Blog 498 - 12.11.2017 - Augen rauspulen und Persönlichkeiten schaffen

Die Audrey, meine fleischfressende Pflanze aus dem "Kleinen Horrorladen" ist fertig. Ich finde, es ist dringend nötig, sie abzugeben und möglichst weit aus ihrer Nähe zu kommen. Nach ihrem Auftritt im Februar wird sie zurückkommen. Hoffentlich satt.

Auch sonst baue ich sehr intensiv und mache zwischendurch so etwas wie Ferien im Sauerland, wo ich gut gelaunt tüftel und nähe. Wenn ich vor wenigen Jahren, beim Bau meiner ersten Klappmaulpuppe gewusst hätte, wie viele Stunden ich später krumm über Nähte gebeugt sitzen, wie oft ich mich in den Finger stechen und wie viele Nadeln ich beim Ablegen unauffindbar verlieren würde - ich hätte es genau so gemacht! Es eine große Freude, immer wieder neue Puppen zu bauen, an Greifhänden zu tüfteln, Stoffe zusammenzustellen, individuelle Persönlichkeiten zu schaffen und am Ende spielbare Ergebnisse zu haben. Wenn ich sie fertig sehe, lächel ich von innen heraus.

Es macht so einen Spaß! Müsste ich jetzt nicht die öffentliche Buchlesung für nächste Woche vorbereiten und zuhause mal ein bisschen aufräumen, würde ich sofort weitere Figuren beginnen. So ein bis zwei Monster fehlen für die Jubiläumsshow noch und eine Hippie-Frau. Und einen Hund hätte ich auch gerne, obwohl ich schon drei Hunde habe, und ... ach, ich hab einfach große Lust zu bauen. Vielleicht sitze ich in einigen Wochen unter dem Weihnachtsbaum, alle anderen singen Weihnachtslieder, und ich nähe leise summend vor mich hin, schließe eine Naht am Körper, steche mir dabei in den Finger und lächel zufrieden.

Wie bedauerlich, dass ich gerade keine weitere Zeit für Puppen habe, denke ich, da fällt mein Blick auf das Regal, wo in der hinteren Reihe ein fast fertiges Mädchen sitzt, das glubschige Augen hat und Lippen, die unpassend und unangenehm aussehen. Sie darf nie mitspielen, weil sie mir nicht gefällt. Ehe ich selber merke, was ich mache, hole ich sie schon hervor, lege sie auf den Tisch, entferne die Lippen, trenne die Lider ab, pule die Augen heraus und vergrößere mit einem Cutter die Augenlöcher.

Während sie noch erschrocken überlegt, was gerade geschieht, und ich feststelle, wie brutal das Puppenbauen sein kann, bin ich schon mitten in der Arbeit. So einfach ist das. In den nächsten Tagen bastel ich ihr ein paar nette Augen und setze wieder alles zusammen, dann wird sie im Februar bei der Jubiläumsshow mit auf die Bühne kommen. Als nettes, kleines Mädchen, das mit blitzenden Augen ins Scheinwerferlicht schaut. Und habe ich nicht noch eine Figur, die ich wegen ihrer starren Augen nie verwende und die mit einem Umbau zur coolen Hippie-Frau werden könnte?

Mein Plan, das Puppen-Froschstück vor Weihnachten noch an einigen Tagen im bewährten Theater zu spielen, klappt allerdings nicht. Der Bühnenraum wurde umgestellt und das Nachmessen zeigt, dass meine Spielfläche so nicht genügend Platz hat. Nicht nur, dass es wegen der geringeren Tiefe nur 25 Sitzplätze geben könnte, die Zuschauer müssten beim Hereinkommen auch durch das Bühnenbild laufen, um zu ihren Sitzplätzen zu kommen. Wenn man nach dem Stück einen Blick hinter die Bühne wirft, ist das für mich OK, aber schon vorher durchlaufen und die bereitliegenden Puppen sehen, geht gar nicht. Also geht schon, finde ich aber total doof.

In der nächsten Woche lese ich aus "Superhero", dem Buch für die Stadt Köln, werde zu anderen Lesungen gehen, bei Super RTL kommen die neuen Folgen von "Woozle Goozle", bei denen ich bei einigen die rechte Hand des Hauptdarstellers gespielt habe, an einer Grundschule in Mainz werde ich aus meinem Giraffenbuch lesen, zuhause Augen basteln und hoffentlich die kleine Avocado rechtzeitig vor dem ersten Frost aus dem Garten holen. Das wird eine bunte Woche.

            
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