Blog 459 - 12.02.2017 - Erster Stück-Durchgang und Übelkeit in Paris

Es ist soweit: Zum ersten Mal spiele ich das Stück mit Puppen einmal komplett durch. Die Klappmaul-Puppen sind nicht ganz fertig und kleidungslos, die Handpuppen gibt es nur als Zeitungspapierschnipsel-Köpfe, den Text muss ich ablesen und Utensilien oder Kulissen gibt es nicht. Trotzdem ist das erste Durchspielen ein wichtiger Schritt. Ich sehe, ob die Ideen überhaupt mit großen Puppen auf den Händen umsetzbar sind, welche Szenen vermutlich gut funktionieren werden und wo ich jetzt schon merke, dass etwas hakt. Es klappt alles recht gut, und bis auf zwei Szenen, die mir momentan noch ein bisschen lang vorkommen, gefällt mir auch das Tempo der Geschichte.

Spielerisch muss allerdings noch viel gemacht werden. Alle Puppen brauchen intensive Schauspielstunden in Haltung, Bewegung, Ausdruck und Zusammenspiel. Was heißt Stunden? Wochen! Soll ja richtig gut werden und nicht nur ein bisschen Tri-tra-trullala. Außerdem stören bei manchen Bewegungen die extra in die Finger eingebauten Drähte. Damit lassen sich die Hände zwar in eine schöne Haltung biegen, während des Spielens können sie aber auch ungewollt verbogen werden und stehen dann kreuz und quer. Das war anders gedacht und da muss ich nochmal ran. Auch die gekaufte Prinzenkrone geht gar nicht. Bei schnellen Bewegungen fliegen die Prinzenhaare hoch und bleiben zwischen den Zacken hängen. Da ich für den Prinzen sowieso lieber eine flache Krone hätte, werde ich selber eine bauen. Ach nee, ich werde fünf Kronen bauen, denn so viele Prinzen sind in verschiedenen Varianten dabei.

Das Durchspielen dauert genau eine Stunde. Prima! Noch ist keine Musik dabei, einige Szenen werden beim Ausspielen länger werden, dafür andere kürzer. Wenn ich am Ende bei 60 bis 70 Minuten Stücklänge bin, finde ich es genau richtig. Es ist ja auch kein bedächtiges Kleinkinder-Stück für Dreijährige, sondern ein Theaterstück mit Puppen für Kinder ab sechs und für alle Erwachsene, die Theater mit Puppen mögen. Nachdem bei meinen Weihnachts-Theaterstücken auch Erwachsene ohne irgendwelche Kinder als Zuschauer kamen, hoffe ich sehr, dass das beim Puppenstück ebenfalls passieren wird.

Weg von den Puppen, dafür ausgestattet mit Brille und Kopfhörern, kann ich in dieser Woche noch einmal im Entwicklungslabor virtuelle Welten besuchen. Mit echten, großen Achterbahnen fahre ich gerne und kann das auch mehrfach nacheinander ohne Probleme machen, aber nachdem ich eine Viertelstunde lang virtuell als Vogel in hohem Tempo durch die Straßenschluchten von Paris gerast bin, weit oben die Spitze des Eiffelturms umrundet, im Sturzflug runter bis zur Seine gestürzt und von dort wieder steil hoch zum Montmartre geflogen bin, ist es mir doch übel. "Simulator Sickness" heißt das Fachwort. Genauso übel wäre es mir vermutlich, wenn ich die Strecke in dieser Geschwindigkeit nicht virtuell, sondern echt durch Paris geflogen wäre.

Ich wechsel die Welt und fliege sanft durch das dreidimensionale London. Es ist unglaublich faszinierend, das zu erleben. Solche Bilder kenne ich sonst vom Drohnefliegen, aber da ist es beim späteren Ansehen nicht so intensiv wie in der 3D-Version, in der man vermeintlich mittendrin ist und sich beim Umblicken keine Grenzen zeigen. Witzigerweise sieht London von oben aus wie beim Mister-X-Spielen.

Als ich danach auch noch über meinen Wohnort fliege, genau vor unserem etwa ein Meter hohem Haus lande und mich runterbeuge, um in das Dachfenster meines Arbeitszimmers zu sehen, bin ich völlig entzückt. Natürlich kann ich nicht reinblicken und mich sehen, so extrem nah sieht dann doch alles ein wenig nach Fototapete aus und die Fenster sind blickdicht - aber ich wäre ja auch gar nicht da, weil ich gerade davor stehe und reingucke.

Zuhause bemale ich die Handpuppenköpfe und baue die kleine Fee fertig. Im Buch kommt sie gar nicht vor, aber die Puppenstück-Version hat einige Extras, damit die Geschichte schön abwechslungsreich und turbulent wird. Die Fee, die so zart und lieblich aussieht, ist ganz schön schräg.

       
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