Blog 471 - 07.05.2017 - Kaschieren, Text ändern und ein Platzproblem

Die Theater-Produktion läuft. Andere Termine sage ich jetzt weitgehend ab, beziehungsweise schiebe sie gleich in den Juli, weil ich meine Zeit und Energie jetzt in das Stück stecken muss und will. Auf der To-do-Liste kann ich einige Positionen lässig als erledigt abstreichen, erstaunlicherweise muss ich dann aber ein weiteres DinA4-Blatt an die fünf vorhandenen hängen, auf das ich neu entstandene To-dos eintrage. Oder die, die ich vergessen hatte. Auf den ersten Blick sieht die Liste darum nicht kürzer aus, trotzdem merke ich, dass ich voran komme.

Ich nähe ich winzige Händchen und baue meinen ersten Baum. Für einen Baum ist der ebenfalls relativ winzig. Der Hartschaum- und Kaschierkurs aus dem letzten Jahr, bei dem ich vorher nicht wusste, ob ich das Wissen jemals brauchen werde, kommt voll zum Einsatz. Bäume, Handpuppenköpfe, Steine ... ich schnitze und kaschiere inzwischen mit Begeisterung. "Sie kaschiert schon wieder!", stellt der Gatte breit grinsend fest, wenn er nach Hause kommt und mich zwischen rosafarbenen Hartschaumschnipseln und Papierfetzen vorfindet.

Auch an das Spielbuch muss ich nochmal ran. Nach dem Vorspielen vor den kritischen Inszenierungsaugen meines Sohnes fliegt eine Szene komplett raus, weil er sie als Unterbrechung im Spielablauf empfindet. Das ist sie auch, aber ich hatte gehofft, dass sie eher als erfrischende Abwechslung rüberkommt. Wenn sie stört, muss sie weg. Allerdings war sie ein Auslöser für eine Änderung im Verhalten des Prinzen, darum streiche, ändere und schiebe ich und gucke, welche Szenen nach den Änderungen ebenfalls geändert werden müssen, damit alles wieder stimmt. Am Ende darf nicht zu merken sein, dass etwas rausgerissen wurde, es muss wieder logisch und wie aus einem Guss sein. Auch die Inszenierungs- und Dramaturgiekurse der letzten Jahre helfen mir da sehr.

Eine letzte Klappmaulpuppe fehlt noch, und obwohl sie auf der Prioritätenliste weit hinten steht, passt es gerade, dass ich sie baue. Sie wird keine zwei Minuten auf der Bühne sein, was ein krasser Gegensatz zu den Stunden ist, die ich an ihr schnitze, klebe und nähe. Aber auch die Nebendarsteller sind wichtig und werden mit dem gleichen Aufwand gebaut wie die Hauptdarsteller.

Sogar beim Bau der restlichen Spielleiste komme ich weiter. Abmessen, sägen, vorbohren, schrauben. Zuerst freue ich mich über den Stapel von fertigen Rohbau-Bühnenteilen, dann versuche ich abzuschätzen, wie groß im Vergleich dazu der Innenraum meines Autos ist. Hohe Spielleiste, Teichbühne, Globus, Baum, Zubehör, drei Koffer mit Puppen, Licht, Ton, Techniker ... ähm ... eventuell muss ich mir ein deutlich größeres Auto zulegen. Vielleicht kann ich es aus Hartschaum schnitzen und dann kaschieren. Sollte ich zumindest mal überlegen. 

                
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