Blog 511 - 11.02.2018 - Bodenschach und Karneval

Die Gäste-WC-Renovierung begann im Dezember mit der Frage: "Sollen wir da mal die Wände streichen?" Da war das Gäste-WC eher ein Notfall-WC, das außer einer Toilette mit Wasserspülung nichts zu bieten hatte. Inzwischen ist das alte WC ausgebaut, eine weitere Wasserleitung gelegt, ein Mini-Waschbecken eingebaut und die alten Bodenfliesen sind rausgehauen. Jetzt heißt es: "Wie wäre es mit einem neuen Fenster?" Die Fenster-Idee ist nicht von mir, denn ich mag das altmodische Fenster mit seiner originellen Kipptechnik sehr, aber natürlich ist die 50er-Jahre-Einfachverglasung nicht mehr zeitgemäß. Gerade im Winter merkt man das deutlich. Ach, wie schade um das hübsche Fenster! Ich tröste mich damit, dass ich es nicht noch mühsam abschmirgeln und streichen muss.

Der nur knapp ein Quadratmeter kleine Raum beschäftigt mich gut. Hinter das Mini-Waschbecken klebe ich kleine Fliesen und verfuge sie, auf dem Boden meißel ich die letzten Betonklebereste weg und gieße eine Ausgleichsmasse, der Paketbote bringt den Seifenspender, im Baumarkt hole ich die neuen Bodenfliesen, im Möbelhaus einen Spiegel.

Ich lege die neuen Fliesen, verfuge sie am nächsten Tag und sehe kariert. In Einrichtungs-Fernsehsendungen heißt es oft sülzig: "Das moderne Badezimmer lädt zum Verweilen ein." Ich denke: "Der Boden lädt zum Schachspielen ein." Ich lasse es, weil mich die Felderanzahl verwirrt und ich gar nicht so viele Bauern habe. Die Fugen trocknen, der Karneval ist da und ich ziehe mich um und gehe zu einer kleinen, alternativen Karnevalssitzung der örtlichen Kulturvereine. Die ist ungewöhnlich und macht Spaß.

Am nächsten Tag wieder Baumarktbesuche, dann altes Fenster rausklopfen, neues Fenster einbauen, umziehen und ab zur Karnevalsparty. Es ist die legendäre Karnevalsparty bei Clemens, dem Ex-Wise Guy, wobei inzwischen alle jemals gewesenen Wise Guys "Ex-Wise Guys" sind, weil es die Gruppe nicht mehr gibt. Durch diese Bezeichnung sind sie interessanterweise alle wieder gemeinsam auf einem gleichen Level.

Die jährliche Party bei Clemens und seiner Familie bietet Musik, gute Laune, Dauergetanze, lautes Mitsingen von Karnevalsliedern, es ist knackevoll und immer noch kommen weitere Gäste an und drängen sich dazu. Wenn man etwas als gelungene Karnevalsparty bezeichnen kann, dann das. Auch wenn ich gut ohne Karneval leben kann, merke ich bei solchen Gelegenheiten doch immer wieder, dass mich dieses Gemeinschaftsgefühl berührt. Alle lachen sich an und duzen sich, alle tragen ein buntes Kostüm, und ob ich beim Schunkeln und lauten Mitsingen links eine Chefärztin und rechts einen Lagerarbeiter untergehakt habe, merke ich nicht und es ist auch völlig unwichtig.     

Alaaf! Und jetzt ziehe ich mir mein häusliches Bauerbeiterkostüm über, rühre einen Eimer Spachtelmasse an und verputze die Ränder des neuen Fensters. Ohne Geschunkel und ohne Karnevalsmusik. Bunt, staubig oder schwarz-weiss-kariert - das Leben ist abwechslungsreich.

            
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