Blog 472 - 14.05.2017 - Farben, Fräcke und Joghurtbecher

Meine To-do-Liste ist in Priorität "A - möglichst schnell" und "B - kann später gemacht werden" eingeteilt. Allerdings wird das "später" immer bedeutungsloser, je näher ich der Premiere rücke, darum mache ich jetzt A- und B-Prioritäten durcheinander.

Weil das Licht stimmt und ringsherum alles ruhig ist, koloriere ich die Figuren (Priorität B). Diese Arbeit zögere ich gerne mal hinaus, denn nach zu wenig Farbe kommt sofort zu viel. Erst sieht das Gesicht noch blass aus und ich male vorsichtig weiter - und noch ein bisschen und noch ein bisschen - und dann ist es plötzlich zu bunt. Den schmalen Grad zu erwischen, an dem die aufgetragene Farbe für das Bühnenlicht richtig, aber trotzdem nicht zu kräftig ist, finde ich nicht einfach. Dabei arbeite ich doch viel mit Farben und es sollte mir eigentlich leicht fallen.

Diesmal klappt es recht gut, auch wenn es bei den Prinzengesichtern Überwindung kostet, sie leicht grünlich zu färben. Wenn das nachher blöd aussieht, was dann? Sieht aber nicht blöd aus und der Prinz bekommt seine erste Autogrammkarte.

Priorität B sind auch die Fräcke. Fürs Schneidern fertige ich mir ungefähr abgeschätzte Schnittmuster an und nähe alles irgendwie zusammen. Das ist bei einem eleganten Frack etwas riskant, aber das Endergebnis erfreut mich darum doppelt. Muss ja keiner näher rangehen und sich die Nähte genauer ansehen. Und dass ich den hinteren Kragen eingespart habe, ist auch völlig egal, denn da hängen ja Haare drüber. Ich muss an die Zeit denken. Was nützen mir vorbildliche Fräcke mit perfekten Kragen, wenn ich daran zwei Wochen sitze und andere Positionen auf der Liste nicht mehr schaffe. Gut, dass ich mal wieder eine überzeugende Ausrede für meine Arbeitseinsparmaßnahmen habe!

 

Dass ich beim Proben immer noch viel zu oft mit einem lauten "Puuuh!" die Arme mitten in Szenen runternehmen muss, ist etwas besorgniserregend. Ich versichere mir, dass es durchaus möglich sein muss, mehr als fünf Minuten mit zwei erhobenen Armen zu spielen, - andere Puppenspieler machen es ja auch - und vertraue darauf, dass ich das in drei Wochen kann. Ich weiß nicht warum, aber ich bin völlig überzeugt, dass es klappen wird. Die Alternative, dass die Puppen alle paar Minuten mit der Bemerkung: "Ich guck mal eben, ob der Herd aus ist" oder: "Hat's geklingelt?" kurz abgehen, damit ich die Arme mal runternehmen kann, ist nicht so überzeugend, dass ich sie ernstlich erwäge.

Dass ich jetzt auch noch leere Joghurtbecher kaschiere, liegt nicht am Kaschierwahn. Ich brauche sie im Stück und sie spielen dann natürlich nicht "Joghurtbecher", sondern etwas anderes. Blöderweise musste ich dafür vier Sahnejoghurts auslöffeln, die ich sonst wegen der vielen Kalorien nie esse, aber die Becherform war die einzig passende. Es ist nicht immer einfach, aber ich gebe alles.

                
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