Blog 500 - 26.11.2017 - Drache, geblümte Schürze und Urknall-Froschkönig

Im Berliner Friedrichstadtpalast hat die neue Kindershow Premiere, bei der ein großer Drache auftritt, den der Puppenbauer Bodo Schulte gebaut hat. In den letzten Monaten konnte ich immer mal wieder den Fortgang der Entwicklung begutachten und habe dann bei der Fertigstellung viele Stoffschuppen aufgenäht. Vorher lief ich mehrfach zusammen mit anderen Testspielern zuerst mit dem Prototypen, dann mit dem im Bau befindlichen Drachen Kurven durch den Garten, um Beweglichkeit, Gewicht und Handhabung auszuprobieren.

Einmal schnippelte ich Schaumstoff in der Werkstatt, während parallel dazu an der Drachenmechanik gebaut wurde. Für einen spontanen Testlauf unterbrach ich kurz mein Schnippeln, lief eine Drachenrunde über den Hof und hatte dabei weiterhin meine geblümte Arbeitsschürze und die pinkfarbenen Werkstatt-Clogs an. Ich ahnte nicht, dass eine Videosequenz des Testlaufs an den Friedrichstadtpalast ging, bei dem nicht nur die ländliche Umgebung, sondern zwischen den laufenden Beinpaaren unter dem Drachen auch meine Schürze und die klobigen Clogs zu sehen waren. Bodo kommentierte mein Outfit grinsend: "Da wissen sie in Berlin sofort, dass der Drache aus dem Sauerland kommt".

Zur Premiere nach Berlin zu fahren ist mir gerade ein bisschen viel zwischen meinen eigenen Terminen, aber ich bestaune den Drachen im Video-Trailer und finde ihn sehr beeindruckend, wie er so über die Bühne rennt. Leider hat in Berlin niemand meinen Kleidungsvorschlag mit der Schürze übernommen.

Anstatt fünf Stunden nach Berlin zu fahren, fahre ich nur eine Stunde nach Viersen, wo ich mir eine Vorstellung des "Theater Urknall" ansehe. Michael Hatzius und Dorothee Carls spielen "Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich". Michael Hatzius mag ich als Puppenspieler sehr, auch in seinen Soloprogrammen, weil er die Puppen wie Schauspielkollegen behandelt, achtsam mit ihrer Persönlichkeit umgeht und sich meistens zum Nebendarsteller macht. Außerdem spricht er gut und hat ein sicheres Gefühl für Ausdruck und Stimmungen. 

Es ist eine abendliche Vorstellung für Erwachsene - nur zwei Kinder sitzen dazwischen - und alle sehen gebannt zu und lachen viel. Ich freue mich über den witzigen Text, die tollen Spielideen, das Tempo und das geschmeidige Zusammenspiel der beiden Puppenspieler. Sie wechseln die Rollen, arbeiten Hand in Hand, sind voll dabei und zeigen ein kurzweiliges Theaterstück in einer sehr schönen Inszenierung. So muss es sein! Intelligente Kinderstücke, die auch Erwachsenen sehr gefallen. Am Ende wird begeistert und lange applaudiert.

Zuhause liegt schon wieder Puppenbauzeug auf dem Tisch, was nichts Neues ist. Neu ist nur die Farbe: Pink - die hatte ich noch nie. Ich baue Monster, die im Februar das Bild in der Jubiläumsshow bunt machen sollen. Sie sind nicht kompliziert zu machen, so dass ich abends vor dem Fernseher als abendliche Entspannung nähe.  

Eine Nachmittags-Lesung führt mich am Ende der Woche in den Westerwald, wo ich gebucht bin, um vor acht angemeldeten Kommunionkindern und möglichst vielen spontan dazu kommenden Grundschulkindern die Giraffe zu lesen. Vier der acht angemeldeten Kinder kommen spontan nicht, auch die Grundschulkinder sind nicht da, aber es sitzen noch drei Erwachsene und ein Begleitkind in der Bücherei, so dass es dann doch insgesamt acht Zuhörer sind. Im Vergleich zu den Schullesungen ist es eine private Wohnzimmerlesung. Alle hören konzentriert zu, und über die roten Ohren des gebannt und die ganze Zeit mucksmäuschenstill zuhörenden Viereinhalbjährigen freue ich mich sehr. Auch die abendliche Rückfahrt durch Felder, Wälder und über einsame, dunkle Landstraßen hat ihren Reiz.

Was ich nicht gerne mache sind Schilder, die mit Buchstaben bepinselt werden müssen. Genau das muss ich aber noch für die Kulissen des Theaterstücks machen, für das ich vor einiger Zeit die Wände bemalt habe. Es sind nur vier Stück und ich messe, schneide aus, bemale und beschrifte. Als das vierte fertig ist - die Schriftfarbe ist noch nass und ich freue mich schon, dass ich alles wegräumen kann - fällt mir auf, dass ich es falsch vor mich gelegt habe, denn die Pfeilform des Schildes zeigt nach rechts und müsste nach links zeigen. Och nö! Seufzend drehe ich das Schild um und grundiere die Rückseite mit der Grundfarbe. Also nochmal.   


Dies hier ist mein Blogbericht Nummer 500! Seit fünfhundert Sonntagen schreibe ich über kreative Ideen, Werkeleien und Erlebnisse. Inzwischen blätter ich selber manchmal zurück, um nachzusehen, wann was war und benutze den Blog als Nachschlagewerk. Kurios. Vieles hätte ich inzwischen schon völlig vergessen. Eine große Party für die 500 mache ich aber nicht. Vielleicht bei der 1000.  

            
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