Blog 455 - 15.01.2017 - Idiotensicher, Werbefernsehen und mein Frosch

In dieser Woche baue ich die zwei Puppen fertig, die schon in der letzten Woche fertig sein sollten. Beide werden nur kleine Nebenrollen im Stück haben. Eine wird etwa zwei Minuten mitspielen, die andere nicht mal eine. Das Bauen dauert trotzdem Stunden. Die Überlegung, ob ich sie dann nicht lieber weglasse, mache ich gar nicht erst. Was bin ich froh, dass ich meine eigene Produzentin bin und nicht stundenlang diskutieren muss, ob die Aufwand/Nutzen-Rechnung stimmt! Als Dramaturgin weiß ich nämlich, dass inhaltlich beide Rollen gut für das Stück sind.

Jetzt fehlt noch der Frosch. Im Gegensatz zu den anderen, aus einem Schaumstoffblock geschnitzten Köpfen, möchte ich den Froschkopf aus dünnen Schnittmusterplatten bauen. Ich weiß gar nicht warum. Vielleicht will ich unbewusst eine erneute Flut von winzigen Schaumstoffschnipseln vermeiden, wo doch gerade alles weitgehend sauber gefegt ist. Einfaches Schnittmusterbauen ist prima für Anfänger im Puppenbau, weil es schnell gut funktionierende Ergebnisse gibt und sozusagen idiotensicher ist. Nur ich habe damit Probleme, was immer das im Bezug auf idiotensicher auch aussagt.

Einen halben Tag lang schneide, klebe, ändere ich, um aus den Schaumstoffplatten meine gewünschte Froschkopfform zu bekommen. Am Ende habe ich viele neue Formen entwickelt und einen Stapel durchnummerierter Köpfe auf dem Tisch liegen, von denen mich keiner überzeugt. "In der Zeit hätte ich den Kopf schon dreimal geschnitzt", stelle ich plötzlich fest, hole mir einen Schaumstoffblock, greife zum Cuttermesser und schnitze los. Die Schnipsel fliegen und ich merke mal wieder, dass ich beim Schnitzen deutlich besser bin als beim Konstruieren und 3-D-Denken.

Völlig ungeplant drängen sich mitten im Arbeiten plötzlich Illustrationen rein. Der Rezeptteil eines Buches, das gerade gemacht wird, kann kleine Bilder gebrauchen und ganz spontan kommt die Idee auf, dass ich die machen könnte. Kein Problem, in den nächsten Wochen habe ich immer mal zwischendurch Zeit. Für mich überraschend geht es dann aber sofort los, und so lege ich das Cuttermesser weg und hole meine Zeichensachen. Die ersten Illus schicke ich danach sofort los. Wenn klar ist, dass es das ist, was sie brauchen können, mache ich noch mehr.

Dass im RTL-Werbeteil jetzt der Trailer für die "Puppenshow" läuft, bei dem ich vor vier Wochen beim Drehen als Puppenspielerin dabei war, freut mich. Wie üblich wurde lange gefilmt und das kurze Ergebnis besteht aus blitzschnellen Halb- und Viertelsekundenschnitten. Ehe ich beim Zusehen noch rufen kann: "Das da war ich", ist die jeweilige Szene schon vorbei. Aber egal. Der Drehtag war lustig und bleibt in schöner Erinnerung. 

Am Ende der Woche wird er endlich lebendig: Der Frosch. Um ihn dreht sich alles im Puppenstück und er ist neben dem Prinzen einer der beiden Hauptdarsteller. Außerdem beginnt er den ersten Akt und da sollte er sofort die Herzen der Zuschauer gewinnen, damit sie an seinem weiteren Schicksal interessiert sind. Kaum guckt er mich an, hat er MEIN Herz schon gewonnen. Ich freue mich, denn die Tatsache, dass ich ihn sehr mag, wird das Spielen mit ihm sicher noch intensiver machen.

Ach herrje, dieser kleine, nette Frosch! Da tut es mir ja schon richtig leid, was ihm in der Geschichte alles passieren wird. Wie gut, dass ich weiß, wie es am Ende ausgeht.

    
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