Blog 501 - 03.12.2017 - Fernsehergebnisse und Kulissenmalerin

Im Juli hatte ich einen Drehtag bei Martin Reinl mit "Ein Fall für die Erdmännchen", und jetzt ist die Folge im Fernsehen zu sehen. Drehtag hieß, dass ich zwar einen ganzen Drehtag lang dabei war, aber nur eine sehr kurze Szene zu spielen hatte. Und "spielen" hieß, dass ich für dreißig Sekunden eine Maus ins Bild hielt. Die Maus guckte ein bisschen dumm herum und hatte keinen Text. Eine Statisten-Maus. Dass ich dafür am Ende der Folge im Abspann stehe, ist schon fast witzig. Aber natürlich freue ich mich. Über den Drehtag, über das Maushalten und sogar über den Abspann. Mir macht das alles viel Spaß.

Ebenfalls im Fernsehen zu sehen, diesmal im Abendprogramm, ist ein Stofftier, das ich zur Handpuppe umgebaut habe. Eine frickelige Arbeit, denn von außen ist die Figur nicht so genäht, dass innen eine Hand reinpasst, aber die Außenmaße durften natürlich nicht geändert werden. Also viel Stopfwolle raus, einige Innennähte lösen, Stabilisierung und Innenkleid rein, schlappe Teile neu stopfen und alles so fixieren, dass die Figur trotz des neuen Hohlraumes ihre Haltung behält. Aber hurra! Letztens steckte die Puppe immer wieder probeweise auf meiner Hand, jetzt ist sie auf der Showbühne und Mario Barth sagt mit ihr den Bauchredner Sascha Grammel an. Schön, wenn nach dem Abschluss der Arbeit auch die Endergebnisse zu sehen sind. 

Die kurze Puppennummer für die Jubiläumsfeier im Februar, die es bis jetzt grob aus Notizen und Fragmenten gibt, schreibe ich konzentriert fertig. "Zu einer guten Inszenierung gehört auch, dass sie genau so lang ist, wie sie sein soll." Dieser Satz aus dem Inszenierungskurs hat sich bei mir eingebrannt. "Ging nicht kürzer" ist seitdem nicht bei mir drin. Wenn ich dreißig Minuten Spielzeit fest vorgegeben habe, kann ich nicht vierzig draus machen. In diesem Fall ist mein eigenes Ziel: "Kurz. Irgendetwas zwischen fünf und zehn Minuten, am liebsten nicht mehr als sieben." Ich komme beim lauten Rollenlesen auf fünf Minuten. Es wird am Ende ein wenig länger werden, weil noch leichte Verzögerungen dazu kommen, wenn jemand für den Weg nach vorne mehr Zeit braucht oder wenn eine Puppengruppe etwas länger "Jaaaa!" ruft, als ich es vorsehe, aber die Zielzeit ist getroffen. Was man nicht alles aus Inszenierungskursen mitnehmen kann!

Von den etwa 15 Spielerinnen und Spielern werden die meisten erst einen kurzen Crash-Grundkurs im Puppenspielen haben müssen. Darum habe ich das Stück auch nicht wie ein richtiges Puppenspiel geschrieben, sondern so, dass es schnell, bunt und wirkungsvoll wird. Ich möchte lieber eine einfache, aber funktionierende Nummer haben, als überforderte Nicht-Puppenspieler in ein viel zu anspruchsvolles Stück zu schicken. Wenn ich eins aus einem ganz frühen Steptanzkurs gelernt habe, dann das: Bleib auf deinem Niveau. Lieber etwas zu einfach und dafür mit Spaß und Energie auftreten, als angespannt an einer viel zu schwierigen Nummer zu scheitern. Auch von blöden Steptanzlehrern kann man was lernen. Bei dieser Puppennummer sollen sowohl Publikum als auch Spieler viel Spaß haben.

Damit die Nummer schön bunt wird, befinden sich einige Monster im Bau. Ich denke, in der nächsten Woche sollte ich mal einen Augen-Tag einlegen, an dem ich bohre, Pupillen einsetze und verschiedene Augenpaare anfertige, damit die Monster endlich sehen können und noch einige Augen für eventuell weitere Kollegen vorrätig sind.

An einem Abend pinsel ich während einer Probe der Freien Bühne/erftkultur an den vor kurzem bemalten Theaterkulissen, um die nach dem Aufbau weiß blitzenden Kanten und die aufgeschraubten Scharniere zu überdecken. Das ist nicht ganz einfach, denn nicht nur, dass um mich und meinen Farbpinsel herum durchgehend geprobt wird, - ein Engel fasst unerwartet, aber treffsicher an eine frisch bemalte Kante -, ich muss auch im farbigen Scheinwerferlicht arbeiten und kann nur hoffen, dass meine angerührten Farben bei hellem Licht nicht völlig falsch aussehen.  

Am Ende der Woche sehe ich mir die Premiere an und sitze mit mehreren Leuten zusammen, die - wie ich - viele Jahre intensiv mit dabei waren. Es ist etwas seltsam, auf der Bühne so viele neue, unbekannte Gesichter zu sehen und dazwischen einige vertraute aus den früheren Jahren. So halb gehört man noch dazu, dann aber doch nicht mehr. Bei der Premierenfeier, auf der wir natürlich dabei sind, denken vermutlich auch einige der neuen Mitspieler: "Wer sind die denn?", weil sie keine Ahnung haben, dass wir mal Teil der Gruppe waren. Ich werde von einem neuen Mitglied einem anderen neuen Mitglied vorgestellt: "Das ist Anette, die macht immer die Kulissen." Das erheitert mich innerlich sehr. Dass ich aufwändige Stücke geschrieben, inszeniert und auch Regie gemacht habe, ist schon weg. Es bleiben die Kulissen.  

            
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