Blog 461 - 26.02.2017 - Erste Flyer und ein Puppentheater-Ausflug

Es ist noch eine ganze Menge zu tun bis zur Premiere. Viel Arbeit wird auch noch die Spielleiste machen, die stabil und fest, aber auch leicht aufzubauen und im Auto transportierbar sein muss. Mitten in der Nacht wache ich auf, weil mir die Lösung für eine Problemstelle einfällt. Und so sitze ich in nächtlicher Ruhe beim Schein einer Schreibtischlampe am Tisch und skizziere meine Bühne. Netterweise auf einen Notizblock, den ich vom Puppenspieler Martin Reinl bekommen habe und auf dem kleine Kakerlaken abgebildet sind. Passt doch.

Zum Glück habe ich am vergangenen Sonntag die Deckenhöhe des kleinen Premierentheaters ausgemessen. Die Spielleiste soll 2,40 m hoch werden, die Deckenhöhe schätze ich auf 2,50 m. Mein Zollstock sagt aber 2,37. Da hätte ich blöd geguckt, wenn kurz vor der Premiere die Spielleiste nicht aufrecht ins Theater gepasst hätte!  

Unerwartet schnell kann ich auch die ersten Flyer brauchen, um sie schon Anfang März im Theater auszulegen. Ich habe einige Ideen für die Gestaltung, aber weil die alle nicht sofort umgesetzt werden können, bastel ich etwas zusammen aus dem, was ich habe. Hauptsache, die Informationen zu den Aufführungen liegen schon mal zum Mitnehmen bereit.

Am nächsten Tag spiele ich das Stück an der improvisierten Bühne durch und es ist alles entsetzlich schlecht. Die Arme der Klappmaulpuppen bleiben an der Deko hängen, die Beine des Frosches rutschen ständig vom Stein, mein linker Arm steht schräg, während der rechte nicht weit genug zur Seite kommt, den Text muss ich immer noch ablesen, die Fee stößt beim Herumfliegen überall an, die Puppen lassen sich noch nicht einhändig wechseln - wenn ich nicht wüsste, dass das zu diesem Zeitpunkt normal ist, würde ich verzweifeln. Auf dem Flyer schreien mir die Aufführungstermine entgegen und ich stolper dilettantisch durch das Stück. Aber ich weiß auch, dass die Inszenierung schon weitgehend stimmt und die Probenzeit jetzt erst beginnt. Das wird schon.

Im Rheinland beginnen die Karnevalstage und ich setze mich in die Bahn und fahre nach Frankfurt. Dort treffe ich mich mit meinen beiden liebsten Puppenbauerinnen aus der Schweiz und wir sehen uns gemeinsam das Puppenstück "Ensel und Krete" an. Zwei der Spieler saßen mit uns im Bochumer Baukurs, wo der Prototyp der Ensel- und Krete-Puppen entstand, und an einigen der Puppen hat eine weitere Kursteilnehmerin gebaut.

Die Figuren sind sehr schön geworden, besonders Ensel, Krete, Laubwolf und Sternenstauner gefallen mir sehr und es gibt viele schöne Ideen in der Umsetzung. Allerdings ist das Stück ziemlich lang. Besonders die ausführlichen Abschweifungen des Hildegunst von Mythenmetz, der in einer sehr statischen Animation gezeigt wird, sind dann doch häufiger und länger als ich interessiert zuhören möchte. Mir geht während des Zusehens der Hinweis meines geschätzten Dozenten Bodo Schulte durch den Kopf, dass zu einer guten Inszenierung auch gehört, dass auf die gewünschte Zeit gekürzt wird. Ich selber finde, dass Sätze, die zunächst wichtig erscheinen, das Publikum aber langweilen, nicht wichtig genug sind.

Trotzdem ist es klasse, zu dritt diesen Puppentheater-Ausflug zu machen, das Stück anzusehen, die beiden Puppenspiel-Kollegen zu treffen, im Dunkeln am Main entlang zu spazieren, in dem sich das nächtlich beleuchtete Frankfurt spiegelt, und am nächsten Morgen ewig lange zu frühstücken. Wir erzählen und lachen, und als die Züge zurück nach Basel und nach Köln fahren finden wir, dass wir gemeinsame Puppentheaterausflüge in jedem Jahr machen sollten.       

         
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