Blog 482 - 23.07.2017 - Das Wise Guys Abschiedskonzert und Bauarbeiten

In Regensburg findet das letzte Konzert der Wise Guys statt. Bei diesem endgültigen Abschluss möchte ich nach meinen intensiven Jahren gerne dabei sein. Inzwischen bin ich zwar nur noch hin und wieder bei Konzerten, aber natürlich habe ich die Aktivitäten der Gruppe im Blick und auch privat immer noch Kontakt. Ich fahre früh los, so dass ich noch Zeit habe, um einige Stunden lang durch verwinkelte Gassen zu streifen und mir die Altstadt anzusehen. Ein Sommertag in Regensburg, das ist schon nett.

Auf dem Weg zur Uni, in der das Konzert am Abend stattfindet, spaziere ich noch über einen Friedhof. Das mache ich gerne und am liebsten sehe ich mir dabei alte Grabstellen an. Ein Familiengrab, auf dem viele Berufsbezeichnungen stehen, gefällt mir besonders. Zwischen einem Königlich Bayerischen Kommerzienrat und einem Hochschulprofessor ist eine Dame aufgezählt, die Oberregierungsrats- ("Ui!") -Tochter ("Ach so.") war. Wie spannend. Hat sie selber immer Wert darauf gelegt, dass sie die Tochter eines Oberregierungsrates ist, oder war sie als unverheiratete Tochter ohne größere Tätigkeit für den Grabstein zu wenig?

Nach dem Friedhof geht es zum letzten Wise Guys Konzert, was in dieser Reihenfolge nicht geplant ist, aber trotzdem passt. Alles ist endlich. Das Leben ebenso wie Zeitspannen und schöne Ereignisse. In diesem Fall leben die Wise Guys zum Glück noch, aber die Zeit der Gruppe ist vorüber. Das ist sehr schade und vielleicht hätte die Entscheidung im Vorfeld auch anders getroffen werden können, aber nun ist es so und da ist es mir lieber, sie feiern das Ende mit einem umjubelten Konzert bei einer ausverkauften Tour, ehe alles langsam und ermüdend auseinander driftet.

Von außen gesehen ist es fast unverständlich, dass die Gruppe aufhört, aber auch ohne dass man sich an die Kehle gehen muss, können viele gemeinsame Jahre irgendwann genug sein. Wenn man so intensiv miteinander arbeiten und leben muss, geht das nur, wenn Differenzen weggelacht werden können und es immer wieder Gruppenmitglieder gibt, die sich zurücknehmen. Wenn das nicht mehr klappt und dann auch noch anderer Druck dazu kommt, wird es schnell anstrengend und aus dem Gemeinsam wird ein Nebeneinander und manchmal auch ein genervtes Gegeneinander.

Die Entscheidung, dass die Wise Guys sich trennen, kenne ich schon lange, und auch wenn ich das nicht schön finde und sie gerne noch länger als Gruppe gehört hätte, kann ich damit leben. Wäre Björn früher dazu gekommen, wäre es vielleicht als Wise Guys weitergegangen, aber es ist anders gelaufen. Leben ist Veränderung, das habe ich oft erfahren, von daher gehe ich sogar recht gelassen in dieses allerletzte Konzert. Liebevoll lächelnd, etwas wehmütig, aber nicht tieftraurig, sondern dankbar, dass ich so viele Jahre aktiv dabei sein konnte und so viel erlebt habe. Und es wird ja weitergehen. Anders, aber auch spannend.

Das Konzert ist klasse und ein wirklich schöner Abschied, der mit viel Energie, Gelächter und etwas Sentimentalität gefeiert wird. Ich freue mich, dass ich mich extra auf den Weg gemacht habe. Nach nur drei Stunden Schlaf frühstücke ich gemütlich in einem Regensburger Straßencafé und fahre dann mit dem Zug zurück nach Hause. Beim Umsteigen treffe ich unerwartet Eddi, der im selben Zug, in einem anderen Abteil saß und der wie ich gerannt ist, um den Anschlusszug nach Köln zu erreichen, der allerdings jetzt Verspätung hat. Und so begrüßen wir uns freudig, stehen mit unseren Rucksäcken am Bahnhof und reden über die Zukunft.

Wieder zuhause, gehe ich alles entspannt an. Ein bisschen nachschlafen, dann Fotos sortieren und die krakeligen Notizen meines Konzertberichtes entziffern und in einen flüssigen Text verwandeln. Mein letzter Wise Guys Konzertbericht. Ein seltsames Gefühl. 

Noch während ich am Bericht schreibe, gibt es einen privaten Termin, an dem ich auch Eddi und Sari treffe. Da merke ich wieder, wie gut ich trennen und umschalten kann. Zuhause schreibe ich gerade über sie als Wise Guys auf der Bühne, aber hier sind sie privat Eddi und Sari mit ihren Familien, die damit nichts zu tun haben. Und während ich zuhause Konzertfotos mit ihnen aussuche, denke ich hier nicht mal an das Regensburgkonzert. Sie sind einfach zwei vertraute Leute, die ich gut kenne.

Als der Bericht auf der Homepage steht, gehe ich in den Garten. Das entspannte Gärtnern wird zur Bauarbeit. Im jahrelang zugewachsenen Vorgarten müssen mehrere alte Baumwurzeln entfernt werden, was wirklich anstrengend ist. "Wenn ich das schaffe, dann schaffe ich alles!", stöhne ich nach stundenlanger Hackarbeit erschöpft, aber verbissen. Die Frage ist nur, ob ich es tatsächlich schaffe, denn die Dinger klammern sich fest und gehen tief nach unten.

Aber bei so was bin ich hartnäckig. Am Ende der Woche sind die beiden schlimmsten Wurzeln raus. Die anderen werde ich auch noch schaffen. Wie war es? Dann schaffe ich alles? Wow! Das sind ja schöne Aussichten.

            
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