Blog 493 - 08.10.2017 - Puppen und Jungärzte

Nach meinem langen September-Urlaub beginnt der Einstieg in den Alltag sehr sanft. Aber was heißt bei mir schon Alltag? Ich nähe Blätter für meine Audrey-Figur, auch wenn ich mir noch keine Gedanken gemacht habe, wie ich das mit dem Topf und den Blättern überhaupt machen werde. Aber mit fertig genähten Blättern in verschiedenen Größen wird das schneller zu entscheiden sein.

Einen Tag verbringe ich als Begleitperson bei einer Untersuchung im Krankenhaus. Alle Jungärzte, die meist in Zweier- oder Dreiergruppen ohne nach rechts und links zu gucken, mit wehenden weißen Kittelenden über die Gänge eilen, sind schlank, groß und lassen mich denken, ich sei bei Filmaufnahmen einer Krankenhausserie. Blitzende Flure, lange Gänge, alles wie im Drehbuch. Die Organisation und das Computersystem sind allerdings katastrophal und mein Sinn für Humor und meine innere Autorin nehmen das erfreut auf.

Wir werden hin- und hergeschickt: "Da gehen Sie links rum, den Gang lang, hinten rechts, bis zur Glastür und dahinter melden Sie sich", laufen unsicher durch Bereiche, in denen ich überlege, ob das noch richtig ist oder ob wir gleich mitten in eine OP platzen, und werden am Ziel verwundert gefragt: "Was wollen Sie denn HIER? Nein, da müssen Sie zum Röntgen." Dass hin und wieder frisch operierte Patienten mit piependen Überwachungsgeräten an uns vorbei gerollt werden, passt zur skurrilen Situation. Aber mir ist auch völlig klar, dass ich nur so entspannt bin, weil ich zum Glück nicht als Notfall unterwegs bin. 

Dann lasse ich zuhause wieder alles liegen, packe meine Nähnadeln, Scheren und Schnitzwerkzeuge ins Auto und fahre ins Sauerland. Dort baue ich an anderen Puppen, zusammen mit meinem Puppenbaulehrer Bodo Schulte. Es ist Spaß, konzentrierte Arbeit und vor allem: Ich lerne immer neue Sachen dazu.

Danach dringende Wäsche waschen, dringende Mails beantworten, dringend Biotonne füllen, Obstsalat machen und Freundin besuchen - der Alltag bleibt abwechslungsreich. Auf der Dringend-Liste stehen jetzt auch meine Audrey-Puppe, die Suche nach weiteren Mitspielern für das kurze Jubiläums-Puppenstück, das Schreiben des kurzen Jubiläums-Stückes und das Kulissenmalen für ein anderes Theaterstück. Mal sehen, was davon in die nächste Woche passt. Langweilig wird es nicht.

            
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