Blog 477 - 18.06.2017 - Froschvorstellungen und Sauerbraten

Vorpremiere, Premiere und eine weitere Aufführung sind gemacht, und ich bin nicht nur sehr zufrieden, sondern auch sehr glücklich. Leider meint es die Sonne bei der Sonntagsvorstellung zu gut und heizt draußen auf über 30 Grad auf. Im kleinen Theater entsteht eine Sauna. Die Ventilatoren ventilieren mit aller Kraft, bringen auch eine merkliche Verbesserung, aber es bleibt heiß. Die Zuschauer fächeln sich mit Flyern Luft zu, ich schwitze, schaffe es aber, die Puppen knapp rechtzeitig an- oder auszuziehen. Es ist deutlich anstrengender, neben den vielen Puppenwechseln, dem vielen Text und der sowieso schon hohen Konzentration zu spielen, wenn ich während der Szene überlegen muss, wie ich gleich am besten die feuchtklebende Puppe wechseln kann. Egal, es funktioniert, und nach der Vorstellung denke ich: Wenn ich dieses nicht einfache Stück sogar bei schwülheißen Temperaturen gespielt bekomme, was kann mir dann noch passieren?

Immer noch sind mehr aus drei Viertel der Besucher Erwachsene, was ich sehr schön finde. Das Stück ist kein reines Kinderstück und ich mag es, wenn auch Erwachsene mit in die Geschichte genommen werden. Einige wischen sogar Tränen weg, was nicht geschieht, weil ich so schlecht spiele, sondern weil sie es so berührend finden. Wie großartig! Die anschließenden Reaktionen der großen und kleinen Zuschauer sind toll. Die kritischste Zuschauerin bin ich selber, denn ich stöhne während des Spielens innerlich, wenn ich beim Synchronsprechen kurz raus bin, wenn eine Puppe zu tief hängt, wenn sie doch wieder vier kurze anstatt zwei große Schritte macht, wenn ich bei den Handpuppen schludere, weil ich mich zu sehr auf eine der beiden Figuren konzentriere, wenn ich einen Satz vergesse und ihn dann frei improvisieren muss ... Manchmal verwundert es mich richtig, wenn ich danach ausgerechnet für die Synchronität und das schöne Spielen gelobt werde. Aber es ist ja auch gut, dass ich kritisch bleibe und nicht denke, dass ich jetzt perfekt spiele und alles kann.

Als ich nach den ersten beiden Wochenend-Vorstellungen die Bühne nach hinten schiebe und die Puppen einsammel, um für die nächsten Tage ein wenig Platz für die Proben einer anderen Theatergruppe zu machen, zähle ich endlich mal die Puppen durch. Auf die häufige Frage: "Wie viele Puppen sind das?", habe ich bisher nur sagen können, dass es ungefähr fünfzehn sind. Jetzt weiß ich, es sind zehn Klappmaulpuppen, eine halbe Klappmaulpuppe, die nur aus Kopf und Hals besteht, vier Handpuppen, drei Kleinpuppen und drei Stabpuppen. Zusammen 21.

Nach dem Spielwochenende ist mein hohes Arbeitstempo der letzten drei Wochen deutlich abgebremst. Ich räume auch nicht viel vom Baukram im Wohnzimmer auf. Erstmal die Wartezeit zwischen den Vorstellungen genießen und runterkommen. Plötzlich stehen die kleinen Illustrationen, die vor wenigen Wochen zu meiner Erleichterung dann doch nicht mehr zwischen den intensiven Vorbereitungen gemacht werden mussten, wieder vor der Tür. Aber jetzt passt es, ich habe Zeit. Das Wetter passt auch und so sitze ich im Garten, die Vögel zwitschern, die Sonne scheint und ich zeichne Spaghetti und Sauerbraten.

Am Ende der Woche sind die sieben kleinen Illustrationen fertig und weggeschickt, und ich gehe freudig ins zweite Spielwochenende. Psychologisch lässt sich vielleicht erklären, warum ich beim Warten im Theaterraum eine froschige Haltung einnehme, meine eigene Erklärung ist, dass ich eine Stunde vor dem Eintreffen der ersten Zuschauer alles vorbereitet habe und einfach mal sehr entspannt (und etwas gelangweilt) rumhänge.

Zur Samstagvorstellung kommen, unabhängig voneinander, einige Leute aus der Schulzeit, so dass es nicht nur gegenseitiges Erkennen und ein freudiges Hallo gibt, sondern gleich ein Gefühl von Klassentreffen. Ich freue mich sehr, so vertraute, nette Leute dabei zu haben, die mich von früher kennen und jetzt mit dabei sind, wenn ich meinen Jugendtraum erfülle. Und auch diesmal wird bei einer traurigen Szene von einigen Zuschauern ein bisschen geweint und ich höre im Anschluss mehrfach: "Ich habe mir unter Puppentheater etwas ganz anderes vorgestellt. Aber das war toll!" Wie schön, wenn ich zeigen kann, dass nicht jedes Puppentheater nur für Kleinkinder gemacht wird. Heute Nachmittag ist die letzte Vorstellung. Es soll tropisch heiß werden. Ich freu mich trotzdem. Und ich bin schon jetzt ein bisschen wehmütig.

                
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