Blog 476 - 11.06.2017 - Premiere!

Am vergangenen Sonntag ist die Vorpremiere des Froschstücks. Zum Glück ist das Wetter deutlich kühler als am schwülheißen Probe-Vortag. Außerdem wirbeln jetzt drei Ventilatoren die Luft herum. Am Vormittag klopfe ich die letzten Sachen an der Bühne fest, probe nochmal, stelle Getränke in den Kühlschrank und nähe zwischendurch letzte Nähte.

Am Nachmittag gibt es die kleine private Vorstellung, die nicht nur eine Weltpremieren-Uraufführung ist, sondern auch mein persönlich erster Auftritt mit einem kompletten Puppenstück, das ich an diesem Nachmittag tatsächlich zum ersten Mal am Stück spiele. Davor gab es immer Unterbrechungen, in denen ich einzelne Bewegungen gleich nochmal geübt oder die Szene leicht verändert erneut gespielt habe. Etwa dreißig Freunde und Bekannte sind da, um als Publikum zuzugucken. Der Text und alle Bewegungen können hundertmal geübt sein, sobald Publikum im Raum sitzt und viele Augen auf die Bühne gerichtet sind, ist die Situation eine andere und die Hirnzellen müssen nicht nur den Ablauf sortieren, sondern auch verarbeiten, dass sie dabei beobachtet werden. Die Auswahl der Freunde und Bekannte ging nach: Wen mag ich, ohne dass er mich stresst? Wer ist theaternah und hat kein Problem damit, wenn es Pannen gibt? Wer hat Zeit? Ehe jetzt jemand grübelt, warum ich nicht ihn/sie gefragt habe: Ich kenne noch deutlich mehr Leute, die gut als mein Vorpremieren-Publikum passen würden, aber es sind schnell so viele Zusagen da, dass ich es für eine Vorpremiere voll genug finde.

Ich freue mich aufs Spielen und komme zu meiner Freude recht gut durch. Natürlich bin ich im Tempo ein bisschen schnell - wie das fast immer bei ersten Aufführungen geschieht, weil bei der Konzentration und Anspannung das Zeitgefühl verloren geht -, dafür dauern die Übergänge beim Handpuppenspiel noch zu lang und nehmen den Schwung etwas raus. Einmal habe ich die falsche Puppe auf der Hand und muss zur Freude der Zuschauer erschrocken auswechseln. Aber insgesamt kann ich nicht meckern. Es gibt kleine Stellen, die verbessert werden können, das Spieltempo muss ausgeglichen werden, aber für eine Vorpremiere und angesichts der Tatsache, dass es ein nicht gerade kleines Stück ist, kann ich mehr als zufrieden sein. Ich kann es nicht nur sein, ich bin es auch.

Wobei "mehr als zufrieden" sehr zurückhaltend formuliert ist. Ich bin glücklich, dass ich dieses Riesenprojekt tatsächlich durchgezogen habe und überglücklich, dass ich jetzt da bin, wo ich schon seit Jugendzeiten hin wollte: Beim Puppenspielen. Die Vorpremiere gefällt sowohl den Erwachsenen als auch den fünf anwesenden Kindern von 5-13 Jahren sehr. Nur Martha will vor dem Ende raus, aber sie ist erst sechs Wochen alt und damit nicht nur vom vielen Text überfordert, sondern auch deutlich unter der Altersgrenze von 6 Jahren. Die anschließenden Reaktionen der Zuschauer sind mehr als erfreulich. Jetzt bin ich nicht nur beruhigt, dass ich mit den vielen Puppen- und Ortswechseln durchkommen werde, sondern auch, dass die Geschichte funktioniert und vom Publikum sehr schön angenommen wird. Es gibt sogar Tränen, was ich großartig finde. 

Gleich am nächsten Vormittag probe ich ohne Publikum alles nochmal durch, bin hier bewusst langsamer, dort schneller und versuche alles, was mich am Vortag noch störte, zu verbessern. Vorpremieren sind toll! Ich werde am Ende der Woche viel sicherer und noch gelassener in die Premiere gehen. In dieser Woche gibt es außerdem im Kölner Stadt-Anzeiger einen schönen Vorbericht zum Stück.

Am Samstag ist Premiere. Es ist nicht knackevoll, aber es ist schön gefüllt. Ich gehe mit großer Freude ans Stück - und bleibe gleich nach dem ersten Satz hängen. Aber komplett. Ich weiß so absolut gar nicht mehr, was jetzt kommt. Doch plötzlich ist der Satz wieder da und ab da gibt es auch keine Textprobleme mehr. Natürlich gibt es noch Stellen, die besser werden können und die ich selber genau sehe, aber insgesamt bin ich mit meinem Einstieg ins Puppenspiel sehr glücklich.

Die Zuschauer gratulieren danach, loben, sagen, welche Szenen sie ganz besonders gut fanden, stellen Fragen nach den Puppen und einzelnen Szenen, alle lächeln freudig, einige strahlen, andere wirken sehr berührt, es gibt eine spontane Neu-Reservierung für den nächsten Tag - und ich freu mich einfach. Toll!

Heute spiele ich die zweite Vorstellung. Es soll über 30 Grad heiß werden. Ich habe ein bisschen Angst, denn das können die drei aufgestellten Ventilatoren wohl nicht mehr ausgleichen. Aber wird schon. Ich gehe unaufhaltsam gut gelaunt und mit großer Freude ans Spielen.

                
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