Blog 503 - 17.12.2017 - A-cappella-Berichte, Wanderphantasien und Abendkleid

Am Sonntag gibt es eine zweite Puppenprobe, diesmal mit den Mitspielern, die am Vortag nicht konnten. Danach habe ich einen Zettel, auf dem jeder angekreuzt hat, welche Puppenrollen er gerne spielen würde. Da es Haupt- und Nebenrollen gibt, versuche ich, die Wünsche weitgehend zu beachten. Blöderweise kann so ein Zettel auch zeigen, dass einige Puppenrollen sehr begehrt sind und andere von niemandem übernommen werden wollen, was eine Verteilung schwierig macht. Ein bisschen zögernd gehe ich darum an das Sichten. Aber - es ist fast unglaublich - es geht genau auf. Bei jeder Rolle gibt es mindestens einen, der sie gerne spielen möchte, und es gibt sogar so viele Spieler, die gerne eine Sprechrolle übernehmen würden, dass ich die Puppen anders aufteilen und es damit noch einfacher machen kann.

Als alle Rollen vergeben sind, schicke ich die Texte, mit denen sich jetzt jeder auf seinen persönlichen Puppenspielpart vorbereiten kann. Die nächste Probe ist erst im Januar, und wenn alles klappt, können wir da schon mal grob durchspielen. Ich freue mich, dass sich so viele Mitspieler gemeldet haben und dass sie so leuchtende Augen haben. Die leuchtenden Augen liegen dabei nicht an mir, sondern an den Puppen. Wer könnte das besser verstehen als ich?

Es ist eine Woche, an der ich lange Stunden vor dem Computer sitze. Zuerst schreibe ich den Bericht über das Maybebop-Konzert, was, wie bei jedem ausführlichen Bericht, lange dauert. Ich muss die im Dunkeln schnell gekritzelten Notizen entziffern, ergänzen und zu Sätzen bilden, Liedtitel herausfinden, Fotos aussuchen und bearbeiten, alles zusammenstellen, überarbeiten und dann endlich den fertigen Bericht auf meine Konzertbericht-Internetseite "reihedrei.de" stellen. Das lange Sitzen finde ich nicht schön und ich bekomme Wanderphantasien und den Drang, jetzt sofort spazierengehen zu müssen, aber stehend kann ich nicht tippen.

Kaum ist der Bericht über das Maybebopkonzert fertig, besuche ich das ersten Konzert der "Alte Bekannte". Dän, Nils und Björn von den Wise Guys haben sich mit zwei "Neuen", Ingo und Clemens zusammengefunden und machen weiter. Im Grunde ähnlich wie die Wise Guys, dann aber doch anders. Es ist ihr erstes Testkonzert, und es gelingt und überzeugt. Ich freue mich sehr für sie. Erstaunlicherweise möchte ich aber die wenigen Wise Guys Lieder, die sie noch im Programm haben, gar nicht so gerne hören. Sie lösen bei mir keine sentimentalen Erinnerungen aus, es stört mich eher, dass sie nur ein bisschen wie Wise Guys klingen und ansonsten einen fremden Klang haben. Brauche ich nicht. Es ist aber auch eine gute Erkenntnis, dass die Alte Bekannte keine Wise Guys Füll-Lieder brauchen, um ihr Publikum zu halten.  

Zuhause sitze ich schon wieder stundenlang vor dem Computer, um diesmal den Bericht über die Alte Bekannte zu schreiben, entziffere Notizen, bilde Sätze, bearbeite Fotos und stelle alles endlich auf die Internetseite. Puh! Zwei lange Berichte gleich nacheinander, das bedeutet sehr viel Sitzerei, richtige Hirnarbeit und ist dann doch erstaunlich anstrengend.

Hat aber schon einen Sinn, denn abgesehen davon, dass mir das Überlegen und Formulieren wirklich Spaß macht, finde ich es danach mit jedem Jahr schöner, wenn ich nachlesen kann, wie es früher war. Auch manche vergangenen Wise Guys Konzerte bleiben damit lebendig und zum Teil wiedererlebbar, auch wenn es die Wise Guys inzwischen schon nicht mehr gibt.

Am Ende der Woche gibt es ein privates Krimidinnerspiel, für das ich zur jungen Restaurantbesitzerin im Abendkleid werde. In meinem normalen Leben haben glitzernde Kleider und dunkel geschminkte Augen gar keine Einsatzmöglichkeiten, umso mehr genieße ich es, wenn ich sie aus Spaß in einer Rolle tragen kann. Andererseits könnte ich ja auch den nächsten Bericht mal geschminkt und im Abendkleid tippen. Ich muss nur wollen.

Die Puppenrollen sind verteilt, die beiden Konzerte besucht, die Berichte geschrieben, das Krimidinner gemacht - und ich habe frei. Im Kalender stehen bis zum Jahresende keine festen Termine mehr. "Zwei Wochen frei bis Weihnachten ist!", freue ich mich, werde aber sofort darauf aufmerksam gemacht, dass Weihnachten schon in einer Woche ist. Ach ja, stimmt. "Na, dann eben EINE Woche frei, bis Weihnachten ist!", freue ich mich, was zeigt, dass ich ein optimistisches Gemüt habe und gerne das Positive sehe. Glücklicherweise kommt auch gerade noch die Bestellung mit dem orangefarbenen, dem rosafarbenen und dem grünen Plüsch an. Die Chance, dass ich unterm Weihnachtsbaum sitze, an Monstern baue und der Plüsch um mich herum fuselt, ist groß. Das hört sich doch gemütlich an!

            
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