Blog 458 - 05.02.2017 - Friseurtermin mit Farbkonzept und virtuelle Welten

Immer noch kaschiere ich mit vielen handgerissenen Zeitungspapierschnitzeln Handpuppenköpfe und diverses Zubehör. Ich baue sogar ein kleines Flugzeug, das ich in der Form extra simpel haben möchte, weil es dann lustig aussieht. Als es fertig ist, gefällt es mir nicht, weil es nicht nur simpel, sondern auch blöd aussieht. Da muss ich nochmal ran. Oder eins kaufen.

Zwischendurch verlasse ich meinen Schnipseltisch und mache in einem echten Entwicklungslabor einen Ausflug in die virtuelle Realität. Brille aufsetzen, umsehen - und staunen. Es ist großartig! Ich entdecke weite Landschaften, riesige Hallen und märchenhafte Räume. Natürlich weiß ich die ganze Zeit, dass ich mich in einem nüchternen, begrenzten Raum befinde und nur so weit laufen kann, wie das Kabel reicht, aber dass es gleichzeitig um mich herum weite, bunte Parallelwelten gibt, in denen ich mittendrin bin und weite Strecken zurücklegen kann, ist schon faszinierend.

Dass ich neben mir aus dem Nichts Stimmen leise lachen höre, weil ich so dämlich aussehe, wenn ich mich begeistert umblicke oder mich runterbeuge, um meinen virtuellen Hund zu loben, der sich auch gleich vor Freude auf den Rücken wirft und sich den Bauch streicheln lässt, nehme ich für diese Erlebnisse gerne in Kauf. Wenn ich später mal, halb dement, im Altenheim erzähle, wo ich früher überall war und was ich gemacht habe, dass in dunklen Kammern kleine Drachen vor mir saßen, dass ich mich mit einer Kugel wegbeamen konnte, eine Burg mit Pfeil und Bogen verteidigt habe und dass ich mitten im selbstgemachten Schneegestöber stand, werden alle die Augen verdrehen. Aber wer weiß. Wenn meine Altenheim-Mitbewohner früher auch in virtuellen Welten unterwegs waren, nicken sie vielleicht und sagen mit strahlendem Aufblicken: "Das hab ich auch gemacht." 

Zuhause gibt es Friseurtermine. Weniger mit Fön und Bürste, dafür mit Nadel und Faden. Für einige Szenen im Froschstück habe ich Farbkonzepte und darum darf keine Figur ihre Haarfarbe frei wählen. Viele Zuschauer werden das später vermutlich nicht mal erkennen, aber ich glaube, dass es zumindest unterbewusst wirken wird.

Bis auf eine Klappmaulfigur sind jetzt alle gebaut und alle haben Haare auf dem Kopf. Bis auf den Frosch, der braucht keine. Feinheiten fehlen überall noch und Kleidung gibt es auch noch nicht, aber zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass ich gut in der Zeit liege. Das wird sich aber bestimmt wieder ändern. Immerhin verstehen sich meine drei Mädels in der Garderobe schon wunderbar.

      
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