vielen kurzen, wachen Momenten in der Nacht mehrere Seiten vollgekritzelt und die Grundidee steht. "Viertel nach 10 - oder 10 Uhr 15" könnte das Stück heißen. So ist jetzt zumindest der Arbeitstitel. Wenn die Ideen losströmen, darf ich sie nicht vorbeifließen und versickern lassen.

            
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