Blog 452 - 25.12.2016 - Engel-Chor, nackter Prinz und die Helene-Show

Es ist Weihnachten, und im Wohnzimmer auf dem alten Klavier könnten dekorativ Kerzen, Tannenzweige und glitzernde Kugeln angeordnet sein, es ist aber kein Platz, denn dort sitzen schon die Puppen, an denen ich gerade nähe. Es sind vorwiegend nackte, glatzköpfige Prinzen. Ich erkläre sie kurzentschlossen zum Engel-Chor, dann passen sie zu Weihnachten und es wirkt sofort festlich.  

Auch wenn ich in den letzten Wochen zwischendurch das Gefühl hatte, dass ich trotz stundenlanger Näharbeit kaum weiterkomme, sind inzwischen die meisten der Klappmaul-Puppen in ihrer Grundform fertig. Für zwei muss ich noch Köpfe schnitzen und beziehen und zwei Hände fehlen auch noch, aber das ist überschaubar. Demnächst geht es zur Friseurin und danach zur Schneiderin, was in beiden Fällen ich sein werde. Als Puppenbauerin muss ich in vielen Berufszweigen unterwegs sein, egal, ob ich es kann oder nicht.

Fertig bin ich danach aber noch lange nicht. Als nächstes stehen vier Handpuppen auf dem Plan, außerdem noch zwei Stabpuppen. Und dann Requisiten, Dekorationskram und der komplette Kulissenbau. Positiv gesehen kann ich mich darüber freuen, dass ich mir im neuen Jahr gar nicht erst überlegen muss, was ich da machen kann.

Meinen Komplettkörper-Prinzen, den ich nur für eine kurze Szene brauche, mag ich jetzt schon besonders gerne. Blöderweise ist die Szene mit ihm diejenige, die noch auf der Kippe steht, weil ihr Gelingen zum großen Teil von meinen schauspielerischen und puppenspielerischen Fähigkeiten abhängt. Nur wenn ich das gut genug hinbekomme, fügt sie sich ein. Aber ich möchte sie so gerne drin haben. "Kill your darlings" ist ein wichtiger Satz bei Inszenierungen, und noch besteht die Frage, ob die Szene nur ein von mir geliebter "Darling" ist oder wirklich gut für das Stück.

Ebenfalls um Puppen geht es genau heute Abend. Dann wird im ZDF der Puppen-Auftritt von Martin Reinl & Co mitten in der Helene-Fischer-Weihnachtsshow zu sehen sein. Die Probe und die Aufzeichnung waren ein großer Spaß, was ganz besonders an der netten Puppenspieler-Gruppe lag. Trotz der 10.000 Zuschauer in der Riesenhalle war ich kein bisschen nervös, sondern nur sehr erfreut, dass ich mit Puppen hinter der Leiste hocken konnte. Es war allerdings auch nicht kompliziert, was puppenspielerisch von mir verlangt wurde. Vor mir eine Spielleiste, über mir viele Scheinwerfer, neben und hinter mir andere Puppenspieler - ich habe mich durchgehend gefreut.

  
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