Blog 456 - 22.01.2017 - In neunzehn Wochen ist Juni

Es wird der Juni. Juni! Im Juni wird es die Premiere des Frosch-Puppenstücks geben und außerdem noch weitere Aufführungen. Der 10. Juni (Premiere), der 11., 17. und 18. stehen schon fest, es kann sich aber noch mehr ergeben. Was bis jetzt ein großer, luftiger Plan auf einer Wolke von Begeisterung war, wird auf einmal konkret und fest. Ich freue mich, aber gleichzeitig hole ich tief Luft und spüre Magengrummeln, was angesichts des großen Projektes und der immer noch langen Bauliste kein Wunder ist.

Juni. Das sind nur noch neunzehn Wochen. Und ich habe noch nicht alle Figuren gebaut, es ist noch keine Kleidung genäht, es gibt kein Bühnenelement, keine Requisiten, keine Musik, ich habe noch nichts geprobt ... Neunzehn Wochen können blitzschnell vorüber sein. Andererseits sind neunzehn Wochen auch noch etwas mehr als vier Monate. Also ganz ruhig bleiben, gezielt arbeiten und vor allem den Spaß an diesem spannenden Projekt genießen. Im Juni werde ich mit einem einstündigen Puppen-Solo-Stück auf der Bühne stehen - wie schön!

(spontanes Platzhalter-Probeplakat)


Passend zum Thema Puppenspielen sehe ich mir in dieser Woche in Köln zwei Theaterstücke an. Zuerst ein Kinderstück im Freie Werkstatt Theater, wo Iris Schleuss und Günter Ottemeier "Nulli und Priesemut" spielen. Verblüffenderweise sehe ich, dass die Spielfläche mit Wiese, Büschen und Teich ziemlich ähnlich wie bei meinem Stück aussieht. Sogar die Fliege ist fast wie die aus meiner Werkschau. Aber das bleibt wohl nicht aus, wenn es um Wiese, Teich und Frosch geht.

Die beiden spielen sehr aktiv und schön, die Kinder und die Erwachsenen haben viel Spaß, und ich finde mal wieder, dass man zu zweit ganz andere Möglichkeiten beim Bewegen der Puppen hat. Das ist schon klasse. Bei meinem Stück muss ich das mit mehr Aktion an anderen Stellen ausgleichen. Auch wenn mal wieder viel zu kleine Kinder von ihren Eltern ins Theater gebracht wurden - ("Das Stück ist für Kinder ab 4, aber Matty Bent/Jette-Leia/Fionn Linus sind mit ihren 2 Jahren schon sehr weit und auf keinen Fall überfordert!") - klappt es erstaunlich gut.

Wie schafft man es, dass Eltern sich an die Altersempfehlung halten? Mein Stück wird für Kinder ab sechs oder sieben sein, und Erwachsene werden deutlich mehr Spaß daran haben als Dreijährige, für die das Stück zu schnell läuft und nicht-kleinkindgerechten Text hat. Beim letzten Figurentheaterfestival in Hachenburg stand im Flyer: "Wichtig: Bitte achten Sie unbedingt auf die Altersfreigaben der Stücke, um jüngere Kinder nicht zu überfordern. Im Interesse der Künstler und der anderen Zuschauer bitten wir um Verständnis, dass wir keine jüngeren Kinder in die Vorstellung lassen können." Hört sich hart an, ist aber richtig.

Gar keine Kinder sind im Kölner Künstler Theater dabei, wo es "Tod à la carte" zu sehen gibt. Da ersetzt der Titel die Altersempfehlung. Verschiedene Künstler, mal mit, mal ohne Puppe, spielen Szenen, die mit dem Sterben oder dem Tod zu tun haben. Unter anderen möchte bei Iris Schleuss eine Puppe Selbstmord machen, Georg zum Kley spielt eine Szene aus seinem „Jekyll und Hyde“ und zwei (menschliche) Geier sitzen an der Landstraße und warten freudig auf ihr Menü.

Was für unterschiedliches Figuren- und Puppentheater es gibt! Für ganz Kleine, für ganz Große und bei meinem Froschstück dann hoffentlich für Mittelkleine UND Große. Im Juni. Oh je, ich muss dringend weiterbauen!

     
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