Blog 470 - 30.04.2017 - Premiere für Schnurpsi und drehende Nebenrollen

Im letzten Jahr wurde von "meinem" Puppenbauer Bodo Schulte die Klappmaulpuppe "Schnurpsi" für einen Film gebaut. Weil es zwei Schnurpsi-Ausführungen geben sollte und die Zeit knapp war, war ich als Hilfskraft dabei, baute viele kleine fitzelige Finger und nähte in stundenlanger Stichelarbeit an Händen, Armen und Körpern. Das machte mir nicht nur großen Spaß, ich mochte den netten Schnurpsi auch gleich sehr gerne und bedauerte fast, ihn dann zu den Dreharbeiten mit fremden Leuten schicken zu müssen. 

In dieser Woche hat der Film "Happy burnout", in dem Schnurpsi Nebendarsteller ist, Premiere in der Lichtburg in Essen. Es ist ein bisschen Mini-Hollywood mit rotem Teppich, rufender Presse und Autogramme sammelnden und Selfie knipsenden Fans. Der umjubelte Star ist Wotan Wilke Möhring, der zu Weihnachten noch als smarter Old Shatterhand über den Bildschirm ritt und jetzt einen abgerissenen Punker spielt. Ich achte allerdings fast mehr auf Kostja Ullmann, dem direkten Spielpartner von Schnurpsi. Plötzlich kommen eine Kamera und eine Reporterin von Spiegel TV auf mich zu und wollen wissen, warum ich da bin. Vermutlich erwarten sie, dass ich von Wotan schwärme oder von Anke oder von Kostja. Schnell schüttel ich ablehnend den Kopf, so dass sie weitergehen, denn wenn ich jetzt vor der Kamera sage, dass ich wegen Schnurpsi da bin, wirft das nur weitere Fragen auf.  

Ich mag es, bei solchen Spektakeln dabei zu sein und alles zu beobachten, auch wenn ich da keine Autogramme haben und keine Selfies machen will. Der im Anschluss gezeigte Film, den auch die Darsteller ansehen, macht Spaß, obwohl manche Handlung schon sehr konstruiert ist und einige Charaktere recht einseitig bleiben. Es gibt einige sehr schön schräge Szenen, von denen es ruhig mehr hätte geben können. Die Schauspieler sind wirklich klasse und auch Schnurpsi ist prima und hat eine größere Rolle als ich dachte. Dafür dass Kostja Ullmann kein Puppenspieler ist, macht er das nach dem kurzen Coaching, das er von Bodo bekommen hat, ziemlich gut. Respekt.

Zurück aus der Rote-Teppich-Show-Welt, male ich mir zuhause meine eigene Welt. Die ist rund und bunt und hat in meinem Froschstück eine stumme, dafür drehende Nebenrolle. Inzwischen sind einige Sachen fertig, die ich dringend zum Proben der Szenen brauche, die Fee ist nach ihrer OP wieder zusammengesetzt und neu eingekleidet und auch den Text kann ich weitgehend flüssig. Die aktiven Proben können endlich beginnen. Ich hoffe, dass sich dabei auch offene Fragen klären wie "Wo bringe ich überhaupt alle Puppen griffbereit unter?", "Wie kann ich die Puppen einhändig auf offener Bühne wechseln, ohne dass ich zappelige Verrenkungen mache?" und "Wie kann ich zehn Minuten am Stück mit hocherhobenen Armen spielen, wenn die Arme nach fünf Minuten ermattet runtersinken?" Bei der letzten Frage habe ich Hoffnung, denn in der Woche davor waren es nur drei Minuten, die ich ohne Pause oben spielen konnte. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, laufe ich im Juni nur noch mit erhobenen Armen durch den Alltag. 

Am Wochenende gibt es noch einen kleinen Lesetermin in Herdecke, wo ich in der onkologischen Kinderabteilung bei einem Familien-Nachmittagstreffen die Giraffe vorlese. Organisiert ist meine Beteiligung von Wünsch-dir-was, dem Verein, der schwer erkrankten Kindern Wünsche erfüllt. Es ist die letzte Lesung bis zum Sommer, denn jetzt brauche ich erstmal Zeit für mein Puppenstück. Zwei Theaterstücke werde ich noch ansehen, alles andere verkneife ich mir bis zum Juli, denn es ist noch viel zu tun und ich will nicht in Stress kommen. Soll ja alles auch Spaß machen.

               
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