Blog 467 - 09.04.2017 - Schöner Wohnen und ein Hochbunker

Das Wetter ist weiterhin schön und es lässt mir doch keine Ruhe, darum baue ich im Garten weiter an meinen Kulissenteilen. Die hohe Spielleiste ist dran. Sie wird 2,30 m hoch und 3,20 m breit, aber ich baue erstmal die halbe Breite, die zum Proben aller Szenen ausreicht. Den Rest der Leiste kann ich irgendwann im Mai fertig machen. Außerdem habe ich gar keinen Platz, um die komplette Spielleiste in meinem Proberaum aufzustellen.

Mein Proberaum ist das Wohnzimmer. Dort liegt Nähzeug auf dem Tisch, auf dem Klavier sind Puppen aufgereiht und manchmal fliegen sogar Schaumstoffschnipsel herum. Die Mitte des Raumes nehmen jetzt auch noch die halbhohe, im Testmodus befindliche Teichbühne und die halbe Spielleiste ein. Für "Schöner Wohnen" wäre das kein Motiv, eher für "Wie quetsch ich mich durch". Zum Glück habe ich einen Gatten, der angesichts des zugestellten Wohnzimmers nur fragt: "Weißt du schon, was für Lichtstimmungen du haben willst? Dann können wir überlegen, welche Scheinwerfer wir nehmen." Bleibt alles ja auch nur noch acht Wochen so stehen.

Die Lesung in der Buchhandlung Köhl in Liblar mit Ausschnitten aus Abschiedsbriefen verläuft schön. Die Zusammenstellung aus berührenden, lustigen und harten Abschieden kommt gut an, und am Ende der Lesung kommt unter Gelächter der Vorschlag auf, daraus mal einen VHS-Kursus "Wie schreibe ich einen guten Abschiedsbrief" zu machen. Es dauert immer mehrere Stunden Eigenarbeit, um eine einstündige Lesung vorzubereiten, aber wenn sie dann funktioniert, finde ich, es hat sich gelohnt.

Nicht mehr vorbereiten, sondern nur noch nachsehen, ob der Beamer funktioniert und alles im Koffer ist, muss ich bei meinen Giraffen-Lesungen, die diesmal an der Grundschule in Malsch bei Karlsruhe stattfinden. Der Weg ist relativ weit, aber ich mag es, noch im Dunkeln zu starten und unterwegs zu erleben, wie es heller wird und die Sonne aufgeht. Zwischendurch wird mir klar, dass ich vor zwei Wochen noch dachte, dass es nicht wenig ist, mal eben 5 Stunden nach Chemnitz zu fahren und am nächsten Tag 5 Stunden zurück. Für die Lesung in Malsch fahre ich 7 Stunden an einem Tag. Zwar in zwei Etappen, aber dazwischen liegen die Lesungen, bei denen ich mich auch sehr konzentrieren muss.

Das folgende Bild hat nichts mit der Lesung zu tun, der dicke Karpfen fiel mir nur in einem der idyllischen Nachbarorte auf und passte schön zu Kopfsteinpflaster, Fachwerk und Kirchplatz. Heile Welt und ein optischer Kontrast zu meinem nächsten Programmpunkt.

Da gibt es die Einladung zu einem privaten Konzert in einem Hochbunker in Oberhausen. Einlasszeiten sind um 19:30, 20:00 und 20:30 Uhr, was daran liegt, dass es keine Klingel gibt und immer jemand extra vom 4. Stock bis zur Tür laufen muss.

Vor etwa 30 geladenen Zuhörern spielt die Band "This is ...!" eine Art Testkonzert aus vorwiegend eigenen und einigen gecoverten Liedern. Der Sänger und Gitarrist "Eliah Dolphin Jones", der eigentlich Marco oder so ähnlich heißt, und bei dem ich keine Ahnung habe, warum er einen Künstlernamen hat, spricht ganz normal, macht mit normaler Stimme Ansagen, und wenn er singt, ist es der Hammer. Soulig, jazzig, gefühlvoll, ein bisschen heiser, lässig die Töne ziehend und verwunderlicherweise singend mit deutlich weniger Höhen als beim Sprechen. Was für eine außergewöhnliche Stimme! Da ist Max Mutzke, Stefan Gwildis und Joe Cocker drin, und es funktioniert, egal, ob er englisch oder deutsch singt.   

Zum Reinhören auf youtube: Eliah Dolphin Jones

             
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