Blog 469 - 23.04.2017 - Bauen, nähen, Text lernen, atmen

Obwohl ich zeitlich hinter meiner Planung liege und die inzwischen fünfseitige To-do-Liste nicht sichtbar kürzer wird, komme ich voran. Es ist nicht an großen Ergebnissen zu sehen, aber auch Kleinkram ist wichtig. Hin und wieder schrecke ich in der Nacht hoch, liege danach wach im Bett und überlege angestrengt, wie ich die Stoffbahnen gut an der Leiste befestigen oder wie die kleine Kommode, die ich noch irgendwoher bekommen muss, eine große Ablagefläche bekommen kann. Zum Glück sind Energie und Vorfreude groß und das ist auch gut, denn es liegt wirklich noch viel Arbeit vor mir. 

Mein Arbeitsziel ist das letzte Mai-Wochenende. Da will ich das Stück durchspielen können. Mit Musik, mit Licht und an der fertigen Spielleiste. Bis dahin sind es noch sechs Wochen, beruhige ich mich und lächel entspannt. Oder sind es sogar sieben? Ich laufe zum Kalender und zähle durch. Fünf. Fünf??

Für das letzte Mai-Wochenende hatte ich mich vor einiger Zeit für einen Steinhau-Kurs in Weibern in der Eifel angemeldet. Jetzt denke ich, es könnte möglich sein, dass ich dann nicht entspannt Steine klopfend im Staub sitzen, sondern lieber in hohem Tempo alles erledige möchte, was doch noch auf der To-do-Liste steht. Schweren Herzens frage ich bei den Steinhauern nach, ob es für meinen Platz einen Nachrücker gibt, denn ich möchte ihnen nicht ganz kurzfristig absagen müssen. Ja - es gibt ihn und hurra, die Steinhauerjungs sagen, wenn ich merke, dass ich doch kommen kann, soll ich das einfach machen. Sie machen eine entsprechende Bemerkung an meine Anmeldung. Wie schön! Vielleicht denke ich in fünf Wochen: "Ich bin viel zu weit und sollte nicht überproben. Also klopfe ich am Wochenende mal lieber einen Stein rund." Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall ist es sauber geregelt und ich habe nicht im Hinterkopf, dass ich an dem Wochenende unbedingt noch den Kurs reinkriegen muss.

Beim Textkönnen bin ich bei 85 Prozent. Einige Szenen klappen schon flüssig, bei anderen muss ich zwischendurch mal kurz ins Textbuch blinzeln. Probleme machen jetzt eher die Stellen, die ich kurzfristig nochmal geändert habe. Manchmal sitze ich im Garten, die Katze kommt, springt mir auf den Schoß und lässt sich streicheln, während ich das Stück halblaut mit den unterschiedlichen Stimmen durchspreche. Ihr ist egal, dass ich mehrere Persönlichkeiten bin. Wenn ich beim Autofahren den Text spreche, hoffe ich, dass es für die anderen Verkehrsteilnehmer wie die Benutzung einer Freisprechanlage aussieht, auch wenn ich weiß, dass meine Mimik als jammernde Königin oder quakender Frosch nicht zu üblichen Gesprächen passt. Aber egal. Ich bin Puppenspielerin und kann machen, was ich will. Auch dämlich aussehen.

Warum ich meine alte Kurbel-Kaffeemaschine auseinandernehme und was ich aus ihren Einzelteilen baue, verrate ich noch nicht. Das Ergebnis wird ein wichtiges Teil beim Froschstück. Kleiner Tipp: Es hat mit Frankreich zu tun. Das hilft allerdings auch nicht, um zu erraten, was ich baue. Eigentlich kann man da überhaupt nicht drauf kommen.

               
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