Blog 502 - 10.12.2017 - Rollende Augen, kein Meer und weihnachtliche Maybebops

Die Woche startet in meiner privaten Augenklinik. Die ist mein Küchentisch, an dem ich Löcher in weiße Bälle bohre, um dann Pupillen einzusetzen. Meine Lieblingsarbeit ist das nicht, was an den genervten "Och, mennooooo!"-Rufen gut zu erkennen ist. Es ist eine frickelige Angelegenheit, bei der meine Finger zu groß sind, die Augen gerne mal vom Tisch springen und unter den Schrank rollen und der Kleber genau da klebt, wo überhaupt nichts kleben soll.

Die Arbeit hat aber das schöne Ergebnis, dass am nächsten Tag alle im Bau befindlichen Puppen ihre Augen eingesetzt bekommen. Und weil ich gerade dabei bin, klebe ich auch endlich bei meinen beiden Hunden aus dem letzten Baukurs die Augen fest, damit sie nicht mehr schielend verrutschen oder plötzlich aus dem Kopf flutschen.

Am nächsten Morgen fahre ich 300 km weit bis an die niederländisch-friesische Küste, wo ich leider nichts vom Meer sehe, obwohl das ganz nah ist. Ich bin zu einem sehr kurzen Familienbesuch dort, und weil wir am Nachmittag schon zurück fahren, bleibt nicht mal Zeit, um bis zum Strand zu gehen und aufs Wasser zu gucken. Trotzdem habe ich ein Urlaubsgefühl, denn die ruhige Atmosphäre in den kleinen niederländischen Dörfern tut einfach gut. Und immerhin bin ich fast am Meer gewesen. Vielleicht schaffe ich es im nächsten Jahr mal mit Übernachtung und etwas mehr Zeit. Meerzeit.

Schon am folgenden Tag schlendere ich im rheinischen Siegburg erst über den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt und besuche dann das Weihnachtskonzert von Maybebop. Weder Weihnachtsmärkte noch Weihnachtskonzerte reizen mich normalerweise, aber an diesem Tag passt alles gut zusammen.

Schon der Weihnachtsmarkt ist schön und ich habe Spaß an einem sehr schlagfertigen und witzigen Gaukler. Einen mittelalterlich gekleideter Händler, der völlig dilettantisch irgendwelche lauten Töne mit einem Horn erzeugt, höre ich kurz danach hämisch in sein Handy sprechen: "Ich kann hier wenigstens die Leute mit meinem Getute nerven." Noch viel mehr Freude habe ich danach am Maybebop-Konzert, bei dem ich vorher ein nettes Meet and greet habe und dann ein wunderschönes Hörerlebnis. Große Klasse und unbedingt lohnenswert! Mit einem warmen Gefühl im Herzen fahre ich nach Hause und habe ein Lächeln, das noch zwei Tage später anhält.

Als ich meine im Dunkeln hingekritzelten Notizen zu entziffern versuche, finde ich zwischendrin wieder seltsame Kritzeleien. Was habe ich nur mit "onkige" gemeint? Und warum habe ich bei einem Lied nur aufgeschrieben, dass es "sanft, schön, ohne Mouthpercussion" ist, aber keinen Liedtitel dazu? Den muss ich jetzt noch rausfinden. Bis der Bericht fertig ist, wird es wohl noch einige Tage dauern.

Die Woche endet mit einer ersten Puppenprobe, bei der das Stück für die Jubiläumsshow langsam Gestalt annimmt. Weil meine Puppe mit der Livehand, die ich als Figur unbedingt dafür brauche, eindeutig männlich ist und meine Stimme nicht dazu passt, habe ich vor, bis zum Februar eine neue, diesmal weibliche Livehandpuppe zu bauen. Und vielleicht noch ein Monster. Oder sogar zwei. Ach, Augen muss ich dann auch nochmal machen. Och, menno! Na, egal, dann kann kriech ich eben wieder auf dem Boden herum, um die weggerollten Augen unter dem Schrank zu suchen. Bildunterschrift: Die total professionelle Puppenbauerin in ihrer Augenklinik.

            
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