Blog 480 - 09.07.2017 - Puppenspiel mit Neville Tranter und Wise Guys Abschied

Im Bochumer Figurentheater-Kolleg beginnt der fünftägige Kurs "The Power of the Puppet" mit dem Puppenspieler Neville Tranter. Wenn er kurze Szenen mit seiner Puppe Zeno spielt, ist es verblüffend, wie viel Energie zu spüren ist, auch wenn es mal gar keine Bewegung gibt. Was für eine große Ausdruckskraft Puppen haben können, ist immer wieder erstaunlich. Ich weiß sofort, dass diese Erfahrungen Auswirkungen auf mein eigenes Spielen haben werden.

Gleich am ersten Abend fahre ich nach Kursschluss zurück nach Köln, wo die Wise Guys eine kleine Abschiedsfeier für ihre Mitarbeiter geben. In den vergangenen Jahren gab es zu Beginn des Jahres das Neujahrsessen. Dass es diesmal ein Abschiedsessen ist, stimmt schon melancholisch. Es ist allerdings nicht wirklich zu fassen, dass das Ende der Wise Guys jetzt tatsächlich bevorstehen soll. Auf den ersten Blick sieht es beim Treffen aus wie immer. Überall vertraute Gesichter, Gelächter, Unterhaltungen. Dazwischen aber auch für mich neue Gesichter, und mir fällt plötzlich auf, welche Leute früher als fester Kern viele Jahre dabei waren, inzwischen aber weg sind. Das macht mich zuerst noch wehmütiger, erleichtert mir dann aber auch den Abschied. Ich hatte eine schöne und wichtige Zeit mit den Wise Guys, jetzt erlebe ich den gemeinsamen, letzten Sommerabend noch einmal sehr bewusst.

Noch in der Nacht fahre ich nach Bochum zurück, wo es am nächsten Tag konzentriert im Neville-Kurs weitergeht. Kaum ist der um 17 Uhr beendet, fahre ich schon wieder los, diesmal ins Sauerland, das aber nur eine halbe Stunde entfernt ist. Dort steht ein erneuter Spieltest der Großfigur an. Ach, wie schön! So was macht mir wirklich Spaß und ich freue mich darüber.

Am nächsten Morgen geht es im Kurs weiter, in dem es ein schönes Sprachgemisch aus Deutsch, Deutsch mit starkem niederländischem Akzent, Niederländisch und Englisch gibt. Wir lachen sehr viel - Neville's warmes, herzliches Lachen ist vermutlich am häufigsten zu hören, - und wir lernen sehr viel. Am Ende der Woche gibt es eine kleine Präsentation von kurzen Spielszenen vor den Teilnehmern anderer Kurse. Ich merke, wie viel Spaß mir das offene Spielen macht und dass sich durch den Neville-Kurs meine Ideen für das nächste Stück deutlich geändert haben. Es wird viel mehr Spiel mit einer Puppe als Dialogpartner geben. Der Kurs hat sich wirklich sehr gelohnt und Neville ist klasse.

Als ich am letzten Tag mein Zimmer räume, hängt an der Tür schon der Name des nächsten Nutzers: René Marik. Vor fast zehn Jahren war ich in seinem Programm mit dem "Maulwurfn" und vor einigen Jahren, beim Rainald-Grebe-Konzert in der Waldbühne, habe ich ihn gefilmt, was er aber gar nicht weiß. "Ich teile mir ein Bett mit René Marik", geht es mir durch den Kopf, was ja auch, grob gesehen, stimmt. Nur dass ich ausziehe, ehe er in das Zimmer einzieht. Wenn ich sage, dass ich mir ein Bett mit René Marik teile, könnte das missverstanden werden, überlege ich und weiß nicht, ob ich das im Blogbericht überhaupt so schreiben soll. Lieber nicht. Oder doch? Ach, zu spät.

Am Wochenende gibt es die beiden Abschiedskonzerte der Wise Guys am Tanzbrunnen. Ich erinnere mich, wie ich bei ihrem ersten Tanzbrunnenkonzert im Jahr 2000 dabei war. Ist das wirklich schon so lange her? Und jetzt soll es das letzte geben? Die "Bläck Fööss" sind als musikalische Gäste da, die "Höhner", Bodo Wartke und die früheren Wise Guys Clemens und Christoph. 

Lange ist es ein fast normales Wise Guys Konzert für mich. Das Wetter ist toll, der Tanzbrunnen voll, die großen Schirme stehen immer noch wie im Jahr 2000 und wie in allen Jahren seitdem, und die Stimmung ist klasse. Ich verdränge den Gedanken an den Abschied ganz einfach. Erst gegen Ende, als die Wise Guys "Radio" singen, werde ich plötzlich getroffen. Das Lied mag ich sehr und den Videoclip dazu auch. Es war auch ein Stück von MEINEM Lebensweg.

           
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