Blog 509 - 28.01.2018 - Große Hände, kleine Fliesen und Popcorn bei Pastewka

Meine Puppe für die Jubiläumsnummer braucht noch eine Livehand, das ist eine Art Handschuh, in der meine echte Hand steckt. Damit sie an der Puppe nicht so riesig aussieht, will ich sie so knapp wie möglich machen, damit sie eng passt, aber nicht zu klein ist. Ich messe ab, markiere, schneide, nähe - und als sie fertig ist, bekomme ich meine Hand nicht mal mit Gewalt reingequetscht. Also nochmal, diesmal lasse ich überall zwei Millimeter mehr Stoff dran. Na, also, es klappt!

Blöderweise sieht jetzt aber die andere Puppenhand, die aus Schaumstoff geschnitzt und fix und fertig genäht ist, im Vergleich viel zu klein aus. Auf der Bühne wird es wirken, als hätte die Puppe eine völlig normale und eine dick aufgeblähte Hand, die den sofortigen Einsatz eines Notarztes erfordert. Ich seufze einmal, lache dann los und schnitze eine neue Puppenhand, die deutlich größer ist. Leider sind jetzt die Puppenarme für die großen Hände zu kurz. Arme verlängern mache ich aber erst in der nächsten Woche. Für diese Woche reicht's.

Bei der Überarbeitung des Gäste-WCs gibt es inzwischen Pläne und eine neue Porzellanschüssel. Die hat zwei Anschlüsse, was nicht zu den vorhandenen drei Anschlüssen passt, aber irgendwie muss es passend gemacht werden. Die Betonung liegt auf "irgendwie". Natürlich hat das neue WC auch eine andere Größe als das alte und passt nicht exakt auf die vorherige Stelle. Damit wir alles ordentlich einpassen können, haue ich einige der alten, kleinen Fliesen raus. Dabei stelle ich fest, dass das Arbeiten mit Hammer und Meißel erstaunlich ähnlich ist, egal, ob ich Fliesen zertrümmer oder an einer Skulptur haue. Beim Bildhauen sind aber die Ergebnisse meist netter.  

Beim Raushauen der kleinen Fliesen kommt die Idee auf, ob wir den alten Bodenbelag wirklich ergänzen und dann mit Fliesenfarbe überstreichen wollen, die im Übrigen schon gekauft ist, oder ob wir besser alle Fliesen komplett raushauen und neue in unserer Wunschfarbe legen. Da gäbe es dann allerdings noch die alten, an die Wand betonierten Holzleisten, die dann gleich mit rausgerissen werden müssten ... Oh je, wenn diese Ideen schon im Raum schwirren, glaube ich kaum, dass sie noch zurückzuhalten sind.

Das anstehende Pastewka-Kino-Premieren-Event geht eine Stunde früher los als ich eingeplant hatte. Davor habe ich meine erste Zumba-Stunde, die zur halben Zumba-Stunde wird, weil ich meine Bahn nach Köln erreichen muss. Die halbe Stunde reicht aber, um deutlich zu spüren, dass ich mich ungewohnt bewege. Im normalen Alltag kreise ich eben selten mit den Hüften und werfe auch nicht temperamentvoll die Arme in alle Richtungen. Ich höre da nicht mal südamerikanische Musik. Auch wenn das Zumba-Hüpfen anstrengend ist, gefällt es mir gut, und als ich danach die Treppe zum Bahnsteig hochlaufe, ja, fast hochhüpfe, fühle ich mich erstaunlich gut.

Im Kölner Cinedom warten schon viele Leute auf den Einlass zur Pastewka-Premiere. Es gibt für jeden Besucher ein Getränk, es sind Tische voller Popcorntüten vorbereitet und auf jedem Kinositz steht eine Tasche mit kleinen Fan-Artikeln. Die Werbeabteilung hat voll zugeschlagen. Auf dem Getränkebecher, auf der Popcorntüte, auf der Tasche und auf allen Verpackungen der Fan-Artikel sind Pastewka-Bilder und -Aufdrucke angebracht. Es ist nicht zu übersehen, um wen es geht.  

Im hinteren Teil des Kinos sitzen die geladenen Gäste, viele Mitarbeiter der Staffel und Bastian Pastewka, im vorderen Teil freudig gespannte Fans, die Popcorn kauen und den ersten Teil der neuen Staffel ansehen wollen. Der ist dann klasse. Gar nicht mal so witzig wie erwartet - natürlich stimmen Humor und Timing perfekt -, aber vor allem sehr berührend. Großes Kino. Drehbuchschreiber, Schauspieler und Filmer schaffen es, eine wirklich lustige Serie gleichzeitig liebevoll und ernsthaft zu machen. Manchmal wird vom Publikum längere Zeit überhaupt nicht gelacht, stattdessen ist es sehr ruhig, weil alle mitleiden und betroffen sind. Das muss man bei einer witzigen Serie erstmal schaffen! Sehr, sehr gut! Die Charaktere stimmen, die Figuren sind toll, es ist sehr gut gefilmt und geschnitten und die Drehbücher sind klasse. Bastian Pastewka ist sowieso großartig! 

Er kommt am Ende nach vorne und beantwortet schlagfertig, humorvoll und locker Fragen aus dem Publikum. Natürlich ist das Ganze eine Werbeveranstaltung, damit die neuen Staffeln über "Amazon Prime" geguckt werden, wo sie ab Mitternacht freigeschaltet werden. Ob das erfolgreich ist, wird sich zeigen. Ich vermute, dass eine Ausstrahlung im Fernsehen deutlich mehr Zuschauer und einen höheren Bekanntheitsgrad bringt. Vor allem bekommt man damit Zuschauer, die zufällig reinzappen und hängenbleiben. Oder mich, die sich dann gezielt vor den Fernseher setzt, während ich Filme, die ich jederzeit sehen könnte, genau deswegen meistens auf "später" verschiebe, wo schon unzählige ungesehene Aufnahmen und DVDs warten.

Die anschließende Autogramm- und Selfiemöglichkeit lasse ich ungenutzt und fahre gleich nach Hause. Nach Fliesenhauen, Zumba, Popcornessen und der Pastewka-Premiere möchte ich mich nicht noch wartend in die Schlange von Fließband-Selfiemachern einreihen. Auch wenn ich gerne sagen würde, wie großartig ich die erste Folge fand, eben WEIL sie auch ernsthaft und berührend war. Weil ich mich nicht anstelle, hat Bastian Pastewka an diesem Abend zwei Minuten früher Feierabend. Er wird nicht erfahren, warum.   

            
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